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Schafwolle und Schafwoll-Waaren (Gruppe V, Section 1) : Bericht / von Carl Th. Richter ; C. Falk ; Emanuel Thieben
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Schafwoll- Gewebe.

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und ihre Farben zeichnen fich durch Dauerhaftigkeit und Glanz vor allen anderen aus. Jede Farbencombination befteht aus zwanzig verfchiedenen Schattirungen, die nur ein fehr geübtes Auge erkennt und hat man heute 14.420 Nuancen claffi­ficirt und nummerirt.

Auch das Weben der Sammtteppiche wird in Frankreich mit aufserordent­licher Sorgfalt betrieben und zeichnen fich diefe Artikel durch einen wunderbaren Flor und bei der Benutzung einer Kette aus Leinenzwirn durch befondere Feftigkeit aus. Ebenfo fchön wie diefe Teppiche, aber bedeutend billiger, find die durch die Jaquard- Mafchine erzeugten, bei denen die verfchiedenen Farben in der Kette aufgefchweift oder auch durch die mit dem Mufter bedruckte Kette gefchaffen werden. Man hat dafür in neuefter Zeit auch fchon Dampfftühle gebaut, welche die Nadel felbftftändig eintragen und den Flor auffchneiden. Aber die Mafchine kann keine fo breiten Teppiche und keine fo grofsen Mufter wie die Hand erzeugen. Es werden Stücke erzeugt, die dann zufammengenäht und mit einer Bordure umgeben werden, um fo einen Salonteppich zu bilden.

Wenn man die Ausftellung der Gobelinftoffe und der anderen franzöfifchen Teppiche beachtete, fo follte man kaum einen Fortfchritt mehr für möglich halten. Und doch fah man bei den von der Staats- Gobelinmanufactur in der Kunsthalle ausgeftellten Bildern gegen frühere Ausftellungen eine charakteriftifche Entwick­lung. Sie ift zumeift bei der Behandlung der Fleifchtöne bemerkbar. Aeltere Bilder haben die Töne in unkennbaren Abftufungen neben einander liegen. Im Jahre 1867 zeigten die lebensgrofsen Bilder von Napoleon und Eugenie die Farben, durch das abwechfelnde Ineinandergreifen derfelben durch einzelne Schüffe, gewiffermafsen eine horizontale Schraffirung, welche die Töne noch inniger mit einander verfchmolzen. Bei den in Wien ausgeftellten Bildern befteht die ganze Carnation aus einer Schraffirung, welche, der Plaftik der Formen angemeffen, in complementären Farben eingewebt ift, und dadurch wahrhaft geheimnifsvolle und tief gefättigte Töne erzeugt.

An die Arbeiten der Staatsmanufactur reihen fich die prachtvollen Gobelin­bilder der Firma Braquenié frères in Paris würdig an. Bedeutend war die Entführung Europas durch Jupiter, dann die kleineren Genrebildchen. Die Bilder von Hercules, Omphale u. f. w. bis auf Ulyffes waren durch ihre ältere grelle Farbengebung weniger bedeutend, wie gleich fchön auch die Technik derfelben. Ueber die Sopha- und Seffelüberzüge derfelben Firma, ebenfo wie über die gleichen Ausftellungsgegenstände von Salandrouze de Lamornaix können wir nichts mehr fagen, als dafs Correctheit der Zeichnung, Farbenfrifche, aber keineswegs entſprechende Wahl der Motive fie auszeichnete. Dagegen waren die Savonnerieteppiche in Renaiffanceftil, wie Sallandrouze frères, Aubuffon, die Velourteppiche von Flaffières frères aus Nimes fie ausftellten, fehr beach­tenswerth, obgleich die Renaiffancemufter etwas veraltet und die fchwebenden Engel und Blumenfeftons von Flaffières frères mehr hoch hinauf an die Wand, als auf den Boden pafsten. Die Velourteppiche im Stücke waren fehr gefchmackvoll im Mufter, in den Farben ruhig, aber nicht glatt und unegal in den Kanten. Uebrigens werden diefe Art Teppiche nur in Frankreich ver­braucht und wenig exportirt.

Was die Möbelftoffe Frankreichs anbelangt, fo zeichnet die mittelft Jacquard gewebten Gobelins ebenfo wie die brochirten Möbelftoffe ein vorzügliches Garn und fchöne Farben aus. Schöne Wolldamafte, bei welchen die richtige Wahl des Materiales, Kühnheit der Zeichnung und fchöne Farbe Alles entfcheidet, hatten Tiberghien frères ausgeftellt, die befondere Aufmerkſamkeit erregten und vollständig bewiefen, wie Frankreich in allen Branchen diefer Manufactur Aufmerkfamkeit verdient und Bedeutung hat.

Deutfchland. Das Land des Fleifses, der Intelligenz und Sparfamkeit, nicht unterstützt wie England und Frankreich durch eine ruhige, allmälige Ent­