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Appreturmittel und Harzproducte : (Stärke und Stärkeproducte, Albumin, Casein, Leim, Hausenblase, dann Lacke, Firnisse, Siegellacke etc.) ; (Gruppe III, Section 7) ; Bericht / von Wilhelm Friedrich Gintl, Prof. am dt. polytechn. Landesinst. zu Prag
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Appreturmittel und Harzproducte.

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Nur für rein localen Bedart pflegte man Leimgallerten als folche in den Handel zu bringen, da, wie begreiflich, nicht nur der relativ hohe Waffergehalt gewöhnlicher Gallerten die Verfrachtungsfpefen unnütz erhöht und folche Galler­ten auch nicht haltbar find.

In der neueften Zeit ift jedoch durch Stalling in Piefchen bei Dresden eine Leimgallerte in den Handel gebracht worden, welche den wefentlichen Vor­theil einer hochgradigen Haltbarkeit mit den für den Producenten und theilweife auch für gewiffe Confumenten unverkennbaren Vortheilen diefer Form des Fabri­kates verbindet.

Namentlich für den Producenten bringt die Möglichkeit, Leim in der Form einer Gallerte in den Handel zu führen, den wefentlichen Vortheil mit fich, dafs er die läftige und zeitraubende Arbeit des Trocknens wenigftens für einen Theil feines Productes erfpart, und fo mit dem Gewinne an Zeit und dem Weg­falle eines gröfseren Bedarfes an Raum fein Gefchäft ertragsfähiger geftalten kann, als das andernfalls möglich ift; dem Confumenten aber wird es in der Mehrzahl der Fälle nicht nur gleichgiltig fein, ob er Hartleim oder Leimgallerte bezieht, fondern in vielen Fällen fogar willkommen fein müffen, die leicht und gleichmässig zu verflüffigende Leimgallerte verwenden zu können, zumal wenn diefelbe, wie das bei dem Stalling'fchen Erzeugniffe der Fall ift, keinen allzuerheblichen Waffergehalt hat und haltbar ift. Der Confument gewinnt aber entfchieden auch in dem Sinne, als der Gallerteleim bei dem Wegfalle des Trocknungsproceffes, der nicht felten das Bindevermögen des Leimes ganz wefentlich verringert, in feiner Qualität beffer fein kann, und als er, wie begreif­lich, nicht nur die durch die Koften der Trocknung auflaufende Mehrauslage bei der Deckung feines Leimbedarfes erfpart, fondern auch, da Stalling einen beftimmten Leimgehalt garantirt, jener Unficherheit nicht ausgefetzt ift, welche der Bezug trockenen Leims, deffen Waffergehalt ein fehr fchwankender ift, mit fich bringen kann.

In der That hat fich das Stalling'fche Product theilweife fchon eingebürgert und wird namentlich von Papierfabriken, Filzfabriken und mehrfach auch von Holzarbeitern gerne bezogen.

Die Art des Verfahrens, das Stalling für die Herftellung feiner Leimgallerte in Anwendung gebracht hat, wird bisher noch geheim gehalten, doch fcheint aus den intereffanten Unterfuchungen H. Fleck's* hervorzugehen, dafs diefes Pro­duct durch einen Ausfalzungsprocefs aus wafferreicherer Leimgallerte gewonnen ift; wenigftens fpricht für die Richtigkeit diefer Annahme fehr die Thatfache, dafs die Stalling'fche Leimgallerte, wie Fleck nachgewiefen hat, 2.5 Percent an Ammoniumfulfat enthält, deffen Vorhandenfein in derfelben fchwer erklärlich wäre, wenn man nicht annehmen wollte, dafs die von Fleck für diefes Salz nach­gewiefene befondere Eignung zum Ausfalzen des Leimes hier praktiſch verwerthet

erfcheint.

In Betreff der Anwendung des Leimes ift gleichfalls wenig Neues zu berichten. Neben der Verwendung für Holzarbeiten, dann für Cartonnage- und Galanterie- Arbeiten, wird Leim nach wie vor als Appreturmittel, namentlich von Tuch- und Filzfabriken verwendet. Auch die Papierinduftrie, zumal die Bunt­Papierfabrikation, confumiren nicht unerhebliche Mengen von Leim. Die Ver­wendung des Leimes zur Herftellung von Walzenmaffen hat fich ziemlich allge­mein eingebürgert und hat fich die Qualität der Walzenmaffe durch die Verwendung des bereits 1866 von C. Pufcher für folche Zwecke vorgefchlagenen Glycerin­zufatzes an Stelle des früher verwendeten Syrups wefentlich verbeffert. Bezüglich der feineren Leimforten ift der Confum an Leimfolien im Allgemeinen geringer geworden; dagegen hat die Verwerthung zumal der Gelatine für die Zwecke der Einhüllung von Medicamenten in der Geftalt der fogenannten Gelatinekapfeln

* S. Dingl. Journal, Band 201 pag. 365.