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Waffen mit Ausnahme der Kriegswaffen (Gruppe VII, Section 3) ; Bericht ; Metallwaaren : (Gruppe VII, Section 4) ; Bericht ; Lampen- und Beleuchtungs-Apparate : Bericht / von Johann Newald, Director der k.k. Forstakad. in Mariabrunn / von Carl Haas, Broncewaaren-Fabrikant in Wien ; von Carl Cohn
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Carl Haas.

Broncegufs. Was fonft noch von Consolen, Candelabern und Aehnlichem vorlag, war direct von franzöfifchen Vorbildern herzuleiten. A. Morand und J. Spör­hafe in St. Petersburg brachten Broncearbeit in Verbindung mit den koftbaren ruffifchen Mineralien Malachit und Lapis lazuli.

Offen geftanden, konnten wir mit beftem Willen an Alledem nichts Gelungenes entdecken. Während ähnliche Zufammenftellungen in der franzöfifchen Abtheilung oft reizende Gefammtwirkung dnrch die fein abgeftuften Töne des Onyx und Alabafters erzielen, geben die harten Farbtöne namentlich des Malachites von Haus aus unkünftlerifche Grundfarben.

Was in den füdlichen Provinzen und am Kaukafus producirt wird, fchliefst fich an den Reigen orientalifcher Kunftinduftrie, Einzelnes ift direct perfifch. Aus dem Dorfe Laitfch war eine ganze Reihe Kupfergefäfse, wie deren Vorbilder nur in Iran zu finden, nur roher gehalten, als Hausarbeit der mohamedanifchen Bevölkerung ausgeftellt.

Das Ornamentale daran ift Gravirung, welche auf der verzierten Oberfläche das Kupfer im Schnitte blofslegt, wo fodann eine leichte Färbung der Gravirung, einen nielloartigen Eindruck gibt. Aus Tiflis waren fehr edelgezeichnete Filigran­arbeiten und Silberarbeiten, getriebene Schüffeln, Flafchen in orientalifcher Form, nach offenbar alten Vorbildern gearbeitet, zu finden. Aus Saxin und Tiflis auch Nielloarbeit, aber in wenig bedeutender Weife.

Von galvanoplaftifchen Arbeiten waren einige Reproductionen in der fogenannten Amateur- Ausftellung", und zwar von einem, der in Moskau befind­lichen Gewerbefchule angehörigen Atelier, exponirt, die Arbeit gut, aber nichts Hervorragendes; während wir die hochintereffante Specialität der Eifennieder­fchläge, namentlich in einem Schilde aus der Werkstätte der ruffifchen Staats­noten- Druckerei auf das Rühmlichfte hervorheben müffen.

Rumänien.

Ueber die moderne Metall- Kunstinduftrie diefes Landes ift wenig zu fagen, da noch kein Beftreben dort befteht, hierin auf eigenen Füssen zu ſtehen. Import ift die Bafis feines Verbrauches, Cultusgeräth allein dürfte in foweit darin eine Ausnahme machen, als die byzantinifchen Vorbilder vielleicht noch getreuer dort nachgebildet werden als in dem doch mehr felbftftändigen, glaubensverwandten Rufsland. Das Intereffante, was unleugbar die Käften der rumänifchen Ausstellung enthielten, waren durchwegs ältere Arbeiten aus Klöftern und Staatsfammlungen. Vor Allem hochmerkwürdig jener uralte Goldfund von Petroffa, der an einer andern Stelle diefer Berichte feine Würdigung finden wird.

Der Orient.

Die Grundverfchiedenheit der orientalifchen Kunstgewerbe gegenüber den gleichartigen abendländifchen Beftrebungen, tritt, wo diefelben noch unberührt fich erhalten haben, auch auf unferer Ausftellung markant zu Tage.

Es erfchien daher gerathen, hier ausnahmsweife mehr zufammenfaffend vorzugehen, und diefe ganze Gruppe in ihrer unleugbaren Wechfelwirkung zu be­trachten. Auch fie zerfällt in zwei Abtheilungen, die der perfifchen, türkifchen, egyp tifchen und allenfalls noch der tunefifchen- marokkanifchen Ausftellung und in jene der chinefifch- japanifchen. Indien, das entwickeltefte Culturland diefer ganzen geographifchen Gruppe, ſteht fo felbftftändig da, dafs wir ihm den befonderen Platz neben England bereits gewahrt haben.