Rauh- und Kürfchnerwaaren.
39
in diefer Gröfse für die Strafse feit 10 Jahren aufser Mode find und nur mehr für die Reife getragen werden.
Vortrefflich gearbeitet und praktifche Verwendung des Materiales bekundend war das galonirte Futter von Schwarzfuchs- Schweifen, welches nebft zwei guten Futtern von Zobelkehlen und Pfoten Herr Bjelkin aus Moskau brachte. Wenig lobenswerth, wenngleich fehr umfangreich, war die Ausftellung eines Kürfchners aus Riga; hier fahen wir Wiener und deutfche Erzeugniffe untergeordneten Ranges und in England gefärbte Schaffelle als ruffifche Kürfchnerwaare präfentirt, und die eigenen Erzeugniffe, mehrentheils von ordinären Fellen, waren gar nicht gut gearbeitet, dabei die Preife fehr hoch.
Originell zwar, aber primitiv in der Ausführung waren die von einem Archangeler Haus gebrachten Gegenftände, darunter ein dort getragener Kaftan von Rennthier- Fellen, eine unförmlich grofse, fchwere Haube von Vielfrafs, dann Muffe und Krägen von Wildenten-, Möven und Hermelinfellen.
Von Kürfchnerwaaren wollen wir noch die von Herrn Baranofsky aus St. Petersburg ausgeftellten Schaffelle und Schaffell- Pelze wegen ihrer ganz vorzüglichen Zurichtung bemerken; diefe Pelze, der Landestracht gemäfs mit kurzen Leibern und faltigen Schöfsen, waren im Leder fchwarz und grau, in der Wolle bunt gefärbt, das Leder fo fein und fchmiegfam präparirt, dafs es einen Tuchüberzug vollkommen erfetzt.
Auch mit verfchiedenen Gattungen feiner reichen Fellproduction hat Rufsland die Ausftellung befchickt. Das Gouvernement Irkutsk ftellte eine grofse Collection dort vorkommender Pelzfelle zur Schau: rothe, blaue, Kreuzund Silberfüchfe; Kolinsky Fehen in unterfchiedlichen Qualitäten und prachtvolle Zobel; ebenfo brachte Herr Ladislaus Kletfchkofsky einzelne Exemplare von Fellen aus dem Gouvernement Archangel: rothe, blaue und weifse Füchfe, Fehen, grofse weifse Hafen, Vielfrafse und vorzüglich fchöne Hermeline.
In der Türkei begegneten wir bei einem Kürfchner aus Conftantinopel einigen recht gefchmackvoll gemachten Damen- Pelzgegenftänden, meift von Grebenfellen, die viel am fchwarzen Meere vorkommen; derfelbe brachte auch eine mit viel Gefchicklichkeit von türkifchem Hamfter, Wildenten und Greben zufammengefetzte Tifchdecke.
Von verfchiedenen türkifchen Provinzen waren Halbfabricate eingefandt, Futter von Wildenten- Fellen, von türkifchen Hamſtern, von amerikanifchen und europäischen Füchfen, welche aber weder im Sortiment, noch in der Zurichtung oder in der Arbeit befriedigten; ferner eine grofse Menge von Marderfellen, die mehrentheils nach Oefterreich und Deutfchland exportirt werden.
Für die rumänifche Ausftellung hatten mehrere Private ihnen gehörige Wölfe, Bären, wilde Katzen, wie sie in Rumänien gejagt und von dortigen Kürfchnern fehr gut naturalifirt wurden, beigeftellt; ferner fahen wir da einige Futter von Füchfen und von Marderabfällen, welche von Griechen und Serben gerne benützt werden.
Sehr intereffant war die Ausftellung von Perfien. Aufser Lammfellen, welche einzig in ihrer Art und in der ganzen Welt verbreitet find und die in Originalballen zu Zehntaufenden über Rufsland, in letzterer Zeit auch über Trieft exportirt werden, waren andere Pelzfelle als perfifche kaum gekannt, da fie entweder im Lande felbft verwendet, oder in Rufsland, wohin fie eventuell gelangen, mit anderen gleichen Fellen vermengt werden und ihren Originalcharacter verlieren.
Hier fahen wir nun aufser Schiraz( Lammfellen) auch perfifche Wildwaaren, dabei grofse, rauhe Steinmarder, an Farbe zwar hell, aber fehr fein und rauh in der Wolle; grofse, helle Füchfe, ähnlich den nordamerikanifchen oder tartarifchen Steppenfüchfen, doch viel gröfser und rauher als diefe; ferner fahen wir fehr fchöne Grebenfelle und grofse, gut ausgearbeitete Schwäne. Ganz befonders fchön in feiner Art war das einzige fertige Pelzftück, ein grofser Schafpelz ohne Tuchüberzug, das Leder, unübertrefflich gut zugerichtet, war von fammtartiger Weich