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Die Arzneiwaaren : (Gruppe III, Section 2 und 8) ; Bericht / von K. D. Ritter von Schroff
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K. D. Kitter v. Schroff.

Hyphæna, Mangifera indica, Syagrus botryophora, Heritiera, Acrocomia, eine nette Opiumfammlung, zwei anfehnliche Beutel eines böhmifchen Bibers, Castoreum canadense, grofses Exemplar von Simaruba, feltene Meerfchwamm- Exemplare, Copalchirinde von Croton Pseudochina nebft anderen Gegenftänden befinden; die letztere Rinde wurde vor einigen Jahren als befonders fchöne Cascarillrinde in Wien angeboten, mit der fie keine Aehnlichkeit hat, da, wie bekannt, die echte Cascarillrinde nur in kleinen Exemplaren vorkommt, ein bedeutendes Arom befitzt, das fich fowohl dem Geruchs- als dem Gefchmacksorgan zu erkennen gibt, was bei jener Rinde nicht der Fall ift. Die Bahamainfeln, auf denen der baumartige drei bis fünf Fufs hohe Strauch, von welchem die echte Cascarillrinde abftammt, wächft, haben echte Cascarillrinde ausgeftellt.

Des Schwarzenbergifchen Pavillons und eines in feiner Umgebung befindlichen Baffins, in welchem fich zwei nette Biber aus der bekannten Biber­colonie des Fürften luftig herumtummelten, müffen wir infoferne gedenken, als fich in demfelben auf den Schwarzenbergifchen Herrfchaften aus anatolifchem( weifsem und blauem) Mohnfamen erhaltene Mohnpflanzen befinden, aus deren Kapfelfrüchten Opium gewonnen worden ift, das unter der Bezeichnung Opiumextract in bedeu­tender Menge in einem grofsen Glafe vorliegt; dasfelbe hat ein fchönes Ausfehen, einen intenfiven Opiumgeruch, befteht aus dunkelbraun- röthlichen Stücken mit zahlreichen Thränen und enthält nach der Analyfe des Schwarzenbergifchen Agriculturchemikers Hannamann 13% Morphin. In dem den Pavillon. umgebenden Garten werden Mohnpflanzen gezogen, aus deren Kapfelfrüchten der fürftliche Beamte Herr Kroh durch Anfchneiden der unreifen Kapfeln foeben Opium gewonnen hat, das einen guten Opiumgeruch hat.

Aus der Agriculturhalle erwähnen wir aufser dem oben citirten ausgezeichne ten Saffran von Schwinner noch Speik von Trattner in Tamsweg, Lerchenterpen­tin von Flora in Mals, Folia uvæ ursi von demfelben, Iriswurzel von Petz in Botzen, Kürbiskerne und Mohnfamen aus Steiermark, Feuerfchwämme, rohe und verarbeitete, von Kentner in Krain, Equisetum von Pippal, Malven aus Galizien, Mandeln, Piniolen, Feigen, fchöne Exemplare der Rinde von Quercus pedunculata, Leinfamen, eine Sammlung einheimifcher Drogen in porcellanenen Standgefäfsen von der Ackerbau- Gefellſchaft in Görz, Süfsholz- Wurzel von Benda in Aufpitz, eingedickter Süfsholz- Saft in Stangen von Martucci in Trieft, Cichorienwurzeln von Mähren und anderen Ländern, Berberitzenrinde aus Tirol, Angelica, Alkermes von Mayhuber, fehr viel Sumach aus Tirol und Dalmatien, Malz, Malzextract, Malzpulver, Malzbonbons, Chocolate von der Wilhelmsdorfer Malzproducten­Fabrik des Küfferle; Malzpräparate von Fraenkel in Wien, Malzproducte, con­denfirte Tiroler Alpenmilch, condenfirter Kaffee von Gfall in Innsbruck, Rosmarineffenz von Zarich in Dalmatien, Kirfchengeift vom Grafen Enzen­berg in Tirol, Kirfchenwaffer und Enzianliqueur vom Vorarlberger land­wirthfchaftlichen Verein, getrocknete Medicinalpflanzen von Bertoli in Tirol, detto von der landwirthfchaftlichen Gefellſchaft in Linz, ausgeftellt von Huber, Badefchwämme von Oppenheim, Blutegel- Sumpf im Zimmer von Nachtmann in Tannwald.

In der additionellen Ausftellung befand fich in einem Glaskaften ein ausgezeichnetes Exemplar eines männlichen böhmifchen Bibers, den ich durch die Güte des Herrn Fürften Schwarzenberg in einem fo frifchen Zuftande erhielt, dafs es möglich war, alle den Arzt intereffirenden Theile demfelben zu entnehmen und als inftructive Präparate aufzubewahren, welche zum Theil in dem­felben Kaften fich befinden und in den beiden getrockneten Bibergeil- Beuteln, von denen der eine der Länge nach geöffnet ift, und in einem leeren Fettfack, deffen Inhalt in einem Glafe aufbewahrt wird, indefs der andere unverfehrte, gefüllte Fettfack in einem zweiten Glafe fich befindet, das Ganze in feiner natürlichen Verbindung, beftehen; ein letztes Präparat enthält den Penis in feiner natürlichen geknickten Lage, die beiden Hoden mit ihren langen Samenleitern,