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Schafwolle und Schafwoll-Waaren (Gruppe V, Section 1) : Bericht / von Carl Th. Richter ; C. Falk ; Emanuel Thieben
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Die Schafwolle.

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20.000 Centner Kunftwolle. Gleichbedeutend ift nach diefer Richtung Hahn und Huldfchinsky in Berlin, D. Quentin in Aachen u. f. w. Die Ausftellung diefer Kunftwoll Sorten zeigte ein ganz vorzüglich aufgearbeitetes Material und ein gleich gutes daraus hervorgebrachtes Garnproduct.

Was nun die reine Wolle felbft anbelangt, fo find die Hauptproductions. Orte, wie bekannt, die Provinz Preufsen, Pommern, Pofen, Preufsifch- Schlefien und Mecklenburg. Die Gefammtproduction wird 700.000 Centner gefchätzt, von der 250.000 Centner an die Fremde abgegeben, wofür aber 900.000 Centner fiemde Wollen eingeführt werden. Die jährlich in Deutfchland fomit verarbeitete Wolle mag 1,350.000 Centner erreichen. Die von dem Mecklenburger landwirth fchaft­lichen Vereine ebenso wie von der fchlefifchen Collectivausftellung ausgeftellten Wollforten waren unbedingt die fchönften und beften und zeigten eine fehr grofse Weiche und Reinheit. Die feinften Wollen des Breslauer Marktes errei­chen bei guter Wäfche den Preis von 120 bis 130 Thaler per Centner. Der fo wichtige Handelsplatz für Schlefien deckt heute den gefammten Bedarf Deutfch­lands an hochfeiner Wolle. Sehr lehrreich war auch ein von der landwirthschaft­lichen Akademie Proskau in Schlefien ausgeftelltes fyftematifch geordnetes Wollcabinet für Lehrzwecke. Am Schluffe erwähnen wir noch die Wolle in Vliefsen und Proben verfchiedener Schafracen der akademifchen Gutswirthschaft, der landwirthschaftlichen Akademie zu Eldena und die Kamm- und Spinn­wolle des Centralvereines Eldena, die den Ruf der landwirthfchaftlichen Akademie und die Sorgfalt der Behandlung der Unterrichtsmittel vollkommen rechtfertigten. In Betreff O efterreichs haben wir uns des Weiteren bereits ausgefprochen, es ift nur zu erwähnen, dafs die von Ungarn ausgeftellten Sorten durchwegs fehr beachtenswerth waren. In erfter Richtung ist zu nennen die Merinowolle aus den Schäfereien von Baron Sina, die an Schönheit der beften fpanifchen Wolle nicht nachftand, dann die Vliefse und Wollforten von den Gütern der Grafen Alois Karoly, Zichy und Feftetics, welche alle zeigten, welch' grofse Aufmerk­famkeit man noch immer der Cultur der feinen Schafe und der Verbefferung der Race zuwendet. Unter den böhmifchen Ausftellern waren die Wollproben und Vliefse der fpanifchen Schafherden der Güter Nachod und Ratibořitz, dem Prinzen Wilhelm von Schaumburg- Lippe gehörig, bemerkenswerth. Man rechnet dort 45 Wolle Schurgewicht. Gleichbedeutend waren die Wollvliefse, welche Graf Schaffgotfch von Wildfchütz aus Schlefien ausftellte, dann jene des Freiherrn v. Mundi, durch eine Electoral- Negrettikreuzung erzeugt, u. f. w.

Die Wollgarne.

Was die Wollgarne anbelangt, fo befchränken wir uns auf eine allgemeine Charakteriſtik der Lage der Verhältniffe, da bei der überaus reichen Befchickung der Ausftellung und bei dem grofsen Gebiete, das wir noch zu betrachten haben, eine Detaillirung nur zu weit führen würde.

Die Wollgarne zerfallen, wie bekannt, in Kammgarne und in Streichgarne. Kammgarne find folche Garne, zu welchen nur eine lange, gekämmte Wolle verwendet wird, und welche dadurch, weil die kurze Wollfafer ausgefchieden wird, theuerer kommt; ferner ift Kammgarn nicht walkfähig und wird nur zu Stof­durch die lange fen, welche nicht gewalkt oder gerauht werden, verwendet- Wollfafer läfst fich Kammwolle bis zu Nr. 200 fein fpinnen. Diefes Kunftftück hat für die praktische Induftrie übrigens keine Bedeutung. Hauptnummern find von Nr. 24 bis 60. Tonangebend ift, und den Weltmarkt beherrfchend, die Kamm­garn- Spinnerei Frankreichs mit dem Hauptfitze in Turcoing, Roubaix und Amiens. Nächft Frankreich hat die bedeutendften Kammmgarn- Spinnereien Deutfchland fie concurriren, je nach der gefchäftlichen Conjunctur in Frankreich, mit Leichtigkeit mit Frankreich. Obenan fteht das Elfafs, Süd- Deutfchland, dann Sachfen. Auch die Rheinprovinz hat einige grofse Spinnereien aufzuweifen.