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Die Zündwaaren und Explosivstoffe : (Gruppe III, Section 5) ; Bericht / von Wilhelm Friedrich Gintl, Prof. der Chemie am dt. polytechn. Landesinst. in Prag
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Die Zündwaaren und Explofivftoffe.

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ftände ein. Die Zündhölzchen verbreiteten während der Aufbewahrung unan­genehm riechende und überdiefs nicht unfchädliche Dämpfe, und was der Trans­portfähigkeit derfelben wefentlich abträglich war: fie neigten durch allmälige Bildung von hygrofkopifchen Oxydationsproducten des Phosphors zum Feucht­werden und wurden unbrauchbar.

Diefen letzteren Uebelftand behob Dr. Moldenhauer, indem er, dem fchon 1809 von Derepas gegebenen Beiſpiele folgend, zunächft einen Zufatz von gebrannter Magneſia( die er ſpäter durch die billigere Kreide erfetzte) zur Zünd­maffe machte, während Prefchel zum gleichen Zwecke, fowie zur Milderung des üblen Geruches fchon im Jahre 1840 die Köpfchen feiner Zündhölzer mit einem Harzfirniffe überzog, eine Praxis, die fpäter durch Pollak in Wien( 1846) verbeffert, fich bis heute erhalten hat.

Hatte man fo erft Sicherheit in der Erzeugung haltbarer und verlässlicher Phosphor- Zündwaaren gewonnen, fo fing man bald auch an, dem Luxus Rechnung zu tragen. Zuerft erfetzte man den als Ueberträger der Zündung von der rafch abbrennenden Zündmaffe auf das Holz, urfprünglich allein angewandten Schwefel durch geruchlos verbrennende Körper, wie Fichtenharz, Wachs, Stearin oder wie R. M. Lechtford im Jahre 1862 empfahl, durch Paraffin. Später folgten allerhand Künfte, um das Auge zu befriedigen. So lehrte 1854 St. Krakowitzer in Pottenftein ( Oefterreich) das Metallifiren der Zündholz- Köpfchen durch Herftellung eines Ueberzuges von Schwefelblei auf der Oberfläche der Köpfchen und gab hiefür eine Vorfchrift, die heute noch ziemlich allgemein zur Erzeugung der Zündhölz­chen mit Metallköpfchen" in Verwendung fteht und die durch eine 1867 von Schindler zum gleichen Zwecke vorgefchlagene Methode nur eine zweifelhafte Verbefferung erfuhr. Die Farben der Zündholz- Köpfchen geftalteten fich immer bunter und durch Application farbiger Lacke auf metallifirte Köpfchen brachte endlich Pojatzi( Landsberg, Steiermark) feine in allen Farbnuancen mit metalli­fchem Reflexe fchimmernden Phantafie- Pracht- Salonhölzchen"( Zündhölzer mit Brillantköpfchen) zu Stande, die der raffinirte Gefchmack zum Ueberfluffe noch mit wohlriechenden Zuthaten auszuftatten gewufst hat. Endlich begann man auch damit, die Hölzer durch dünne Kerzchen zu erfetzen, die man der Art herftellte, dafs man Strähnchen aus Baumwoll- Faden mit einem gefchmolzenen Gemenge von Stearin und Wachs, das fpäter auch dem billigeren Paraffin weichen musste, imprä­gnirte und nach der Abkühlung behufs des Formens und Glättens durch ein warmes Zieheifen hindurchzog.

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Allein trotz aller Verbefferungen, welche die Phosphor- Zündhölzchen im Laufe der Zeit erfuhren, hatten fie fich von einem Vorwurfe nicht frei gemacht, der, wenn auch nicht von dem gefammten, fo doch von dem bedächtigeren Theile des Publicums, und zwar nicht mit Unrecht erhoben wurde. Es ift diefs der Vor­wurf der Giftigkeit des Phosphors, die fowohl in Hinficht auf die Nachtheile, welche fie für die in den Zündhölzchen- Fabriken befchäftigten Arbeiter mit fich bringt, als auch im Hinblicke auf die Möglichkeit einer zufälligen oder abficht­lichen Vergiftung oder gefährlichen Verwundung beim Gebrauche derfelben, in

Betracht kommen mufste.

Derlei humanitäre Rückfichten, unterſtützt von dem nicht unbegründeten Bedenken gegen die mit der immerhin noch leichten Entzündlichkeit verbundene Feuersgefahr, welche folche Feuerzeuge in der Hand Unberufener bilden konnten, hatten fchon frühzeitig den Impuls zu Beftrebungen gegeben, die fich das Ziel fteckten, den Phosphorgehalt der Zündmaffen durch nicht giftige oder doch weniger fchädliche Subftanzen zu erfetzen und ihre Feuergefährlichkeit durch Erfchwerung der Entzündbarkeit zu verringern.

Zunächft war es Böttger, der fchon im Jahre 1848, kurz nachdem in Schröt­ter's Laboratorium die nicht giftige und fchwer entzündliche rothe Modification des Phosphors entdeckt worden war, mit der Erfindung der fogenannten Sicher­heits- Zündhölzchen( auch Gefundheits- oder Antiphosphor- Hölzchen) hervortrat,