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Fertige Kleider : (Gruppe 5, Section 7) ; Bericht / von Ig. Ortmann, Anton Kreuzig, Josef Mignotti, Wilhelm Pless, Franz und Max Stiasny
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Kinderkleider.

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Stück ganze Anzüge. Es ift daraus der grofse Mafsftab erfichtlich, mit welchem Umfatz und Export betrieben werden.

Die Haupturfache des Aufblühens diefer Induftrie in Oefterreich liegt einerfeits in dem Umftande, dafs die inländifche Stofffabrication fich vorzüglich zu derfelben eignet; die Brünner und Reichenberger Schafwoll- Soffe vereinigen Feftigkeit der Gewebe mit Elafticität und entſprechen durch Haltbarkeit der Farben, grofse Auswahl, und verhältnifsmässige Billigkeit derart, dafs ausländifche Fabricate nur felten mehr zur Verwendung kommen. Anderfeits hat fich die Fabrikation der Kinderkleider hier von der Männer- und Frauenfchneiderei gänzlich emancipirt. Einzelne Induftrielle haben diefes Fach zum felbftſtändigen Erwerbszweig ausgebildet und errangen als Specialiften bedeutendere Erfolge, als diefs beim allgemeinen Betriebe möglich gewefen wäre. Dem Schöpfer der Kinderkleider- Confection in Wien Johann Migoti gebührt das Verdienft, die Hebung diefes Gefchäftszweiges, bei welchem jetzt in Wien allein über 3000 Perfonen beiderlei Gefchlechtes ihren Lebensunterhalt finden, erfolgreich durch­geführt zu haben. In der Werkstätte diefes Induſtriellen war die Schule für die­jenigen Gehilfen, welche fich dem Kinderfache widmen wollten, und durch die Heranbildung guter Arbeiter war es möglich, diefen Erwerbszweig derart zu ver­vollkommnen, dafs Wien jetzt als der befte Einkaufsplatz für fchöne Kinderkleider anerkannt ift, Fortfchritte gemacht hat, wie fie nicht gröfser gedacht werden können, und in commercieller und gewerblicher Beziehung einen Triumph feierte, der von wenigen Gefchäftskreifen noch erreicht wurde. Allerdings trug der Umftand dazu bei, dafs fich die Matadore der Parifer Knaben- Bekleidungskunft von der Bewerbung ferne hielten, allein fie hätten an der bereits entwickelten Wiener Induftrie einen ebenbürtigen Gegner gefunden, der, wenn er von der Fabrication der Zubehör ( Börtel, Knöpfe, Schnüre, Aufputz) ebenfo wirkfam unterftützt wird, wie diefs in Frankreich und England thatfächlich der Fall ift, feinen Platz bis zur gänzlichen Umwandlung der orientalifchen Kleiderformen rühmlich behaupten und durch die geographifche Lage begünftiget, die vaterländifche Induftrie zur weiteren Geltung bringen wird.

HÜTE AUS FILZ, SEIDE UND STROH.

Bericht von

WILHELM PLESS,

Hutfabrikant in Wien.

Die Betheiligung der öfterreichifchen Filz- und Seidenhut Fabrikanten war eine fehr lebhafte. Das gröfste Contingent ftellte Wien, dreifsig Ausfteller. Der Totaleindruck, den die Wiener Collectivausftellung diefer Branche machte, war fehr günftig und zeigte Gefchmack und Verftändnifs. Der Fortfchritt, den diefe Induſtrie in den letzten Jahren in Oefterreich gemacht hat, ift ein fehr bedeutender. Vor der letzten Parifer Weltausftellung war namentlich die Filzhut­Fabrication noch in den Kinderfchuhen; um fo erfreulicher ift es, conftatiren zu können, dafs feit diefer Zeit durch Einführung der neueften Mafchinen und durch ein fleifsiges Streben diefe Fabrication einen folchen Auffchwung genommen hat, dafs ihre Erzeugniffe ebenbürtig den beften anderer Culturftaaten zur Seite ftehen. Auch hat der Export in den letzten Jahren bedeutend zugenommen und haben wir hauptfächlich die Käufer der unteren Donaugegend und Rufslands, die fonft ihren Bedarf in Frankreich deckten, gewonnen. Wir betrachten nun die einzelnen