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Anton Harpke.
mit Erzeugung glatter Waaren, und cultiviren einzelne Fabriken blofs den fchwarzen Artikel. Die deutfchen Bandfabriken haben keinen eigentlichen Haupt- oder Centralplatz, fie find im Lande zerftreut. Gröfsere Etabliffements befinden fich bei Elberfeld und im Grofsherzogthum Baden. Letztere Gruppe ift von grofser Bedeutung und befinden fich darunter Häufer, die 3-800 Stühle und meift mit mechanifchem Betriebe befitzen.
Mit Ausnahme der letzterwähnten Fabriken ift in Deutfchland meift das Syftem der Hausarbeit eingeführt und wird es auch noch lange bleiben. Der dortige Arbeiter fieht dabei als fein fchönftes Ziel die Möglichkeit, fich anfäfsig zu machen; er zieht den beftehenden Modus aus diefem Grunde der Arbeit in den Fabrikskafernen vor. Das Syftem der Hausinduftrie fchliefst übrigens nicht die Exiftenz von Unterſtützungs-, Verforgungs- und anderen humanitären Anftalten aus, wie felbe mit vorzüglichem Erfolge namentlich in Crefeld, fowie auch in anderen Orten beftehen.
Die Schweiz hat eine lebhafte Seideninduftrie, deren Hauptplatz Zürich*) für die Stoff-, und Bafel für die Bandweberei ift. Der Export fchweizerifcher Seidenwaaren wird mit 215 Millionen Francs angegeben. Der Confum im eigenen Lande ift ebenfalls in Rechnung zu ziehen, und daher die Ziffer der gefammten Production entſprechend höher. Bafel und Zürich haben die Form der Collectivausftellung gewählt, und find felbft die bedeutendften Fabriken nur durch einzelne Coupons vertreten. Wir erfahen daraus, dafs fich die Schweizer Stoffweberei gröfstentheils auf die Erzeugung glatter Mittel- und ganz leichter Waare befchränkt. Bafel brachte nebft glatten Bändern aller Gattungen auch façonnirte Waaren, namentlich in breiten Schleifenbändern.
Italien hat feit 1867 Vieles für feine zu jener Zeit ftark zurückgebliebene Seidenweberei gethan. Die von feinen erften Häufern exponirten glatten Waaren zeugten von erfolgreichem Bemühen, fich den fortgefchrittenen Rivalen wieder würdig an die Seite ftellen zu können.
Englands Seideninduftrie war nur fpärlich vertreten. Erwähnenswerth find feine fchönen Popelins, fowie die Stoffe für Cravaten und Schleifen, für MännerHalstücher u. f. w. Die Bandfabrication von Coventry, die 1862 alle Welt durch ihr impofantes Auftreten erftaunte, aber fchon 1867 ungenügend repräfentirt war, fehlte diefsmal gänzlich.
Rufsland, welches bei früheren Ausftellungen nur in feinen Kirchenftoffen ruffifchen Stiles, in Goldbrocaten u. f. w. vertreten war, brachte nebft diefen auch glatte und geftreifte Stoffe von theilweife fehr guter Fabrication.
Portugal macht alle Anftrengungen, feinen Bedarf an Seidenwaaren durch inländifche Fabricate zu decken und ift diefs Beftreben um fo anerkennenswerther, als es fich hier um die förmliche Neubildung des ganzen Induftriezweiges handelt. Schweden war durch einen einzigen Ausfteller vertreten, der in glatten Stoffen wirklich Tüchtiges leiftet.
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Oefterreich the last but not the least fchliefst die Reihe der europäifchen Fabriksftaaten.
Seine Seideninduftrie befchäftigt fich mit der Erzeugung von glatten Stoffen, Sammten, Plüfchen, Gazen, Futterftoffen, façonnirten Stoffen für Herren- Modewaaren, als auch für den Landbedarf und für den Export nach den füdöftlichen Ländern, Foulards und gedruckten Foulardstüchern, Möbel- und Kirchenftoffen, mit einem Worte, von fämmtlichen Artikeln der modernen Induftrie mit alleiniger Ausnahme des grofsen Façonnés für Kleiderftoffe. In der Erzeugung von glatten Stoffen, fowohl fchwarz als färbig, find hier bedeutende Fortfchritte gemacht worden, in Folge deren Oefterreich, was deffen beffere Leiftungen anbelangt, keinen Vergleich mit den beften Erzeugern jedes Landes zu fcheuen hat einem Haufe
*) Zürich befchäftigte 1867 18.665 Stühle. Heute verfügt es über 27.000 Stühle, darunter
1150 mechanifche.