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Dr. Wilhelm Friedrich Gintl.
Einführung der directen Scheidung des Nitroclycerins von dem gebrauchten Säuregemifche, eine Arbeitsmethode, welche die vorherige Verdünnung der Mifchung nach vollendeter Nitrirung umgeht und alfo die nitrose Schwefelfäure, die bei der früheren Methode des Ablaffens der Mifchung in Waffer, als zu verdünnt, nicht weiter verwendbar war, in einer der weiteren Verwendung fähigen Form wieder zu gewinnen geftattet.
Wie wichtig die Frage der Wiedergewinnung des zur Nitrirung verwendeten Säuregemifches ift, geht aus der Betrachtung hervor, dafs im letzten Betriebsjahre die Quantität des in nicht weiter verwendbarer Form abgehenden Säuregemifches in einer Concentration, in welcher dasfelbe bei der directen Scheidung wiedergewonnen werden kann, nicht weniger als 35.000 Centner betragen haben würde. Das Säuregemifch, wie es nunmehr bei der directen Scheidung erhalten werden kann, ftellt eine 50 bis 60 Grad Baumé ftarke Schwefelfäure mit einem Gehalte von etwa 14 Percent an Oxydationsftufen des Stickftoffes dar und wird vorläufig zum Preife von 2 fl. öfterreichifcher Währung per Centner an Düngerfabriken abgegeben, die es zur Auffchliefsung von Knochenmehl etc. mit Vortheil verwenden. Es dürfte fich jedoch, namentlich wenn es gelingt das Säuregemifch concentrirter zu erhalten als bisher, als rationeller erweifen, dasfelbe für die Darftellung von Salpeterfäure zu verwenden und fo beffer zu verwerthen als bis jetzt. Was die Productionsgröfse der Nobel'fchen Fabriken betrifft, fo haben diefelben( Krümmel und Zámky) im Jahre 1872 im Ganzen 13.400 Centner Dynamit producirt, wovon in der öfterreichifchen Fabrik zu Zámky 4000 Centner im Werthe von 320.000 fl. erzeugt wurden. Diefe Letztere arbeitet mit 2 Dampfmaschinen ( à 4 Pferdekraft), 3 Trockenöfen für Kiefelguhr und Holzpulver, 40 Patronenmafchinen und befchäftigt 60 bis 80 Arbeiter Ihr Rohmaterial- Verbrauch betrug 2000 Centner Glycerin, 8000 Centner Schwefelfäure und 4000 Centner Salpeterfäure, dann 1000 Centner Kiefelguhr.
Von den Erzeugniffen beider Fabriken, die zufammen etwa 200 männliche und 50 weibliche Arbeiter befchäftigen, entfielen im letzten Jahre 12.000 Centner auf Dynamit Nr. 1, 1200 Centner auf Dynamit Nr. 2 und 200 Centner auf Dynamit Nr. 3. Hievon wurde faft die gefammte Production an Dynamit Nr. 2 und 3 in Oefterreich verbraucht, von Dynamit Nr. I etwa 3000 Centner in Oefterreich, der Reft vornehmlich in Deutſchland, Italien und der Türkei abgefetzt. Neuerlich ift der Verbrauch an Dynamit erheblich geftiegen, und betrug der Umfatz bis zu Ende Juni des laufenden Jahres für beide Fabriken bereits 9000 Centner Dynamit Nr 1, 1500 Centner Dynamit Nr. 2 und 600 Centner Dynamit Nr. 3.
Beide Fabriken confumiren gegenwärtig per Monat 5000 Centner Schwefelfäure( 66 Grad Beaumé), 1500 Centner Salpeterfäure( 48 Grad Baumé), 500 Centner Glycerin( 30 Grad Baumé) und 5000 Centner rohen Kiefelguhr. Die Gefammtproduction von Dynamit am Continente dürfte fich gegenwärtig auf 50- bis 60.000 Centner per Jahr belaufen, wovon neben den beiden genannten bedeutendften Fabriken noch mehrere andere, an denen theils gleichfalls Nobel betheiligt ift( Italien, Südfrankreich, Deutſchland), oder die in Ländern, wo Nobel keine Patentrechte geniefst auch von anderen Firmen unterhalten werden, participiren. Auch in Stockholm, fowie in San Francisco halten Compagnien, an deren Spitze Nobel fteht, Dynamitfabriken im Betriebe
Solche Zahlen fprechen deutlich für die Bedeutung, welche das noch in jungfter Zeit vielfach angefeindete neue Sprengmittel gewonnen hat, und wenn es gelingt noch einzelne Mängel zu befeitigen, dann wird das Dynamit wohl auch da fich Bahn brechen, wo man demfelben heute noch mit Mifstrauen begegnet.
Der wefentlichfte diefer Mängel, der vielfach fchon zu Unglücksfällen Veranlaffung gegeben hat, liegt unftreitig in der durch den hohen Gehalt des
* Auf die Vortheile der directen Scheidung hatte Referent fchon im Jahre 1869 hingewiefen.