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Baumwolle und Baumwoll-Waaren : (Gruppe V, Section 2) ; Bericht und Die Wirkwaaren : ( Gruppe V, Section 5) ; Bericht / von Alexander Peez / von Ludwig Glogau
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Baumwolle und Baumwoll- Waaren.

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druck darin fand, dafs die wegen ihrer umfaffenden und vorzüglichen Fabrication von Spinnftühlen bekannte Firma Gebrüder Platt& Comp. in Oldham diefsmal lediglich für die Schafwoll- Induſtrie beſtimmte Maſchinen zur Ausstellung brachte. Die Technik der Baumwoll- Induftrie mag manchen kleineren Fortfchritt verzeichnen; ohne Zweifel hat man gelernt, aus geringeren Sorten brauchbare Garne zu ſpinnen, man hat verbefferte Oeffnungsmaschinen und felbftputzende Karden aufgeftellt und verwendet Kämm- Mafchinen nicht mehr blofs für die feinften Nummern; wohl hat fich die Zahl der Selfactors faft überall vermehrt, kurz- die Spinnerei und Weberei haben fich normal entwickelt und es find manche Lücken ausgefüllt, manche fchwache Punkte verbeffert worden- aber eine wefentliche Aenderung ift feit 1867 nicht vor­gekommen, wefshalb auch diefer Theil unferes Berichtes kürzer gefafst werden kann. Die Lage der verfchiedenen Spinnereibezirke der Erde wurde bereits im Frü­heren bezeichnet durch Angabe der Confumtionsgebiete, wohin die rohe Baumwolle durch den Welthandel verfendet wird. Obwohl bei der Auswahl der Standorte für die Baumwoll- Spinnerei der einzelnen Länder inder Regel gefchichtliche, nicht aber volks­wirthschaftliche Gründe mafsgebend waren, fo laffen fich doch zwei Gruppen fcheiden:

1. Spinnereien, die, auf englifche Steinkohle bafirt, in der Nähe der See liegen, von woher fie auch die überfeeifchen Rohftoffe beziehen. Hierher gehören die Spinnereien Englands, der Normandie, Cataloniens, fowie die grofsen ruffifchen Spinnereien in der Nähe von St. Petersburg.

2. Spinnereien, die, vorzüglich auf Wafferkraft geftellt, im Binnenland liegen. Sie umgeben wie ein Gürtel das Alpengebirge, häufen fich in der Schweiz und Vorarlberg am dichteften an, fetzen fich durch die oberdeutſchen Spinnereien zur Donau fort, bilden in Niederöfterreich nochmals ein wichtiges Centrum und laufen durch Steiermark und Görz bis faft zum Adriatifchen Meere. Ihr Motor ift die( durch die abfchmelzenden Schnee- und Gletfchermaffen als Sommerrefervoirs) perennirende Wafferkraft der Alpen, welcher freilich jetzt an vielen Orten durch Einfügung von Dampfkräften nachgeholfen werden mufste. Eine kleinere Zone von Baumwoll- Spinnereien hat fich in Sachfen, Böhmen, Baiern und Schlefien an die Wafferkräfte des Erzgebirges und Riefengebirges angefetzt.

Eine eigenthümliche Zwifchenftellung nehmen die Spinnereien der Ver­einigten Staaten ein, die, in Maffachuſetts, New- York und Penfylvanien gruppirt, je nach ihrer fpeciellen Lage dem einen oder andern Syfteme angehören, in nicht wenigen Fällen die Vorzüge beider vereinigen.

Legt man die handelspolitifchen Verhältniffe zu Grunde, fo ftehen die Baum­wollfabriken der Vereinigten Staaten und des europäiſchen Continentes, die fich noch durch mehr oder weniger hohe Zölle vor der englifchen Uebermacht zu decken fuchen, den englifchen Spinnereien gegenüber.

Die relative Bedeutung diefer drei Gruppen findet ihren Ausdruck in dem Verhältniffe, in welchem fie an dem Verbrauch der in den Welthandel gelangenden Baumwolle Theil nahmen. Hierüber gibt der ,, Economift" folgende Ziffern:

1860

1870

1871

1872

Ländergruppen

Taufend Ballen

Perc.

Taufend Ballen

Perc.

Taufend Ballen

Perc.

Taufend Ballen

Perc.

England

Continent Vereinigte Staaten

2.817 50 6 1.749 322

2.697 52'6 1.521 297

3.118 483 2.167 33'5

2.893 49'0

1.938 32'8

957 1721

909 177

1.176 182

1.064 182

Zuſammen.

5.568 1000 5.127 1000

6.461 1000

5.895 100'0

Nach diefer Aufftellung hat fich alfo das relative Kraftverhältnifs zwifchen England, dem Continent und den Vereinigten Staaten feit 1860 nur unbedeutend verändert; England, das im Jahre 1860 mit 50.6 Percent am Gefammtverbrauch