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Wein : (Gruppe IV, Section 3) ; Bericht / von Franz Leibenfrost
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Wein.

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fchritt ift gegen die früheren Jahre hier zu verzeichnen und dürfte die Weincultur bei der rafchen Entwicklung und rationellen Behandlung derfelben die Grund­rente ganz bedeutend erhöhen. Von den Capweinen, die längst bekannt find, kann man blofs hervorheben, dafs fie auch in Wien ihr altes Renommée und ihre Bedeu­tung für den Handel rechtfertigten.

Frankreich hat wie bekannt eine grofse Anzahl von Rothweinen, mehrere Sorten weifser, dann verfchiedenartige mouffirende und eine bedeutende Anzahl von Deffertweinen. Faft alle Sorten waren zur Ausftellung gefchickt worden und behaupteten wie fchon fo oft und auf anderen Ausftellungen fo auch in Wien für Frankreich den erften Rang unter den Wein producirenden Ländern, wenngleich weltbekannte Firmen fich an der Ausftellung nicht betheiligt hatten. Die Gefammtproduction Frankreichs mag durchſchnittlich 70 Millionen Eimer in einem Werthe von 700 Millionen Francs betragen und werden 2,276.915 Hek­taren Land fo bebaut, dafs man im Durchfchnitt ein Geringes mehr als 23 öfter­reichifche Eimer auf das Kataftraljoch Production rechnen kann.

Was die Burgunder Weine anbelangt, fo waren diefelben auf der Aus­ftellung fehr verfchieden vertreten. Man fand ordinäre und mittlere Sorten und fo manchen fehr feinen Bouquetwein mit würzigem Gefchmack, kräftig und voll, fo dafs man unverkennbar die Rebe und die Cultur auch ohne Vignette fehr leicht erkennen konnte. Von den feinen Bordeaux- Weinen waren faft alle Sorten vorhanden und abgefehen von den hohen Preifen liegt eben gerade in diefer Verfchiedenheit der Behandlung und Gefchmacksbildung ein nicht zu unter­fchätzender Werth für die Exportfähigkeit und die Ausdehnung des Confums. Abgefehen aber davon, dafs Frankreich die verfchiedenen Gefchmacksrichtungen genau zu treffen verfteht und durch die Eleganz der Ausftattung feiner Weine vor allen anderen Ländern einen grofsen Vorfprung hat, kann kein Land, zumeift in Betreff der kleinen Rothweine aus den verfchiedenen Departements, die Rich­tigkeit der angegebenen Preife vorausgefetzt, auf dem Weltmarkte mit ihm con curriren. Qualitätshaltige Mittelweine aber werden höher im Preife gehalten, fo dafs diefen Sorten gegenüber die Rothweine producirenden Länder, Oefterreich­Ungarn an erfter Stelle, dann Italien, immerhin mit Vortheil exportiren können, wenn fie eben mit forgfältiger Auswahl des Productes und fachmännifcher Gebah­rung den Markt zu gewinnen ftreben.

Von kleinen weifsen Weinen hatte Frankreich wenig Bedeutendes aus­geftellt, dagegen fand man fehr fchönen Sauterne nebft dem altberühmten Chateau Iquem.

Betreffs der füfsen Weine, Frontignan, Muscatlunel u. f. w. waren fehr fchöne und harmonifch gehaltene Sorten zur Ausftellung gefchickt worden. Doch trat bei vielen Cognac oder Sprit und ein unnatürliches. übertriebenes Bouquet hervor, was man vielleicht auf Rechnung der hohen Temperatur mit zu fetzen hat, unter welcher die Weine eingelagert wurden und verkoftet werden mussten.

In Betreff des franzöfifchen Champagners denken wir, nachdem der Artikel der ganzen Welt bekannt ift, nichts Befonderes hervorzuheben. Frankreich beherrscht damit den ganzen Weltmarkt und hat in letzterer Zeit mehrere neue Firmen wachgerufen, welche fchon heute neben den altrenommirten mit viel Glück den Markt auszubeuten verfuchen. Man fuchte daher auch von Seiten der Jury durch Prämiirung einiger mouffirender Weine, welche dem Gaumen nicht befonders mundeten, den Wetteifer in Production und Handel ermuthigen.

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Am Schluffe erwähnen wir noch, dafs auch Corfica einige Weine ausgeftellt hatte, die fich übrigens bis heute noch keines befonderen Rufes erfreuen und auch zum gröfseren Theil fo fchlecht im Gefchmacke waren. dafs man mit Recht anneh­men kann, dafs die Cultur auf einer fehr niedrigen Stufe ftehe. Nicht viel beffer waren die vielen Weine, welche durch das franzöfifche Regierungsdepartement von