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Carl v. Oberleithner.
das ftehende Heer, fowie des kleinften Händlers mit Leibwäfche gegen Alles, was den Namen„ Leinen" führt.
In Grofsbritannien und Irland klagt man über theuere Kohlen und fchwierige Arbeiterverhältniffe. Auf dem Continente und namentlich in Oefterreich, wo die Spinnerei-Anlagen viel koftfpieliger find, die Art des Gefchäftsbetriebes grofse Flachs- und Garnlager zu halten bemüffigt, da fchmälert der hohe Zinsfufs das reine Einkommen in einer früher nicht geahnten Weife.
Es wird des rafcheften Eingreifens aller an dem Beftande der Flachsinduftrie betheiligten Factoren bedürfen, um die Flachsfpinnerei, diefes hochwichtige Mittelglied zwifchen Flachsbau und Leinenmanufactur neu zu kräftigen. Man darf von der Einficht der Intereffenten erwarten, dafs fie den einzig richtigen Weg, als den man bezeichnen mufs:" Hebung des Flachsbaues, Steigerung des Confums der Flachsinduftrie- Ergeugniffe, Herbeifchaffung von billigem Capital", unverzüglich einfchlagen werden, um den faft in ganz Europa heimifchen Induftriezweig zum Frommen der Bodencultur und gewerblichen Thätig keit wieder emporzurichten.
Ueber die ausgeftellten Leinenzwirne hat Berichterstatter nachfolgendes fachmännische Urtheil eingeholt:
Die Fabrication von Leinenzwirnen dürfte faft fo alt fein als die des Hand garnes und hatte ihren Sitz in Oefterreich, hauptfächlich im Norden Böhmens. Man fand im Pavillon des Welthandels Auffchreibungen aus dem Ende des XVIII. Jahrhundertes vom Leitmeritzer Kreife, worin diefe Induftrie als bedeutend in Schönlinde genannt wurde. Im Anfange unferes Jahrhundertes wurde die Zwirnerei- Induftrie nach Schlefien verpflanzt und felbe ift bis heute hauptfächlich in diefen beiden Gebirgsgegenden geblieben, obwohl auch in Tirol etwas Leinenzwirne erzeugt werden.
Die Zwirne wurden zuerft mit hölzernen Hand- Drehftühlen hergeftellt und erft feit Erfindung der Flachsfpinnerei auf Mafchinen, mit welcher gleichzeitig auch Mafchinen- Drehftühle erfunden wurden, hat man letztere für Leinenzwirne ( in Oefterreich 1848) in Anwendung gebracht.
Es find aber heute noch immer in Oefterreich beide Fabricationsweifen in Uebung, wenn auch die anderen Länder keine Handarbeit mehr zur Zwirnerei benützen. Bis zur Zeit der Einführung der Mafchinenfpinnerei war die Zwirnerei ein von diefer getrennter Induftriezweig; feit diefer Zeit unterfcheidet man aber Zwirner, die felbft fpinnen, und folche, die fremde Garne zwirnen, und bei Letzteren eben wieder Mafchinen- und Handzwirner.
Die gröfsten Fortfchritte in der Zwirnerei und der mit ihr eng verbundenen Färberei und Appretur der Zwirne hatten die Engländer und Franzofen gemacht, fo zwar, dafs die Fabrikanten der anderen Länder fich immer anftrengen mufsten, um mit jenen gleichen Schritt halten zu können.
Heute ift jedenfalls fchon eine gröfsere Gleichmäfsigkeit in den Leiftungen der anderen Länder untereinander eingetreten, da in den letzten Jahren keine auffallende Neuerungen mehr gebracht worden find und die Nachftrebenden Fortfchritte gemacht haben.
Die Blüthezeit hatte dieíe Induftrie erreicht, als die Nähmafchine gröfseren Kreifen( in Oefterreich circa 1865) zugänglich wurde und mit ihr der BaumwollZwirn anfing den Leinenzwirn zu verdrängen.
Die gröfsere Elafticität, Gleichheit und Billigkeit, wenn auch bedeutend geringere Feftigkeit des Baumwoll- Fadens fichern ihm die Zukunft bei der Nähmafchine in Fällen, wo die Feftigkeit nicht den Ausfchlag gibt, und wenn es auch endlich gelungen ift, einen vollkommen entsprechenden Leinenzwirn für Nähmafchinen zu fabriciren, der für jede Schiffchenmafchine( Howe, Singer) fehr zu empfehlen und dem Baumwoll- Faden gewifs vorzuziehen ift, fo wird die Greifer ( Wheeler& Wilfon-) Mafchine doch mit ihrer bedeutenden Leiftung in Weifs