Flachs- und Hanf- Induftrie.
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Es kommen alle möglichen Marken und Bezeichnungen des Rohftoffes im Handel vor, doch haben die bekannten gröfseren Firmen ihre Standard- Bezeich nungen, die den Mafsftab zur Qualitätsbeurtheilung gewähren, und gibt es circa fechs Hauptgattungen, als:
fine Quality,
medium Quality,
common Quality,
low Quality,
Rejections, das ift ordinärer Ausfchufs,
Cuttings, das ift abgefchnittene Wurzelenden; letztere werden namentlich. zur Papierfabrication verwendet, gehen aber zum gröfsten Theile nach Nordamerika, wo folche zu dem Schufsgarn der ordinären Baumwoll- Packtücher, Cottonbagging, verfponnen werden.
Was die Zubereitung des Rohftoffes vor Auflage auf die Mafchinen betrifft, fo ift diefe auf verfchiedene Weife oft verfucht worden; man ift aber immer wieder auf das zuerft angewandte, beinahe primitiv erfcheinende Verfahren des Befprengens desfelben mit Oel oder Thran und Waffer zurückgekommen.
Der Verarbeitungsprocefs in der Spinnerei und Weberei ift dem für Werg und Flachs ähnlich. Man fpinnt die fchweren Nummern bis Nr. 10( gleich 60.000 Yards auf 20 englifche Pfund) wie Werg und nennt danach das Gefpinnft Jute Tow, die feinen Nummern bis 18-20( gleich 60.000 Yards auf 10 englifche Pfund) werden wie Flachs gefponnen und danach mit Jute Line benannt.
Die Mafchinerie ift in den letzten zehn Jahren, wenn auch nicht im Principe, fo doch in der Stärke und Einfachheit der Conftruction wefentlich verbeffert worden. Die Natur der Fafer bedingt fehr haltbare, folid gebaute Mafchinen zu ihrer Verarbeitung; wie das Spinnen, fo erfordert auch das Verweben der Jutegefpinnfte fehr kräftig gebaute Mafchinen und macht infofern Schwierigkeiten, als die Kettenfäden durch die Bewegung der Webekämme auf dem Webftuhl Faferverluft erleiden, mithin gefchwächt werden. Die Appretur der Gewebe gefchieht gleichfalls durch fchwere Calandermafchinen unter grofsem Drucke zwifchen Papier- und Eifenwalzen, theils mit letzteren erwärmt, theils kalt.
Das Färben der Jute ift leicht und billig zu befchaffen, doch fcheint die Farbe nur der Aufsenfläche der einzelnen Fafer zugänglich und fich nicht mit derfelben zu verkörpern, woher es wohl erklärlich, dafs die Farben namentlich beim Ausfetzen an die Sonne leicht wieder fchwinden.
Das totale Bleichen von jute ift bis vor kurzer Zeit nur auf Koften der Haltbarkeit ermöglicht worden; indefs hat man auch diefen Uebelftand zu überwinden gewufst."
Was nun die Vertretung der Jute- Induftrie in der Wiener Weltausftellung betrifft, fo war es wieder England, das beinahe durch gänzliches Fernbleiben feiner Jutefabrikanten von dem internationalen Wettkampfe glänzte.
Nur Barrow Flax and Jute Comp. in Furnefs ermöglichten es den Befuchern, Kenntnifs zu erhalten von den englifchen Warp und Weftgarnen, Sacking Weft, rofa und blau gefärbten Jute Twift Zweidraht, fo auch von deren vorzüglichen Geweben mit prachtvollen Leiften, Matten, Tarpaulings und Bags. Moore& Weinberg in Belfaft zeichneten fich aus durch die Vorlage von Läufern, gedruckten Teppichen und Twilled Grain Bags.
Die deutfche Abtheilung enthielt mehrere werthvolle Expofitionen. In der Ausftellung der Braunfchweiger Actien gefellfchaft fand man eine Darftellung des Spinnproceffes von der rohen Jute bis zur Feinfpinn- Schule und alle einfchlägigen Gewebe bis zu den Teppichen und Vorhangftoffen hinan. Alles muftergiltig und für die emfige Fabrication zeugend. Das fehr bedeutende Haus Rheinifche Jute- Spinnerei- und Weberei von Solf, Davenport& Comp. in Cöln hatte Proben feiner Garne für Weberei und Seilerei und reichhaltige Artikel, worunter befonders die rayirten una carrirten Jute- Matrofentuche hervorzuheben
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