Dokument 
Die chemische Großindustrie : (Gruppe III, Section 1) ; Bericht / von A. Bauer
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen

Die chemifche Grofsinduftrie.

35

der neuerdings fallenden Mutterlauge das Doppelfalz von Chlormagneſium und Chlorkalium und aus diefem das Chlorkalium erhalten wurde. Diefe Methode, die ,, méthode des eaux à 28 degrés" genannt, gab grofse Ausbeute, brauchte aber viel Steinkohle und viel Arbeitskräfte, lieferte fomit theueres Chlorkalium, konnte daher der Concurrrenz der aufkeimenden Stafsfurter Induftrie nicht widerftehen und es wurde daher obiges Verfahren wefentlich und fo erfolgreich modificirt, dafs man gegenwärtig in Giraud jährlich 40.000 Tonnen Sulfat und 1000 Tonnen Chlorkalium producirt.

Nach diefer Methode läfst man die Mutterlaugen verdampfen, fammelt das, bei der Dichte von 32 bis 35 Grad Baumé fich ausfcheidende Salz( sel mixte), ein Gemenge aus Chlornatrium und Bitterfalz, und lagert diefes in ein Vorrathsmagazin, um es dem Bedarf entsprechend weiter zu verarbeiten, was mit dem Wiederauflöfen desfelben beginnt.

Die Löfung kommt nun in den Eisapparat und wird auf 3 bis 4 Grad Celfius unter Null abgekühlt, wodurch Glauberfalz entſteht.

Die nach Ausfcheidung des obgenannten Salzgemenges( sel mixte) fallende Mutterlauge wird bis zur Beendigung der Campagne in Cement- Refervoirs von 28.000 Kubikmeter Inhalt eingelagert, um zu geeigneter Zeit auf Chlorkalium verarbeitet zu werden. Würde man diefe Lauge fofort verarbeiten, fo hätte man mit Verluft bringenden Salzausfcheidungen zu kämpfen, durch das Lagernlaffen jedoch, fcheidet fich bei der Winterkälte auf dem Boden des Cementbaffins fehr reines Magneſiumfulfat aus und die fo gereinigte Lauge kann mit Vortheil auf Chlor­kalium verarbeitet werden.( Siehe auch: Wagner's Handbuch der chemifchen Technologie, Leipzig 1873.)

Die Anwendung diefer Methode, begleitet von der Einführung vollkom menerer Abdampfvorrichtung und Apparaten, durch welche die Handarbeit möglichft verdrängt wurde, hat in den letzten zwei Jahren in Giraud befriedigende Refultate gegeben, allein der fteigende Kohlenpreis und der Umftand, dafs trotz der genannten Vorfichten ein Verluft an Kalifalzen durch Mitausfcheidung beim Abdampfen ftattfand und endlich der Zeitverluft beim Stehenlaffen der Lauge in den Cementbottichen haben zu neuerlichen Modificationen geführt.

Diefe beftehen darin, dafs man die obgenannte auf 35 Grad Baumé ein­gedampften Mutterlauge vor fowie nach der Ausfcheidung des Bitterfalzes mit Chlormagneſium- Löfung in heifsem Zuftande mifcht, welche in den allerletzten Mutterlaugen der Fabrication immer zu Gebote fteht. Diefer Zufatz erfolgt in eigenthümlichen Gefäfsen und bewirkt die fofortige Ausfcheidung von Bitterfalz und Kochfalz während eine Mutterlauge entſteht, die in die Kryftallifirgefäfse gelangt, wo durch Abkühlung das Doppelchlorid des Kaliums und Magneſiums ( Carnallit) ausgefchieden und auf die bekannte Weife weiter verarbeitet wird. Auf diefe Weife erfpart man fowohl das Einlagern und Warten fo wie das Concentriren durch Abdampfen und kann die Mutterlauge verarbeiten, ohne auf ihren Gehalt an Sulfaten Rückficht nehmen zu müffen.

Die chemifche Fabrik zu Salindres wurde feit 1867 bedeutend erweitert und man erzeugt dafelbft gegenwärtig täglich an 1000 Kilogramme chlorfaueres Kali, regenerirt den Schwefel aus Jodrückftänden nach Mond und erzeugt endlich gefällten phosphorfaueren Kalk. Zu dem Ende werden rohe Kalkphos­phate einer methodifchen Anflöfung durch Salzfäure unterworfen, die Löfung mit Kalkmilch gefällt, und das mit Chlorcalicum gemengte Phosphat geprefst und im Carr'fchen Apparat zerkleinert.

Die tägliche Production an diefen Phosphaten beläuft fich auf 3000 Kilo­gramm und ift im Steigen begriffen. Aufserdem erzeugt man in Salindres, Aluminium und verarbeitet den Bauxit durch Auffchliefsen mit Soda.

Ein grofses Intereffe erregte die Collectivaus ftellung des Vereines der franzöfifchen Jodfabrikanten, welchem 9 Firmen angehören und die alle Producte zur Anfchauung brachten, die fich aus der Afche der Seepflanzen