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Die Zündwaaren und Explosivstoffe : (Gruppe III, Section 5) ; Bericht / von Wilhelm Friedrich Gintl, Prof. der Chemie am dt. polytechn. Landesinst. in Prag
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Die Zündwaaren und Explofivftoffe.

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Oefterreich, das ohne Ueberhebung die Wiege der Zündhölzchen­Induftrie genannt werden kann, war, wiewohl die hervorragendften Vertreter diefer Branche fich an der Ausftellung betheiligt hatten, keinesfalls fo repräfen­tirt, wie es bei der fo grofsartigen Bedeutung diefer feiner Induftrie, zumal auf einer Ausstellung im eigenen Lande, hätte vertreten fein können.

Wer nach der Zahl der Ausfteller fich ein Urtheil gebildet hätte über die relative Bedeutung der Zündhölzchen- Induftrie Oefterreichs gegenüber jener Schwedens, hätte unbedingt letzterer den Vorrang einräumen müffen- und doch ift diefe Induftrie in Oefterreich immer noch bedeutender als jene Schwedens- wiewohl der Vorfprung kein allzugrofser mehr ift.*

Im Jahre 1870 zählte Oefterreich, mit Ausfchlufs Ungarns, im Ganzen 120 Betriebsftätten der Zündhölzchen- Induftrie. Davon waren 41 gröfsere Fabriken, 79 kleinere Werke und Stätten der Hausinduftrie. Am bedeutendften war die Zündhölzchen- Induftrie in Böhmen, welches 13 Fabriken und 32 kleinere Betriebs­ftätten zählt, dann folgt Mähren mit 9 Fabriken und 5 kleineren Werken, Nieder­öfterreich mit 7 Fabriken, Galizien mit 6 Fabriken und 3 Stätten der Hausinduftrie, Salzburg mit 2 Fabriken, Krain, Schlefien und das Küftenland mit je i Fabrik, Steiermark mit 1 Fabrik und 6 kleineren Betriebsftätten, Oberöfterreich mit 6 Stätten der nationalen Hausinduftrie.

Der gefammte Werth der Production betrug etwas über 4 Million Gulden öfterreichifcher Währung und wurden 9,336.900 Pfund Wiener Gewicht im Werthe von 2,801.070 fl. öfterreichifcher Währung ausgeführt, wovon etwa die Hälfte im Oriente, ein Dritttheil in der Türkei und Kleinafien, der Reft in Deutfch­land, Italien und Rufsland abgefetzt wurde.

An der Ausftellung hatten fich 8 Firmen betheiligt, und zwar B. Fürth, welcher Fabriken in Schüttenhofen( gegründet 1840), Goldenkron( gegründet 1846) und Bergreichenftein( gegründet 1872) unterhält, dann A. M. Poliak, welcher gleichfalls in drei Fabriken und zwar in Wien, Prag und Budweis arbeitet, ferner Hermann& Gabriel in Wien( gegründet 1853), Ad. Schein oft in Schütten­hofen( gegründet 1868), C. Gödel& Comp. in Bärn( Mähren), G. Koll­mann& Comp. in Stainz( Steiermark, gegründet 1870), L. Achleitner in Salzburg und J. Dydacki in Lemberg.

Von diefen hatte B. Fürth eine fehr reiche Collection von Phosphor­Zündhölzchen aller Art, dann hübfche Mufter von Zündkerzchen, Zündspänen u. a. endlich auch Sicherheits- Zündhölzchen nach Art der fchwedifchen ausgeftellt. Unter feinen, fich eines guten Rufes erfreuenden Fabricaten find feine Salon­Zündhölzchen mit bunten Köpfchen namentlich beliebt, wie auch feine Sicherheits­Zündhölzchen, die er bekanntlich einer der Erften fabricirte, dem beften fchwedi­fchen Fabricate diefer Art nicht nachftehen. Nette und praktiſche Emballagen thuen das Uebrige und fo erfcheinen feine Erzeugniffe mit jenen anderer Länder völlig concurrenzfähig. Fürth dürfte übrigens auch der bedeutendste Induſtrielle diefer Branche in Oefterreich fein. Er befchäftiget im Ganzen 2000 bis 2500 Arbeiter und producirt jährlich 2 Millionen Pfund an Zündwaaren der verfchie­denen Sorten, deren Preife von 13 fl. bis aufwärts zu 60 fl. öfterreichifcher Währung per 100 Dutzend variiren und faft ausfchliefslich für den Export beftimmt find, den zu beherrfchen Fürth in mehreren überfeeifchen Häfen Depots feiner Fabricate auf eigene Rechnung unterhält.

Seine Fabrik in Schüttenhofen arbeitet mit 80 Einlegemaſchinen( Sebold) und befchäftigt allein 1050 Perfonen, darunter 150 Hölzchenhobler.

Sehr bemerkenswerth war auch die Ausftellung der Firma A. M. Pollak, die einen bevorzugten Platz in der Rotunde einnahm und fich durch ein fehr gelungenes Mofaikbild aus Zündhölzchen- Köpfchen( die Manier welche Siglé in Paris anwandte) hervorthat. Sie enthielt alle gangbaren Sorten von Zündhölzchen, befonders fchöne

* Die Einfuhr von Zündhölzchen nach Oefterreich betrug im Jahre 1872 nicht weniger als 643.800 Pfund Wiener Gewicht gegen 130.400 Pfund Wiener Gewicht im Jahre 1867.