Dokument 
Die Zündwaaren und Explosivstoffe : (Gruppe III, Section 5) ; Bericht / von Wilhelm Friedrich Gintl, Prof. der Chemie am dt. polytechn. Landesinst. in Prag
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen

8

Dr. Wilhelm Friedrich Gint!.

Hölzchen gewöhnt hat, würde der Einführung diefer Form auch bei gewöhnlichen Phosphorhölzchen keinen Widerftand entgegenfetzen.

In Bezug auf die Länge der Hölzchen hat faft allgemein eine Länge von 4'5 bis 5 Centimeter Eingang gefunden und nur in Rufsland, das des Eigenthümlichen fo Manches hat, ftehen noch Hölzchen von 6.5 bis 8 Centimeter Länge in Verwen­dung. Es liegt auch hierin eine tadelnswerthe Holzverfchwendung, denn fchon die Länge von 5 Centimeter ift mehr als hinreichend und könnte man fich ganz gut mit Hölzchen von 4 Centimeter Länge begnügen. Es würde auf diefe Weife eine merkliche Erfparnifs an Holz erzielt werden können, die fich beiſpielsweise für Oefterreich allein auf 750.000 Cubikfufs pro Jahr beziffern läfstein Holz­quantum, das derzeit in Geftalt der als abgebrannt weggeworfenen Hölzchen völlig unbenützt verloren geht. Selbſtverſtändlich würde hiemit auch einige Erfparnifs an Packungs- und Emballage- Materiale erreicht werden können.

Während fich, wie aus dem Gefagten hervorgeht, in Bezug auf die Technik der Zündhölzchen Induftrie und des erzeugten Productes in den letzten fünf Jahren keine bedeutende Veränderung ergeben hat, zeigt fich in den Marktverhältniffen heute Manches verändert. Zwar find die Preife der Waare mit Ausnahme jener der feineren Sorten von Zündhölzchen ziemlich gleich geblieben, aber der Umfatz der einzelnen mitteleuropäifchen Etabliffements, die früher den Weltmarkt faft aus­fchliefslich beherrfcht haben, hat in Folge der bedeutenden Concurrenz, welche fich von Schweden aus geltend macht, nicht unwefentlich gelitten. Namentlich weifs die öfterreichifche Zündhölzchen- Induſtrie von diefem Umfchwunge der Dinge zu erzählen, und fie ift es vornehmlich, die in der jüngften Zeit, ob der fich allenthalben erhebenden und immer mehr erftarkenden Concurrenz in anderen Län­dern, aus mancher Pofition verdrängt wurde, die fie früher allein beherrschte. Dabei thun die hohen Zölle, durch welche gewiffe Länder( Rufsland, Nordamerika) ihre auf­keimende Induftrie zu fchützen fuchen, und die Monopolifirung, wie fie z. B. in der neueften Zeit wieder von Frankreich eingeführt wurde, das Uebrige, und es ift nur dem wohlerworbenen guten Rufe des öfterreichifchen Productes und dem foliden Gebaren der exportirenden Firmen zu danken, wenn die öfterreichifche Zündhölz­chen- Induftrie auf dem Weltmarkte noch immer eine hervorragende Rolle fpielt.

Gegenüber anderen Induſtrien war jene der Zündwaaren auf der Ausftel­lung nur in befcheidenem Mafse vertreten.

Bei dem Umftande, als aus Rückfichten der Feuerficherheit auch diefsmal die Zündwaaren nur in Imitationen ausgeftellt werden durften, ift die fchwächere Betheiligung der Zündwaaren- Fabrikanten wohl erklärlich, da die Herftellung von Imitationen nicht ohne einige Störung des regelmäfsigen Fabriksbetriebes mög­lich ift und alfo von dem Fabrikanten ein Opfer gefordert wird, das Manchem im Verhältniffe zu dem Erfolge, den er durch feine Betheiligung an der Ausftellung erreichen zu können glaubt, zu grofs erfcheint.*

Was nun die Repräfentation der einzelnen Länder anbelangt, fo hatten fich mit Ausnahme Nord- und Südamerikas, dann Portugals, der Schweiz, der Niederlande und der Länder des europäifchen Südoftens, dann wie natürlich jener Afiens und Afrikas faft alle betheiligt.

So natürlich man diefe Nichtbetheiligung bezüglich des äufserften Oftens und Südoftens von Europa, dann des Orientes u. f. w., wo die Zündhölzchen­Induftrie bekanntlich nicht heimifch ift, findet, fo fehr ift es zu bedauern, dafs fich

* Die Forderung, dafs Zündwaaren nur in Imitationen ausgeftellt werden, hat auch ihre fonftigen Nachtheile. Indem fie den Ausfteller dazu zwingt, für die Ausstellung befonders zu arbeiten, erhöht fie die Möglichkeit, dafs das Ausftellungsobject kein getreues Bild von dem gewöhnlichen Producte gibt. Da die Intereffen der Feuerficherheit auch dadurch gewahrt werden können, dafs man den Zündwaaren befondere, von den übrigen Ausstellungs­bauten entsprechend gefonderte und gegen Feuersgefahr gehörig geficherte Localitäten anweift, fo wäre es wohl der Erwägung werth, ob es in Hinkunft von der bisherigen Gepflo­genheit, wenigftens für nicht explofive Stoffe, nicht abkommen könnte!