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Die Arzneiwaaren : (Gruppe III, Section 2 und 8) ; Bericht / von K. D. Ritter von Schroff
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Die Arzneiwaaren.

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allgemeinen Intereffes wegen mittheilen: Die erften Ausfaaten( semences) von Chinapflanzen in Java fanden 1854 ftatt und wurden diefe erften Verfuche mit Verbefferungen 1864 erneuert; man befolgte die neue Methode, die darin beftand, Pflanzungen in freier Luft und im Schatten zu fchaffen. 1869 fanden die erften Ernten ftatt und gaben gute Refultate, die bis Ende 1872 auf 30.000 Kilo angefchlagen werden können, von denen 20.000 Kilo nach Europa exportirt wurden. Gegenwärtig kann man die Ernte von 1873 auf 30.000 Kilo anrechnen und mit Sicherheit vorausfagen, dafs von nun an in drei Jahren( 1876) die jähr­lichen Ernten 100.000 Kilo erreichen werden. Ohne die Pflanzungen der C. Pahudiana zu rechnen, fchätzt man die Zahl der diefes koftbare Product lie­fernden Pflanzen auf mehr als zwei Millionen und unter diefer Zahl find ungefähr % in freier Erde an freier Luft in den beften Wachsthumsverhältniffen. Ende diefes Jahres werden mit zwei Millionen Pflanzen alle Pflanzungen beendet fein, und wird fich das Erträgnifs jährlich vermehren, während die Auslagen fich fehr merklich vermindern werden. Sobald man erkennt, dafs die Pflanzen befferer Qualität find, werden fie adoptirt und ftatt anderer minder guter cultivirt. Seit 1869 haben befondere Unternehmer, zerftreut unter der ganzen Bevölkerung des oftindifchen Archipels, an den Vertheilungen von einigen taufend Pflanzen und Millionen Samen theilgenommen. Es wird ferner noch conftatirt, dafs zahlreiche Europäer fich gegenwärtig mit Energie und mehr oder weniger Erfolg der Chinacultur widmen.

Es werden 8 Cinchona- Arten, die in Exemplaren der Pflanze auf Cartons mit Blättern, Blüthen, Früchten und als Rinde vorlagen, auf Java gebaut. Bei jeder Species waren der Alkaloidgehalt und meiftens auch die Zahl der cultivirten Bäume angegeben.

Cinchona caloptera aus Samen, von Hafs karl mitgebracht, gezogen 1854; Rinde mit Flechtenüberzug; enthält 3.4% Chinabafen und zwar Chinin. 0.3-0.6, Cinchonin 16-2.8%. 10.000 Bäume.

Cinchona micrantha, aus englifchen Pflanzungen nach Java 1862 eingeführt; verhältnifsmäfsig ftarke Rinde; enthält 72% Alkaloide, davon Cin­chonin 6.7%. 1000 Bäume.

Cinchona Pahudiana aus Samen, von Hafskarl mitgebracht; 1854 gezogen; mehrere Exemplare, darunter ein fehr starkes mit Flechten; blühende und fruchttragende Pflanze; enthält 14% Alkaloide, davon Chinin o 2, Cincho­nidin o 8%. Zahl der Bäume nicht angegeben.

C. Calisaya. Etiquette zum Theil verfteckt und wegen der nicht ent­fernbaren Rahme nicht ganz zu lefen, daher weder Alkaloidgehalt noch Zahl der Bäume angegeben werden können; man findet nur fehr fchöne, grofse, ftarke Exemplare.

C. lancifolia, aus Samen, von Karften in Neu- Granada gefammelt, gezogen 1854. Schöne grofse Exemplare. Die Rinde enthält 3.3% Alkaloide, davon Cinhin 15%, Cinchonin 2.5%. 60.000 Bäume.

C. officinalis von englifchen Pflanzungen eingeführt 1865. Alkaloid­gehalt 4: 3%, davon Chinin 1-75%, Cinchonidin und Chinidin 1%, Cinchonin o 5%. C. succirubra, aus englifchen Pflanzungen eingeführt 1862. Alkaloid­gehalt 6-7%, davon Chinin 1%, Cinchonidn 2-8%, Cinchonin 15-3%. 190.000 Bäume.

C. Hasskarliana aus Samen, von Hafs karl gebracht, gezogen 1854. Alkaloidgehalt 45%, davon Chinin 1.3, Chinidin und Cinchonidin 1%.

80.000 Bäume.

Aufserdem 5 fehr lange ftarke Stämme, und zwar von C. Calisaya, 10 Jahre alt, von C. Hasskarliana, gleichfalls 10 Jahre alt, von C. succirubra, 9 Jahre alt, von C. officinalis, 7 Jahre alt, von C. Pahudiana, 8 Jahre alt. Die Stämme find fo ftark, dafs fie ein ungemein ftarkes Wachsthum der Pflanze vorausfetzen bei dem geringen Alter derfelben. Eine Anzahl von Rinden liegt auch für den

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