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Seide und Seidenwaaren : (Gruppe V, Section 4) ; Bericht ; Die Posamentirarbeiten : (Gruppe V, Section 5) ; Bericht / von Anton Harpke / von Carl Giani
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Die Pofamentirarbeiten.

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Parriot Laurent in Paris hat freilich in gefchmackvoller Weife jene Erzeugniffe, in welchen er excellirt, zur Anfchauung gebracht; es find diefs Knöpfe und Pofamenterien für Damenconfection. Befonders Neues oder für Andere tech­nifch Unerreichbares vermochten wir aber nicht dabei zu entdecken.

Camille Weber in Paris hat auf der Parifer Ausftellung 1867 entfchie­den fchöner und beffer exponirt; feine diefsmaligen Objecte zeigten nicht allein nichts Neues, fondern was noch fchiimmer, es fanden fich darunter geradezu anti­quirte Gegenftände, fo dafs man faft verfucht war zu glauben, er habe Befferes in feinem Magazin, als jenes ift, was er der Beurtheilung der civilifirten Welt unter­breitet hat.

Die Firmen Dieutegard& Antheaume, Balay G.& Comp. Bon amour, Benodier père et fils und L. Spork haben in Damen- Confections­artikeln fchön ausgeftellt, aber nicht derart, dafs man Urfache hätte, zu behaupten, ihre Leiftungen feien unübertrefflich.

Joncerrand fils ainè in St. Etienne brachte Gallons für Möbel, welche theilweife von gutem Gefchmack zeugten.

Grangier& Reymondon in St. Chamond, Brun Camille in St. Etienne, Gros& Lamarry in Paris haben gewöhnliche Litzen zur Anficht gebracht und in jeder Hinsicht ihre Concurrenzfähigkeit mit den gleichen Fabricaten Barmens bewiefen.

Was man aus einem fo unfcheinbaren Artikel, wie Knöpfe find, machen kann, haben nebft Parriot Laurent auch die Herren Neau& Lecompte in Paris durch ihre diefsbezügliche Ausstellung bewiefen und mehr noch durch den ftatiftifch feftgeftellten grofsen Gefchäftsbetrieb, welchen fie zu erzielen verftanden. Das Haus Parent& Comp. fteht ihnen faft ebenbürtig zur Seite.

Italien, Spanien, Portugal, Belgien, wie auch die Schweiz hatten fehr wenig in diefer Induftrie ausgeftellt, was aber, befonders von dem erftgenannten Lande, zur Anficht gebracht wurde, läfst den aufrichtigen Wunfch in uns laut werden: es hätte beffer gethan, nichts zu fchicken, denn felten noch haben wir alte franzöfifche Vorbilder mit fo geringem Verſtändnifs für Form und Farbe wieder gegeben gefunden.

H. J. Hanfen in Kopenhagen hat in anerkennenswerther Weife fich bemüht, von dem Beftehen des Pofamentirgewerbes in Dänemark Zeugnifs zu geben, mehr fchien feine Ausstellung nicht bezwecken zu wollen und diefes Ziel hat fie auch erreicht.

Schweden, Norwegen und die Niederlande boten ebenfalls nichts in diefer Beziehung.

Deutfchland hat in Pofamenterien vohl Mehreres ausgeftellt, es bedünkt uns aber, als hätte es die Wichtigkeit diefer Induftrie mehr ins Auge faffen und eine regere Betheiligung anftreben follen. Berlin, Dresden und Frankfurt a. M. wären allein im Stande gewefen ein anıtändigeres Contingent zu ftellen als alle übrigen zufammengenommen.

Gebrüder Bühlmann in Berlin, Oppermann in Einbek, Ebel in Berlin und Schärf in Brieg haben Möbelpofamenterien ausgeftellt; doch können wir nur den Fabricaten des Letzgenannten ein beifälliges Urtheil zollen, die übrigen find gut gemacht, aber fchwach in Erfindung, Form und Farbe. Remfcheid& Thöme, Saatweber& Weftcott wie auch die Bar­mer Collectionsausftellung boten gut fabricirte Objecte, deren Werth in ihrer Eigenfchaft als grofse Confumartikel liegt, Anfprüche weiterer Art erheben fie nicht.

B. Gutkind, Weifsmüller, Gebrüder Bühlmann, Reinhold Wolf Bacher, L. Damm, Berghaus, Klemm& Comp. haben in Damenconfec tions- Pofamenterie wohl nicht impofant, aber doch anerkennenswerth ausgeftellt, in mancher Hinficht ebenfo gut als die Franzofen. Bergen kamp in Barmen, Dibbert in Altona haben in Knöpfen Gutes und Schönes gebracht, Siemfen