Dokument 
Die chemische Großindustrie : (Gruppe III, Section 1) ; Bericht / von A. Bauer
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen

24

Dr. A. Bauer.

Steinfalz wird aus Wieliczka bezogen. Es werden ferner producirt jährlich 48.000 Centner calcinirte Soda, 12.000 Centner Aetznatron, 13.000 Centner Kryftall­foda, 1200 Centner Natriumbicarbonat, ferner in 40 Chlorkalk- Kammern 20- bis 24.000 Wiener Centner Chlorkalk. Schwefel aus den Soda- Rückftänden, wird nach Schaffner's Verfahren regenerirt. Ein Theil des producirten Glauberfalzes wird auch als folches, theils calcinirt, theils kryftallifirt, in den Handel gebracht. Die altberühmte Firma Johann David Starck in Böhmen hatte ihre Pruducte in einem eigenen Pavillon rechts vor dem Induftriepalafte zur Ausftellung gebracht, und in einer von A. Prochaska, zufammengeftellten Brochure( Druck von Carl Maafch in Pilfen. Selbftverlag 1873.) eine eingehende Schilderung aller auf ihre Leiftungen bezüglichen Daten veröffentlicht.

Die Gefchichte diefer Firma ift bekannt und hängt innig mit der urfpüng­lich auf die Darftellung von Schwefel, Eifenvitriol und Oleum gegründeten chemifchen Induftrie Böhmens zufammen. J. D. Starck hatte im Jahre 1792 das Meffingwerk zu Silberbach gepachtet, brachte dasfelbe nach Ueberwindung grofser Hindernifse in ordentlichen Gang, und errichtete dafelbft auch die erfte Oleumhütte in Oefterreich. Von jener Zeit, bis auf unfere Tage entwickelte fich die Firma Starck, anfangs durch die Bemühung ihrers Gründers und nach feinem, im Jahre 1841 erfolgten Tode, durch deffen Erben und namentlich durch deffen Sohn, Johann Anton v. Starck, zu immer gröfserer Bedeutung, und umfafst gegenwärtig eine ganze Reihe von Fabriken, die theils im Egerer, theils im Pilsner Kreife liegen, und zumeift auf die Verwendung der Kohlen der Fal­kenauer und Pilsner Becken geftützt find deren Anwendung in der chemifchen und Glas- Induftrie durchgeführt zu haben feinerzeit ein hervorragendes Verdienft diefer Firma war.

Neben dem Oleum( rauchende Schwefelfäure), von welchem im Jahre 1831: 15.000 Centner und im Jahre 1872: 34.410 Centner erzeugt wurden) erzeugt die Firma J. D. Starck alle zu ihrer Fabrication nöthigen Thonwaaren, darunter jähr­lich über 700.000 Stück Oleumkolben und 3000 Stück Schwefel- Deftillations­röhren, und ftellt aus den Rückftänden der Oleumfabrication namentlich feit einigen Jahren, bedeutende Mengen von fogenanntem Caput mortuum dar. Diefe Menge betrug im Jahre 1872: 20.000 Centner und das Product wurde in 19 Nuancen und 41 Sorten in den Handel gebracht. Der Sitz diefer Fabrication ift zu Břas bei Pilfen und es wurde hiezu im Jahre 1871 ein eigenes Etabliffement errichtet und mit Dampfkraft verfehen.

Der zur Oleumbereitung nöthige Vitriolftein wurde früher aus Alaun und Eifenvitriol- Mutterlaugen gewonnen und diefs gefchieht jetzt noch dort, wo in kleinem Mafsftabe gearbeitet wird, wie in Littmitz, allein das Haupt- Rohmaterial ift jetzt der fogenannte Vitriolfchiefer, ein bituminöfer Thonfchiefer, in dem mehr oder weniger Schwefelkies eingefchichtet ift. Diefes Mineral kommt in grofser Menge in der Begrenzung der Pilsner Steinkohlen- Mulde vor. Diefe Schiefer werden auf einem Thonbett auf Halden aufgeftürzt, hier der Verwitterung über­laffen, dann mit Waffer ausgelaugt und erft auf gemauerten Pfannen und endlich auf Eifenkeffeln bis zu fogenanntem Stein( hauptfächlich Eifenoxydfulfat) verfotten, welcher noch weiter in Flammöfen gänzlich entwäffert wird. Diefer Vitriolftein gibt beim Deftilliren, je nach feiner Zufammenfetzung 40 bis 48, ja der jetzt in Verwendung ftehende Stein der Hromitzer Werke, fogar 52 Percent Vitriolöl. Die Erzeugung von Schwefel durch Deftillation hat in diefem Berichte fchon Erwähnung gefunden und wir nennen nunmehr die Vitriolerzeugung, welche früher innig mit der Schwefelerzeugung verknüpft war. Durch das Zurückgehen der Schwefelerzeugung wurde natürlich auch diefe Fabrication betroffen, allein da der Bedarf an Eifenvitriol durch den grofsen Verbrauch zu Desinfections. zwecken eine fteigende Production nothwendig erfcheinen liefs, fo fchritt man zur Abänderung der urfprünglichen Methoden und namentlich zur Anwendung der Desoxydation der, aus den verwitterten Vitriolfchiefern refultirenden Eifen­