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Die Arzneiwaaren : (Gruppe III, Section 2 und 8) ; Bericht / von K. D. Ritter von Schroff
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Die Arzneiwaaren.

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allgemeinen Wiffens nach den verfchiedenften Richtungen der Erkenntnifs ver­fchieden fich geftaltet, der ankryftallifirend an das Vorhandene die geiftige Bewegung freier macht und für die Löfung neuer Aufgaben mehr und mehr befähigt.

Zum Schluffe erlauben wir uns noch über einige Gegenftände der Ausftel­lung einige kurze Bemerkungen beizufügen; es betreffen diefelben die China, das Opium und Eucalyptus Globulus.

CHINA. Konnte man fchon nach der Parifer Weltausftellung das Problem, die Cultur der Chinabäume aufserhalb des Mutterlandes anderwärts einzuführen, als gelöft anfehen, fo ift diefs gegenwärtig noch bei Weitem mehr der Fall. Java und Oftindien liefern bereits in den allgemeinen Verkehr gefetzte Chinarinden, welche an den koftbaren fiebervertreibenden Alkaloiden reicher find als die Rinden der Mutterländer, womit unfere Unabhängigkeit von diefen glänzend dargethan ift. Man kennt gegenwärtig diejenigen Species des Genus Cinchona genau, welche die alkaloidreichften Rinden liefern und baut nur diefe; auch verfteht man die Art der Cultivirung und der Behandlung der Rinde bei Weitem beffer als in den Län­dern des natürlichen Cinchonengebietes. Eine andere Frage ift die: Werden auch andere Länder, wo man Chinabäume zu pflanzen verfucht hat, zu einem gleichen glücklichen Refultate gelangen? Ich glaube diefelbe, fo lange die politifche Geftaltung bleibt wie fie gegenwärtig befteht, verneinen zu müffen. Java und Oftindien erfreuen fich fo günftiger klimatifcher Verhältniffe, verfügen über ein fo riefiges für die Cultur geeignetes Territorium, haben bereits einen fo grofsen Vorfprung voraus, dafs die anderwärts gemachten Verfuche auf nachhaltigen Erfolg nicht rechnen können. In Algerien hat man längft die Verfuche aufgegeben, Chinabäume zu cultiviren, Martinique, das Cinchona nitida cultivirt, Ceylon und alle übrigen Länder, wo der Verfuch gemacht wird, Chinabäume zu pflanzen, werden die Con­currenz mit dem in der Cultur der Chinabäume fo weit vorgerückten Java und Oft­indien nicht beftehen können. Unfere Ausftellung bietet eine treffliche Gelegen­heit dar, die Chinacultur auf Java zu ftudiren.

OPIUM. Wie der Bericht zeigt, hat man in fehr vielen Ländern, welche am Opiumhandel noch nicht theilnehmen, Verfuche gemacht, Opium im eigenen Lande zu gewinnen. Die Erfahrung hat längft überzeugend nachgewiefen, dafs überall, wo Papaver somniferum gedeiht, auch ein wirkfames Opium erhalten werden kann. Abgefehen von den älteren Verfuchen in verfchiedenen Ländern, war es befonders Frankreich und Algier, wo die Opiumerzeugung erfolgreich durchgeführt zu fein fchien. Man fprach von einem franzöfifchen Opium, das einen Gehalt an Morphin von 21-22% befitzen und die Erzeugungskoften nicht nur reichlich decken, fon­dern einen fchönen Gewinn fichern follte. Auf der letzten Parifer Ausftellung fehlte dasfelbe und Guibourt, hierüber befragt, verhehlte mir nicht, dafs einiger Hum­bug dahinter gefteckt fei, nach deffen Entlarvung die Opiumerzeugung aufgehört habe. Algier brachte damals von einigen Landwirthen auf ihren Befitzungen erzeugtes Opium zur Ausftellung, das fich allerdings keines fehr grofsen Morphin­gehaltes erfreute, nichts deftoweniger Anlafs gab, von einem algierifchen Opium zu fprechen, das Ausficht hätte, im Handel eine Rolle zu fpielen. Unfere Ausftel­lung bringt zwar algierifches Opium in 2 Sorten, allein nur aus dem Acclimatifations­garten von Algier, zugleich mit der Bemerkung, dafs die Erzeugung des Opiums bei den Landwirthen aufgehört habe, weil kein Gewinn damit verbunden fei. In der neueften Zeit hat man fich befonders auf die von Karften ausgegangene Anregung in Deutfchland, fchliesslich auch in Böhmen auf die Opiumgewinnung ver­legt und jedenfalls infofern mit Glück, als man ein Opium erzielte, deffen Morphin­gehalt 10% und einige Percente wohl auch darüber beträgt. Ganz befonders glück­lich find die in Württemberg mit den Mohnpflanzungen, zu welchen Jobft den Samen aus Kleinafien geliefert hatte, angeftellten Verfuche ausgefallen, mit welchen die auf den fürftlich Schwarzenbergifchen Herrfchaften, welche fich desfelben Materiales bedienten, in jüngfter Zeit begonnenen Experimente wetteifern; Schlefien liefert gleichfalls ein gutes, jedoch den beiden genannten etwas nachstehendes,

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