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Fertige Kleider : (Gruppe 5, Section 7) ; Bericht / von Ig. Ortmann, Anton Kreuzig, Josef Mignotti, Wilhelm Pless, Franz und Max Stiasny
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FERTIGE KLEIDER.

( Gruppe V, Section 7.)

FRAUENKLEIDER UND COSTUME.

Bericht von

IGNAZ ORTMANN,

Modewaarenhändler in Wien.

Die Lebensbedürfniffe der Menfchen find höchft mannigfaltiger Art und es ift gewifs, dafs je höher die Gefittung und der Wohlftand fteigt, in defto aus­gedehnterem Mafse fich diefelben mehren und vervielfältigen.

Unter diefen Bedürfnissen aber ift eines, an welchem die Menfchen wohl die zahlreichften Verfchiedenheiten und Abweichungen an den Tag legen, und das von ihnen vielen und rafch wechfelnden Veränderungen und Ausbildungen unterzogen wird, wie kein anderes. Es ift diefs das Kleid und die Art und Weife der Bekleidung.

Nicht genug, dafs fich die Menfchenracen aufser dem Bau der Knochen und durch die Farbe ihrer Haut unterfcheiden, heben fie fich noch durch die Verfchiedenheit ihrer Anzüge von einander gewaltig ab, und die Bewohner eines jeden Himmelsftriches, jedes Landes, ja faft jedes Bezirkes und nicht felten fogar jedes einzelnen Dorfes kleiden fich nach einem anderen Modus, und unterziehen diefen Modus abermals einer fteten Umwandlung; aufserdem montirt fich noch beinahe jeder einzelne Menfch wieder nach feinem eigenen individuellen Ge­fchmack und fchafft ein reiches wechfelndes Bild des Menfchen und der Kleidung.

Noch niemals trat uns diefe Thatfache greifbarer vor die Augen, als wenn man bei einer Wanderung durch die Hallen der Wiener Weltausftellung diefem Gegenftande einige Beachtung fchenkte.

Man fah dort die Trachten und Anzüge faft aller Nationen und Völker, die durch die Kleider felbft oder durch plaftifche Abbildungen oder durch Gemälde und Photographien zur Schau ausgeftellt waren.

Man konnte dabei leicht erkennen, dafs die Völker von niederer Cultur­ftufe die Veränderungen ihrer Anzüge nicht in fo rafch aufeinander folgender Reihenfolge vornehmen wie diefs die civilifirteren Nationen thun; immerhin aber, konnte man auch bei den Erfteren die gleiche Sucht, wenn auch in einem min­deren Grade, der Kleiderveränderung wie bei den letzteren fehr leich bemerken. Und gehen wir auf diefe Frage noch etwas näher ein, fo fehen wir, dafs es die fchönere Hälfte des Menfchengefchlechtes, dafs es die Frauen find, die den gröfseren Theil diefer Wechfelfucht befitzen. Sie find es auch, die hierin weitaus mehr Phantafie entfalten und ihre Körperformen durch immerwährend veränderte und nach ihren Begriffen ftets vortheilhaftere Umhüllungen zu verfchönern trachten. 1