Appreturmittel und Harzproducte.
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Man mag nicht mit Unrecht fagen, dafs die Methoden der Firnifsbereitung auf kaltem Wege, wie fie zuerft Liebig vorgefchlagen, fo lange man bei Bleifirniffen bleibt, nicht leicht das gleiche Product liefern, wie es die Kochmethode liefert, und man mag auch zugeben, dafs die kalt bereiteten Manganfirniffe nach älteren Vorfchriften unter gleichen Verhältniffen von geringerer Brauchbarkeit find, als die auf dem alten Wege der Kochung erzeugten.
Nicht fo aber fteht es mit den neueren Verfahrungsarten, und die Erfahrung hat gelehrt, dafs man bei richtiger Manipulation Manganfirniffe erhalten kann, die nicht blos eben fo gut und fchnell trocknen wie gekochte, fondern auch die gleiche Haltbarkeit des Anftriches erzielen laffen, wenn man nur allen Erforderniffen genügend Rechnung trägt.
Von Seiten vieler Fabrikanten gefchieht diefs leider nicht. So ift es eine nur allzu häufig vorkommende irrige Anficht, dafs jedes beliebige Leinöl unter denfelben Verhältniffen gleich gute Producte liefere, eine Anficht, die manchen mifslungenen Verfuch verfchuldet.
Da, wo es fich um das Verfieden des Leinöls unter Zufatz der üblichen Trockenmittel handelt, ift diefe Anficht infoferne gerechtfertig, als man es hiebei in der Hand hat, durch die längere oder kürzere Dauer des Kochproceffes gewiffe Verfchiedenheiten des Rohmateriales auszugleichen und bei felbft fehr verfchiedenem Rohmateriale doch noch Producte von ziemlicher Gleichartigkeit zu erhalten. Nicht fo bei der Firnifsbereitung auf kaltem Wege, wo die Verfchiedenheiten des Rohmateriales auch im Producte noch fcharf zu Tage treten, wenn man nicht von Fall zu Fall von der Schablone abweicht, die, weil fie einmal ein gutes Refultat geliefert hat, für alle Fälle paffend erachtet wird.
Es kann in diefer Beziehung nicht dringend genug an den Umftand erinnert werden, dafs namentlich das Leinöl, was feinen Gehalt an fchleimigen und eiweifsartigen Pflanzenftoffen betrifft, fich fehr verfchieden verhält, je nach der Qualität der Samen, aus welchen es gewonnen wurde, und nach der Art feiner Gewinnung felbft, und es ift bekannt, dafs gerade diefe Gemengtheile einen nicht geringen Einfluss auf die Qualität des erzielten Firniffes nehmen, wenn man ihrem Vorhandenfein bei der Firnifsbereitung nicht entsprechend Rechnung trägt.
Hat Wiederhold felbft für die Vorbereitung des zu Kochfirniffen beftimmten Oeles darum nicht mit Unrecht die Entfernung diefer Stoffe aus dem Leinöle anempfohlen, fo möchte, namentlich für die Herftellung von Manganfirniffen auf kaltem Wege, der Wiederhold' fche Vorfchlag ganz befonders beher zigt werden, und wenn auch nicht gefagt werden will, dafs das Wiederhold'fche Verfahren zu diefem Zwecke ein für die Praxis durchaus empfehlenswerthes fei,* fo liegt doch in feinem Vorfchlage eine Mahnung, die um fo mehr beachtet werden follte, als fie von einem Manne kommt, der auf dem Gebiete der Firnifsfabrikation zu den Beftbewanderten zählt.
Aus gleichem Grunde fcheint das von Dullo( Dingl. p. Journ. CLXXXI., p. 151) empfohlene Verfahren der Firnifsbereitung mittelft Braunftein- und Salzfäure, wie fehr es auch von mancher Seite belächelt worden fein mag, immerhin einiger Beachtung werth zu fein, und die Verfuche, die hie und da mit diefem Verfahren angeftellt wurden, lehren, dafs es bei geeigneter Handhabung ganz brauchbare Refultate liefern könne.
Vielleicht verdient auch das in der neueften Zeit vorgefchlagene Verfahren der Firnifsbereitung mittelft Kupferfalzen( A. Ford.- fein Patent f. Berichte d. deutfchen chem. Gefellſchaft, Berlin 1872 pag. 400) in diefer Hinficht einige Beachtung.**
* Die von Wiederhold( Neue Gewerbeblätter für Kurheffen 1866, p. 765) vorgefchlagene Methode der Behandlung des Leinöls mit wäfferiger Aetzkalilöfung, Wafchen des Oeles und Raftenlaffen desfelben durch lange Zeit hat für die Praxis gewifs manches Unangenehme und dürfte unfchwer durch ein anderes der bekannten Verfahren erfetzbar fein, ohne dafs der Erfolg wefentlich gefchmälert würde.
** Vergl. übrigens auch das treffliche Werk von G. J. Mulder ,, Chemie der trocknenden Oele." Deutfch von J. Müller. Berlin 1867. Verlg. v. J. Springer.