Stahl- und Eifenwaaren.
11
Schleifmaschine, fo auch die Verfuche des Feilhauens mit Maſchinen in gröfserem Mafsftabe durchgeführt und bereits fehr günftige Refultate aufzuweifen hat.
Die Fifcher'fche Fabrik hat ferner die beften Schmiedemafchinen in ihren Werkstätten eingeführt, und fchmiedet nicht blos den Körper der Feile in Gefenken, fondern erzeugt in gleicher Weife die Angeln der Feile, wodurch überall die gröfste Gleichmässigkeit und Accurateffe in der Form der Feile erzielt wird. Allerdings hat es auch hier nicht an Schwierigkeiten der Einführung gefehlt, und die Mafchinen felbft, obfchon in England von den renommirteften Fabriken geliefert, bedurften hier mehrfacher Abänderungen und Verbefferungen, um auf dem heutigen Standpunkte anzukommen, wo die mit der Mafchine gehauenen Feilen bereits allen billigen Anforderungen entſprechen.
Der gänzliche Umfchwung, der fich gegen frühere Perioden in der Verwendung der Feilen und daher auch in der Nachfrage, folgeweife in der Fabrikation felbft vollzogen hat, läfst die uralte und ehedem weltberühmte fteierifche Feilenfabrikation gewaltig in den Hintergrund treten.
In früheren Zeiten, wo man von der Feile nur einen einfachen, wir möchten fagen, handwerksmäfsigen Dienft verlangte, war die fteierifche Feile( Bund- oder Strohfeile, weil fie in Bund verkauft, und in Stroh eingewickelt wurde) das begehrtefte Werkzeug diefer Art und auf allen Märkten der Welt gekannt und gefucht; aus diefer Zeit datirt auch das grofse und weitverbreitete Renommée der fteierifchen Marken( Zeichen), deffen gröfsere oder geringere Berühmtheit allein für den Verkauf und Preis mafsgebend war.
Der Schloffer, Mefferfchmied oder fonftige Confument der fteierifchen Feile fchätzte in diefem Erzeugniffe nicht blos ein nach damaligen Begriffen und Bedürfniffen qualitätsmäfsig ausgezeichnetes Werkzeug, felbft die Feile im abgenützten, unbrauchbaren Zuftande lieferte ihm noch immer bis zum letzten Atom ein unübertreffliches Material, welches er zu Stahlartikeln, zu Meffern, zu Schneidarbeiten, zum Verftählen u. f. w. mit um fo gröfserer Vorliebe verwendete, als die Eigenfchaft des fteierifchen Stahles auch dem Mindergeübten feine Vorarbeitung, befonders im Schweifsen und Härten leicht machte, während andere Stahlgattungen ftets einen geübten Arbeiter erforderten.
Auch heute haben die fogenannten fteie rifchen Feilen, d. h. die Bundund Strohfeilen, noch immer einen gewiffen Abfatz, aber nur noch nach folchen Ländern, wo die moderne Induftrie noch keine Wurzel gefafst hat, wo alfo der Huf- und Wagenfchmied, der Dorffchloffer und ähnliche Handwerker die einzigen Confumenten find. Diefs gilt namentlich von Italien, Spanien und der Levante etc. Aber felbft diefer Abfatz wird durch die deutfche Concurrenz wefentlich beeinträchtigt, da fie zu diefer Gattung von Feilen den ordinärften und billigften Stahl verwendet, daher in den Preifen vollständig concurrirt, und durch Anwendung beliebiger Fabriksmarken die Täufchung des letzten Käufers vollendet.
Wir können daher das aus unferen gewerblichen Kreifen fo vielfach geftellte Verlangen nach einem gefetzlich geregelten internationalen Markenfchutz für unfere Induftrie nur als ein berechtigtes anerkennen. Aber mehr noch hat feitens der Induftriellen zu gefchehen. So z. B. ift der Vorgang in dem Remfcheider Fabriksbezirke, wo fich die bedeutendften und berühmteften Feilenfabri kanten als: Mannesmann, Kotthaus& Bufch, Honsberg, Greb und andere gemeinfam an die Spitze eines Commandit- Unternehmens geftellt haben, um fpeciell die Mafchinenhauerei nach Dodges' Patent im gröfserem Mafsftabe durchzuführen, den Steierer Feilenfabrikanten zur Nachahmung dringendft zu empfehlen.
Die concentrirte Lage der fteierifchen Fabrikation ähnelt der gleich concentrirten Lage der Remfcheider Fabrikation, und erleichtert dadurch im hohen Grade die Errichtung gemeinfamer Anlagen für die Benützung aller Fabrikanten. Die genoffenfchaftliche Vereinigung der Steierer Induftriellen wäre aber auch nach anderen Richtungen von grofsem und nachhaltigem Nutzen.