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Die Fettwaaren und die Producte der trockenen Destillation : (Gruppe III, Section 3 und 4) ; Bericht / von Heinrich Schwarz
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Die Fettwaaren.

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fondern einfach durch Zufammenfchmelzen von Seife und Glycerin hergeſtellt wird. Freilich ift dann das Freifein von überfchüffigem Alkali, was fonft diefe Seife für empfindliche Haut fo empfiehlt, nicht vollkommen gefichert. Das Giefsen von Büften, Schalen und anderen Decorationsftücken aus folcher Seife erfcheint unpaffend wegen zu ftarker Transparenz. Auch die aus undurchfichtigen Cocus­oder Kernfeifen hergeftellten Ornamente machen keinen angenehmen Eindruck. Laurencinin Marſeille, der drei Büften von Thiers auf einmal ausgeftellt, gab den Gegnern diefes Staatsmannes Gelegenheit zu allerlei fpöttifchen Randgloffen. Durch ausgedehnte Seifenfabrication zeichnen fich noch aus Kaifer& Goier in Petersburg mit jährlich 200.000, und Soukouff ebendafelbft mit 160.000 Pud Production. Aus Oefterreich will ich noch F. Fifcher in Simmering mit einem grofsen Sortiment diverfer Seifen, Uiblein& Sohn in Wien mit Schmierfeife, Schellinger ebendahier mit Harzfeife erwähnen.

Die Erzeugung von Seife aus blofsem Abfallfett, Küchen- und Walkfett brachten unter Anderen Houzeau aus Rheims, R. Thomfon aus Riga und Jungfer aus Görlitz zur Anfchauung. Dafs natürlich auch die grofsen Stearin­fabriken faft ohne Ausnahme viele und gute Seife producirten und ausftellten, ift felbftverſtändlich.

Beim Kerzengufs ift als Neuigkeit die Anbringung von 4 in der Länge des Lichtes verlaufenden Durchbohrungen zu erwähnen, die unter Anderen Venèque in Lyon zur Ausftellung brachte. Hierdurch foll das Ablaufen des gefchmolzenen Stearins nach Aufsen verhindert werden, was aber unferer Anficht nach beffer durch ein richtig gewähltes Verhältnifs zwifchen Kerzen- und Docht­dicke gefchieht.

Zu demfelben Zwecke empfiehlt I. C.& I. Field den Lychnophylax, eine auf das obere Kerzenende aufzufteckende eigenthümliche gläferne Lichtmanchette, die in dem Mafse, als das Licht abbrennt, hinabfinken foll.

Das letzte Glied diefer Section bilden die Schmieröle und Schmierfette für leichtere und fchwerere Mafchinentheile. Während früher hauptfächlich fette Subftanzen als Schmiermittel Verwendung fanden, fpielen jetzt die Harzöle und Harzöl- Kalkfchmieren( die fogenannten belgifchen Patent- Wagenfette) ferner die paraffinreichen Solaröle und befonders einige rohe, fehr fchwere Petroleumforten ( Vulcan- und Globeöl) endlich feifenartige Combinationen von Fettftoffen mit kohlenfauren Alkalien, auch Löfungen von trockener Seife in Theerölen, für fich oder mannigfaltig combinirt, eine wefentliche Rolle. Je mehr ein folches Schmier­material den Kraftverluft durch Reibung vermindert, je länger es diefe Eigenfchaft bewahrt, je langfamer es felbft verharzt, je weniger es die bewegten Metalltheile angreift, defto beffer ift es. Ein gewiffer Grad von Zähflüffigkeit ift befonders bei fchwerbelafteten Achfen erwünſcht, indem fonft das Schmiermittel zwifchen den fich reibenden Theilen herausgeprefst wird. Auch bei leichten, aber fehr rafch laufenden Achfen ift etwas Dickflüffigkeit rathfam, da fonft das Schmiermittel durch die Centrifugalkraft zu rafch zerftreut wird. Das früher allgemein angewen­dete Baumöl wird jetzt vielfältig durch Rüböl erfetzt, das man entweder im rohen Zuftande nach längerem Ablagern verwendet, oder mit fehr wenig Schwefelsäure raffinirt und möglichft vollkommen auswäfcht. Die beim Raffiniren nebenbei ent­ftehende freie Oelfäure ift freilich fo nicht zu entfernen. Höchftens durch Digeftion mit Alkohol wäre diefs möglich, da diefer wohl freie Oelfäure, aber kein oder nur wenig neutrales Oel auflöft. Durch Zufatz von Ricinusöl, Harz, Harzöl, in Oel gelöftem Kautfchuk fucht man diefem entfäuerten Oele die nöthige Dickflüffigkeit oder Cohäfion zu geben, die beim Raffiniren fich vermindert. Solche Maſchinen­öle werden von fehr vielen Oelfabrikanten ausgeftellt. Die Eigenfchaft, in der Luft zu verharzen, befonders bei Gegenwart von Metallen und bei Erwärmung tritt befonders bei fetten Oelen aus dem Pflanzenreiche hervor. Nur das hoch­gereinigte Olivenöl, noch mehr das Klauenöl, ein thierifches Fett, find davon ziemlich frei. Sie dienen daher als bevorzugtes Schmiermittel für Uhren und Nähmaschinen.