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F. W. Haardt.
Unfere erften Schloffermeifter, als: Albert Milde, C. Tagleicht, Biro, Wilhelm, Gfchmeidler, können mit ihren vollendeten Handarbeiten in Bezug auf die Form allerdings jeden Vergleich aushalten. Namentlich fand die reichhaltige Ausftellung von Albert Milde in Schlöffer-, Thür- und Fenſterbefchlägen, getriebenen Gittern, fchmiedeeifernen Stiegenfproffen, ihrer künftlerifchen Ausführung wegen, die allgemeinfte Anerkennung.
Die rege Bauthätigkeit Wiens, die Opulenz, welche fich bei unferen Neubauten bemerkbar macht und die Bezahlung vollendeter Leiftungen zur Gewohnheit machte, haben hier unter der thätigen Anleitung unferer berühmten Architekten: Hanfen, Schmidt, Ferftl und anderer eine moderne Schule der Baufchlofferei gefchaffen, welche mit ihren ausgeftellten Arbeiten die Bewunderung aller Fachleute erregte.
Es gilt diefes nicht blos von den Schlofferwaaren im engeren Sinne; es gilt diefes auch befonders von den getriebenen Arbeiten unferer Schloffermeifter in Befchlägen, Geländern und ähnlichen Leiftungen, wovon die ausgeftellten Arbeiten hervorragende Proben lieferten.
Selbft die Krone, welche die Ausstellungsfpitze, die Laterne der Rotunde zierte, war aus einer Schlofferwerkftätte, derjenigen des Herrn J. Gfchmeidler, hervorgegangen, der auch die vielfach bewunderten Gitter an den Stiegenthüren der Rotunde geliefert hat, während die von allen Kennern gleichfalls gepriefenen Gitter am kaiferlichen Pavillon, am Jurypavillon, am öftlichen Ausftellungsflügel und anderen, aus den Werkstätten von Milde, Gridl und Tagleicht hervorgegangen waren.
Für den grofsen Markt haben jedoch diefe Leiftungen nur eine fecundäre Bedeutung. Die eigentliche Schlofferwaaren- Induftrie war durch die„ Moravia", Homboker und Marienthaler Eifenwaaren- Induftrie und Handels- Actiengefellfchaft reichlich vertreten. Sie brachten eine grofse Auswahl von Schlöffern aller Gattungen und ihrer anderen Blechwaaren- Fabrikaten zur Ausftellung, die in Folge ihrer foliden Arbeit und billigen Preife einen ſtarken Handelsartikel bilden. Die Firma Carl Grundmann in Wien brachte ihre fabriksmässigen Erzeugniffe fertiger Schlöffer und einzelner Schlofsbeftandtheile zur Geltung, und ebenfo hatte Herr Eduard Gehring in Wien eine reichhaltige Collection von Patent- Möbelfchlöffern ausgeftellt; auch von anderen Seiten, namentlich von Hermann Jeitteles& Sohn in Prag, J. V. Floigl in Graz und anderen, find in guter Mittelwaare viel verfprechende Anfänge zu verzeichnen, die fabriksmäfsige Schlofserzeugung bei uns einzubürgern.
Das Ausland hatte, wie bemerkt, in der Schlofsfabrikation nur wenig zur Anfchauung gebracht; namentlich fehlten aus England, Frankreich, Deutfchland jene grofsen Firmen, die auf den Weltmärkten den Ton angeben.
Amerika hatte uns durch die W eftfield Lak Works Company einzelne Mufter vorgeführt, die durch ihre ſchöne und folide Arbeit anerkennenswerth erfchienen. Die Gröfse des Antheiles der Mafchinenarbeit war jedoch an ihnen nicht feftzuftellen.
Nirgends wird die Solidität eines Schloffes höher gefchätzt als in Amerika, und es ift daher auch natürlich, dafs dort nur von Schlöffern der beften Qualität die Rede fein kann.
Thatfächlich hat daher in Amerika die fabriksmäfsige Erzeugung fowohl von Thür-, als Koffer, Vorleg- und andern Schlöffern fehr grofse Dimenfionen angenommen. In der That eignen fich auch wenig Bedarfsartikel beffer, als diefe, für fabriksmäfsige Maffenerzeugung.