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Dr. Wilh. Fried. Gintl.
kitten, dann in den diverfen Wafferglas- und Silikatkitten, dann den Firnifskitten, von welchen der in neuerer Zeit von Böttger( Dingler's pol. Journal CXC, p. 80) vorgefchlagene aus Leinölfirnifs, Bleiglätte, Kalkhydrat und Kiefelguhr herftellbare Kitt befonders empfehlenswerth ift, und endlich in dem zuerft von Hirzel angegebene, fpäter auch von anderen empfohlenen fo von( Pollack fiehe Dingler's pol. Journal CXCII, p. 171) Glycerin- Bleiglättekitt vorzügliche und meift weit verläfslichere Kitte haben, ift das Aufgeben der ehemals für unerfetzbar gehaltenen Harzkitte leicht begreiflich, um fo mehr als die meiſten von ihnen den Anforde rungen nicht mehr entſprechen, die man gegenwärtig an einen guten Kitt zu ftellen bemüffigt ift.
Wenden wir uns nunmehr zu der Berichterstattung über das, was die Ausftellung auf dem Gebiete der Harzinduftrie aufzuweifen hatte.
Es ift begreiflich, dafs eine objective Berichterftattung über die Producte diefer Induftrie ebenfo wie eine vorwurfs freie Beurtheilung derfelben durch eine felbft noch fo gewiffenhafte Jury auf unüberwindliche Schwierigkeiten ftöfst. Die Güte und Brauchbarkeit eines Firniffes, eines Lackes, einer Anftrichfarbe läfst fich weder nach dem blofsen Anfehen, noch auch nach dem Refultate einer flüchtigen Anftrichprobe beurtheilen, und wenn es wohl auch aufser Zweifel fein darf, dafs gewiffe äufsere Merkmale, wie Klarheit, in einzelnen Fällen Hellig. keit der Farbe u. dgl. bei beſtimmten Firniffen und Lacken, Gleichartigkeit der Maffe und feine Vertheilung des Farbkörpers bei den Anftrichfarben nicht vermisst werden dürfen, wenn ein fragliches Fabrikat den Anforderungen entſprechen foll, welche man an dergleichen zu ftellen berechtiget ift, fo ift doch der wahre Werth derartiger Induftrieproducte nicht zu beurtheilen, folange keine Erfahrung über das Verhalten derfelben bei der Arbeit, über die Dauerhaftigkeit, Feftigkeit des Anftriches den fie liefern u. dgl., vorliegt. Darüber könnte bei dem völligen Mangel einer untrüglichen und auf ficherer Bafis fich erhebenden anderen Beurtheilungsmethode nur die Vornahme praktifcher Proben entfcheiden, die vornehmlich vergleichender Art fein müfsten, Proben, die indefs nicht in Stunden oder Tagen abgethan fein dürften, und über welche man Wochen und Monate hingehen laffen müfste, um zu untrüglichen Refultaten zu gelangen. Woher follte man anders Anhaltspunkte nehmen, um z. B. zu beurtheilen, welcher von zwei im Preife gleichftehenden und auch äufserlich gleichartig erfcheinenden Copallacken, die gleiche Ausgiebigkeit haben und im Trockenen fich ähnlich verhalten, der beffere ift, wenn man nicht weifs, welcher von ihnen den unter gewöhnlichen Verhältniffen haltbareren Anftrich liefert; und doch ift gerade das das mafsgebendfte Moment für die Beurtheilung der relativen Qualität derartiger Producte.
Es müsste darum eine Jury, welche die unparteiifche Beurtheilung folcher Induftrie- Erzeugniffe fich angelegen fein laffen will, fordern, dafs die Ausfteller bei Beginn einer längere Zeit währenden Ausftellung mit ihren Lacken, Firniffen und dergleichen in Gegenwart von Commiffären kunftgerechte Anftrichproben herftellen, welche von der Jury in Verwahrung genommen, feiner Zeit das eigentliche Object für die Beurtheilung zu bilden hätten.*
* Es fcheint uns hier der Ort, einen Gedanken auszufprechen, der vielleicht Anlass zu Erwägungen geben könnte, die wir für zeitgemäfs halten. Ohne Zweifel ift fich Jeder darüber klar, dafs das moderne Prämiirungswefen der Ausftellungen ein völlig unhaltbares, um nicht zu fagen geradezu demoralifirendes ift, und keineswegs dem Zwecke entſpricht, dem es dienen foll. Soll die Arbeit einer Jury und die Vertheilung von Preifen an Ausfteller nicht eine reine Komödie fein, bei der der Juror trotz aller Mühe den meift nur fchlecht entlohnten Acteur fpielt, dann wird es unausweichlich fein, an eine zeitgemäfse Reformation des Jury- und Prämiirungswefens zu denken. Wer da weifs, wie unverlässlich meift die auf Ausftellungen eingeholten Informationen über diefe oder jene Firma eines fremden Landes find, wer all die Winkelzüge und die oft bis hart an die Grenze des Erlaubten gehenden Kniffe preisdurftiger Ausfteller kennt und Gelegenheit gehabt hat, zu erfahren, wie felbft das Inftitut der Fragebogen völlig werthlos ift, fo lange man nicht die Beftätigung ihres, leider nur zu oft ein Gewebe von Lügen der frechften Art darftellenden Inhaltes durch die hierzu competenten Ortsbehörden, Gremien u. dgl. fordert, der wird zugeftehen müffen, dafs der Werth einer nach dem üblichen Prämiirungs