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J. Weidman.
Als ein die Einrichtung und Leitung des Aug. Klein'fchen Etabliffements charakterifirendes Moment ift, von der Mitwirkung hervorragender künftlerifcher Kräfte abgefehen, die Thatfache hervorzuheben, dafs dort unmittelbar felbft alle den mannigfaltigen Erzeugniffen dienenden Künfte und Gewerbe fich vereinigt und gepflegt finden.
Rofenberg und Gebrüder Roaeck hatten grofse Collectionen von Lederwaaren ausgeftellt. Erfterer zeigte durchaus feinfte und vorzüglich gearbeitete Waare.
Die andere Firma, die weit vielfeitiger exponirte, brachte viel fchöne Nippes, einzelne vorzüglich gearbeitete grofse Stücke und als Specialität mehrere aus Leder geflochtene Arbeitskörbe verfchiedener Form. Die reiche Sammlung von Wappen und Monogrammen in echten Steinen, allerdings mehr Arbeit des Juweliers, nahm fich fehr effectvoll aus.
Beide Ausfteller find vorwiegend Kaufleute; eben in diefer Eigenfchaft werden fie aber den von ihnen vertretenen Induftriezweigen, fowie den einzelnen Induſtriellen nützlich, indem fie bei ihrem fteten Verkehr mit einem Vieles kaufenden Publikum Gelegenheit haben, den Kunftfinn in den Kreifen der Confumenten anzuregen und zu fördern, neue glückliche Ideen aufzunehmen und diefe mit Hilfe der Etabliffements, mit welchen fie in Verbindung ftehen, praktiſch zu verwerthen, fie zum Gemeingute Aller zu machen.
Moriz Klein, Kaufmann und Fabrikant, ftellte, unterſtützt von den Induftriellen Pollak und Joppich, welche als ehemalige Werkführer bei Auguft Klein eine ausgezeichnete Schule genoffen haben, in reinem Stil fchön ausgeführte Objecte aus. Unter Anderem fah man einen grofsen Kaften aus Rindsleder, der eine vorzügliche Reproduction derartiger antiker Arbeiten war*. Weniger entſprach unferem Gefchmacke ein grofser Kaften aus fchwarzem Holz, mit Juften eingelegt und reich mit Bronze verziert.
Schön waren die irriger Weife hier eingereihten Federcaffetten. Auch einige reich ausgeftattete Säcke neuer Form waren ausgeftellt; ferner erfchien eine Sammlung von Silhouetten, aber nicht wie jene von Auguft Klein in Leder eingelegt, fondern blofs auf lichtem Leder gedruckt; Diefes Verfahren ift billig, der Gegenftand aber felbftverftändlich von minderem Werthe. Einige Damen- und Gürteltaschen mit fehr reicher und complicirter farbiger Ledereinflechtung, oder auch mit Einflechtungen aus Pfauenfeder- Kielen verfehen, erinnerten an füdflavifche Hausinduftrie. Im Uebrigen fand man bei Moriz Klein's Expofition noch manchen fchön gearbeiteten Gegenftand, der aber als Gemeingut der Wiener Lederwaaren- Fabrikation zu befonderer Betonung keinen Anlafs bietet.
Bei dem Ausfteller Johann Etz fanden wir neben anderem Schönen und Guten, als ihm eigene und neue Specialität, Albums, Mappen und Käftchen aus weifsem Pergament mit gemalten Blumen, eine Combination, die fehr gut ausfah. Jacques Löw's grofse mit Leder überzogene Holzgegenstände zeigten, welchen mannigfaltigen Zwecken die Lederwaaren- Induftrie bei harmonischer Vereinigung der Anforderungen des wirklichen Gebrauches, wie des Luxus,
dienen kann.
F. Neiber bekundete in feiner Expofition currenter Waare viel Gefchmack; die ftrebfame Firma Theodor Klein Söhne hatte, wie auf früheren Ausstellungen fo auch diefsmal, in folchen Artikeln fchöne Erfolge aufzuweisen. Riederer& Mader bieten mit ihren eingerichteten Caffetten, Mappen u. f. w. anerkannter Mafsen felbft den franzöfifchen Erzeugniffen diefer Art Concurrenz. Wunder& Kölbl waren durch Ledermofaiken vertreten, welche wegen ihrer kunftvollen Ausführung zu den verdienftlichften Leiftungen der
* Die Bearbeitungsweife des Stoffes mahnt an den Arbeitsprocefs des Treibens bei
Metallen.