Mehl- und Mehlfabrikate.
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In beiden Figuren bezeichnet A den Einlauf des Getreides( Goffe); B und C die beiden, nach entgegengefetzen Richtungen rotirenden Scheiben, an welchen die Bolzen i, i und o, o befeftigt find, E, F, die Antriebs- Riemenfcheiben und G die Mehlfchraube zur Hinausbeförderung des Mahlgutes aus der Mafchine. Die Mafchine ift, um das Herumfchleudern von Mahlgut zu verhindern, durch eine Haube humfchloffen.
Wird die Carr'fche Mafchine zum Mahlen verwendet, refp. in den Mechanismus der Mühle eingeführt, fo fällt ihr nur die Aufgabe zu, ein fehr mehlreiches Schrot zu liefern. Der Weizen wird zuvörderft geputzt, dann auf Walzen leicht gequetfcht, wobei die Körner fich zumeift in je zwei etwas flachgedrückte Theile ( Hälften) fpalten, hierauf der Wirkung der Schleudermühle oder des Desintegrators ausgefetzt. Das von diefem gelieferte, fehr mehlreiche Schrot wird abgebeutelt, hierdurch Mehl, Griefe und reines Schrot erhalten. Die Griefe werden geputzt und getrennt vermahlen; das Schrot wird gleichfalls auf Mahlgängen weiter verkleinert.
Die Leiftungsfähigkeit diefer Mafchine ift überrafchend grofs, ebenfo bedeutend aber auch der Kraftaufwand. Ein Defintegrator von 18 Meter Durchmeffer und o 23 Meter Scheibenabftand, liefert bei 400 Touren der Mahlfcheiben 5814 Liter oder 94'5 Metzen Weizenfchrot per Stunde. Auf 24 Stunden gerechnet gäbe diefs ein Mahlquantum von circa 2200 Metzen, oder nach des Erfinders Angabe die Arbeitsleiftung von 25 Mahlgängen, bei einem Kraftverbrauch von 145 Pferdekräften. Nachdem jedoch nach hiefigen Einführungen 1200 Zollzentner Weizen( circa 1300 Metzen) in fechzehn Stunden auf vier Gängen à 7 Pferdekraft gefchrotet werden, fo wären nur circa fünf Gänge oder, wenn die Verkleinerung des Desintegrators als doppelt fo intenfiv genommen würde, zehn Gänge erforderlich. Der Erfinder könnte entgegnen, die durch die Schleudermühle bewirkte Verkleinerung fei fo grofs wie die vom viermaligen Schroten der Hochmüller, ja fie fei noch grösser und darin liege der Gewinn.
Wir erfehen aus diefer Betrachtung, dafs es fich zunächft um die Frage handelt: Welches find die Eigenfchaften des vom Desintegrator gelieferten Productes?
Der Berichterstatter verdankt der Freundfchaft des Herrn Docenten J. Zeman eine kleine Sammlung von Mahlproducten der mit Carr's Desintegrator arbeitenden Getreidemühle von Gibfon& Walker in Bonnigton bei Edinburgh, und war hierdurch in der Lage, diefe Producte zu prüfen, wenn auch die geringe Menge der Probe des Desintegratorfchrotes die Auffuchung des Percentgehaltes von Mehl, Griefs und Schrot nicht zuliefs. Das vom Desintegrator kommende Schrot enthält viel Mehl und gröfsere Bruchftücke der Körner, hingegen wenig Griefs. Nach einer Angabe in Dinglers polytechniſchem Journale, Band 204 S. 449, enthält dasfelbe
33 Percent Mehl
20
Dunft
99
14
Gries
29
31
"
grobe Theile( Schrot)
Wie verhält fich nun diefes Ergebniſs gegenüber den Anforderungen der Flach und der Hochmüllerei?
Der Hochmüllerei liegt befonders viel an einem reichen Ertrage der fogenannten feinen Züge; diefe laffen fich aber nur durch den ausgebildeten Griesputz und Vermahlungsprocefs erlangen, daher mufs der Hochmüller möglichfte Griesausbeute anftreben, auf welche er nur dann verzichten könnte, wenn er auf anderem Wege ebenfo fchönes Mehl in entſprechender Menge erhielte.
Nachdem nun der Desintegrator wenig Gries liefert, das von ihm genommene Mehl aber nicht zu den feinen Zügen gehört, wie aus nachftehendem Vergleiche zu erfehen ift, fo folgt, dafs fich der Desintegrator für Zwecke der Hochmüllerei nicht verwenden läfst.