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Schafwolle und Schafwoll-Waaren (Gruppe V, Section 1) : Bericht / von Carl Th. Richter ; C. Falk ; Emanuel Thieben
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Shawls.

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Die vorzüglichften Orte für Gewebe, die man mit dem Namen Shawls bezeichnen kann, find Chorraffan, Yezd, Kerman und Mefchhed.

Die Mufter der perfifchen Shawls find bedeutend von den indifchen ver­i chieden. Sie zeigen auffällig kleine Deffins und diefe wiederholen fich nicht felten; ein Zeichen der Armuth der Phantafie. Die Webe ift unterfchieden, durch­wegs Handarbeit; gute und feine Wolle; aber an Borduren tritt manchmal Hand­ftickerei auf; ein böfes Omen für die edle Webekunft. Nebft der kaiferlich perfifchen Regierungscommiffion hat fich das Haus Ziegler& Comp. in Tabris um die Vor­führung der vorhandenen beften Shawlmufter fehr verdient gemacht. Die Shawls der erfteren find reich und zeugen von guter Färbung, ein Vorzug, der nicht allent­halben hier merkbar wird, da viele Textilftoffe unreine Farben zeigen; und es ift faft, als ginge in Perfien die alte Gewandtheit in der Behandlung der vegetabilen Farbftoffe allgemach verloren.

England. Es ift fehr zu bedauern, dafs England, das Land des praktifchen, gewerbefleifsigen Schaffens, das uns zuerft mit dem fchönen indifchen Producte bekannt gemacht und durch wefentliche Beförderung der Mechanik der continen­talen Shawlweberei feften Boden gefchaffen hatte, das Land, deffen Production in diefem Zweige nicht gering anzufchlagen ift- nur durch eine einzige, wenn gleich eine der hervorragendften Shawlfirmen auf der diefsjährigen Ausftellung vertreten war. Noch 1862 in London waren zwölf Firmen auf dem Platze, 1867 in Paris deren nur mehr vier, 1873 nur eine, welche überdiefs mehr eine fchottifche ift: Kerr, Scott & Comp. in Edinburgh und London. Von England, wofelbft heute an 4000 Webe­ftühle fich im Gange befinden, hätten wir mit Recht eine gröfsere Betheilung der Branche erwarten können, zumal felbft die Shawls Kerr, Scott& Comp. nicht gerade die tadellofeften Deffins, die glücklichfte Schattirung zeigen und viele Baum wollforten enthalten.

Noch auf der Parifer Ausftellung, die, wie erwähnt, von England fchwach vertreten war, ragte wenigftens eine bedeutende Firma aus dem Wiegenorte eng­lifcher Shawlfabrication, Clabburn und Comp. in Norwich, durch ihren vielbewun­derten Patentfhawl und durch prächtige indifche Imitationen hervor; diefsmal haben wir nichts, was einer Erwähnung verdiente, zu verzeichnen.

Deutfchland. Ebenfo enthaltfam als England, hat fich in Shawlwaare Deutſchland gezeigt; der wichtigfte Vorort deutfcher Shawlweberei, Berlin, welchei bei 2000 Webeftühle im Gange hat, ift nur durch drei Firmen vertreten gewefen.

Das relativ Befte im Artikel boten David und Silber im heffifchen Meyenheim und deren Schwefterfirma M. Silber in Berlin. Zunächft an fie heran tritt Mundt& Pick in Berlin, E. Heffel in Berlin und L. Gentfch in Zeitz. Von allen nationalen Shawlinduftrien ift die deutfche und namentlich die Berliner am abhängigften von Frankreich. Sie bezieht von Lyon ihre eifernen Stühle, läfst in Frankreich zeichnen oder benützt ältere franzöfifche Mufter, von welchen fie die Karten fich verfchafft; ja es kommen Fälle vor, dafs zu Muftern felbft die Kettenflamiren aus Paris, Nimes oder Lyon bezogen werden. Eine bedeutende gefchäftliche Rührigkeit der Firmen hat aber dennoch befonders in halbfeiner und ordinärer Waare den Erfolg, dafs die Branche in Schweden, Dänemark und Holland guten Markt hat. Von Deutfchland hat fie die Oefterreicher in Mittelware faft verdrängt, da nur mehr zwei öfterreichifche Firmen Hlawatfch und Isbary und E. Thieben Gefchäfte mit Deutfchland machen.

In den ausgeftellten Waaren, unter welchen jedoch eigentliche brochirte Shawls nicht zu fehen waren, offenbarte fich eine forgfältige Wahl des Halb­fabricates und eine gute Färbung. Die der Shawlarbeit verwandte Webe war rein und zumeift fehlerfrei; alle übrigen und vorzüglich die artiftifchen Factoren kommen hier weniger in Frage, da fie zu merkbar von franzöfifcher Seite beeinflufst find.

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