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Fertige Kleider : (Gruppe 5, Section 7) ; Bericht / von Ig. Ortmann, Anton Kreuzig, Josef Mignotti, Wilhelm Pless, Franz und Max Stiasny
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Joief Migotti. Cravaten und Halsbinden.

Auslandes nicht zu befiegen wäre, eignet fich die inländifche, namentlich Wiener Waare, welcher durch Manipulation und Appretur eine aufserordentliche Weichheit und Milde vérliehen wird, vorzüglich dazu.

Vom fanitären Standpunkte jedoch mufs die in Wien übliche Form der Hals­und Bruftbekleidung als ungenügend bezeichnet werden.

Während nämlich der übrige Körper zwei, oft dreifach( warm) bedeckt wird, find diefe Theile häufig nur einfach oder gar nur durch das Hemd vor Wind und Wetter gefchützt; die Nachtheile, welche bei dem mitunter rafch eintretenden Temperaturwechfel fich daraus ergeben, find von competenter Seite oftmals befprochen worden, und werden durch die Mortalitätsberichte, nach welchen 65 Percent der Bevölkerung den Hals- und Bruftkrankheiten erliegen, auf traurige Weife illuftrirt. Erft in letzter Zeit hat man durch Erfindung und Verbefferung der breitgelegten, bis unter das Gilet reichenden Napier cravate und die in allgemeinen Gebrauch kommenden Flanell- Unterhemden, welche am blofsen Leibe getragen. werden, in diefer Richtung eine entsprechende Reform angebahnt.

Der Export diefer Erzeugniffe findet nach Deutfchland und Rufsland, haupt­fächlich jedoch nach jenen Ländern des Orients ftatt, in welchen der moderne europäiſche Kleiderfchnitt bereits Eingang gefunden hat, und geftaltet fich zu einem lucrativen, immer lebhafteren Handel, welcher unferem Gewerbefleifse gröfsere Ausdehnung verfchaffend und neue Abfatzgebiete eröffnend, den allge­meinen Wohlftand befördern hilft, und Oefterreich feiner grofsen Beftimmung: Der Mittelpunkt und Stappelplatz des Welthandels zu werden, mehr und mehr entgegenführt.

MIEDER.

Bericht von

ANTON KREUZI G.

Die Mieder find einer jener Theile der Bekleidungsinduftrie, welcher wohl nicht mit manch Anderen, deren Beftehen feit den Anfängen der Menfchheit und deren Cultur datirt, und daher auch nicht mit jenen an Anciennität wetteifert, fondern deffen Entftehen wir theils dem Raffinement der Mode, theils auch ver­fchiedenen anderen Motiven verdanken. Die Gefchichte des Alterthums weifs uns wenigftens nichts von Miedern oder Schnürbrüften zu erzählen; zu jener Zeit überliefs man die Entwicklung des menfchlichen Körpers ganz einfach der Natur und deren Einwirkungen. Die Voreltern aller Völker waren nur darauf bedacht, den Körper naturgemäfs entwickeln zu laffen und Alles zu vermeiden, was deffen Kräftigung und Stärkung nachtheilig fein konnte. Erft im Mittelalter wurde daran gedacht Schnürbrüfte einzuführen und der Natur Concurrenz zu machen. Es wurde der Verfuch gemacht, manchem weiblichen Körper eine gefälligere Form zu geben. Von den erften Verfuchen jedoch bis in die neuefte Zeit hat diefe Erfindung grofse Wandlungen durchgemacht, da diefe Verfuche nicht blofs bei dem weiblichen Gefchlechte ihren Ausgangspunkt fanden, fondern auch die Manie des Schnürens in das männliche Gefchlecht überging, da es bei jungen Männern eines exclufiven Standes nahezu Ehrenfache war, eine fchöne Taille zu befitzen, welche nur durch das Mieder erzielt wurde. Diefer Artikel hat nun bis heute eine fo riefige Bedeutung erlangt, dafs wir nicht umhin können, demfelben einige Worte zu widmen.

Es wurden in diefem Artikel fo namhafte Erfindungen und Verbefferungen eingeführt, dafs man heute bereits eigene Mieder für alle Phafen, welche das weibliche Gefchlecht von der Natur durchzumachen gezwungen iſt, befitzt.