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Carl Haas.
rung der Seife und Parfums zum Bade dienen, und heute noch nebft den bekannten kleinen Trinkfchalen zu Kirmanfchahan noch vorzüglich gefertigt werden. Die hier in Rede Stehenden waren aus Kupfer und einer Broncelegirung, in einfachen, edlen Hauptformen. Die äufseren Flächen theils verzinnt und dann gravirt, eine Technik, wie fie im Orient weit verbreitet erfcheint; theils die Bronce zeigend, gravirt, vielleicht auch vorgeätzt und dann nielloartig in den Vertiefungen mit Harzfarbe ausgefüllt. An diefen Verzierungen ift ein ganzer Curfus trefflicher Flächenverzierung zu ftudiren und durch die rafche Intervention des öfterreichifchen Muſeums, das die ganze Sammlung erwarb, ift uns hiezu nun ausreichende Gelegenheit geboten.
Höchft intereffant war auch eine Räuchervafe mit durchbrochenen Verzierungen in anmuthigfter Form entworfen und meifterhaft ausgeführt. Auch Filigranarbeiten waren zu fehen, fcheinen jedoch nach fpäteften Muſtern gefertigt.
Türkei, Egypten, Marokko, Tunis. Die bunte Pracht der türkifchen und der ihr verwandten egyptifchen, tunefifch- marokkanifchen Ausftellung bot im Grunde genommen nichts Hervorragendes und wenig Bemerkenswerthes gegenüber den eben befprochenen Gegenständen der perfifchen Gruppe. Was, in diefen weiten Gebieten producirt, heute eine induftrielle Bedeutung hat, ift in der Mehrzahl, nur in wenigen traditionell gefertigten Artikeln zum täglichen Bedarf dienend und den verfchiedenften, übrigens oft auch nicht eruirbaren kleinen LocalWerkstätten entftammend, vertreten.
Noch am meiften fcheint die alte Treibtechnik in Anfertigung von Gefäfsen, Schalen und Platten fich an den meiften Punkten erhalten zu haben. Das Material felbft als Blech fcheint importirt zu fein.
Von edlen Metallen ift Silber zahlreich zu Kannen und Taffen verwendet, und eine weit verbreitete Technik ift das Filigran zur Verzierung folcher Gegenftände fowohl, als auch in felbftftändiger Weife verwendet. Zumeift fcheinen die öftlich gelegenen Gegenden am fchwarzen Meere früher von der Nachbarfchaft Perfiens befruchtende Elemente empfangen zu haben, und heute in herkömmlicher Form zu arbeiten. Wenigftens wurden bei einigen der befferen Filigranarbeiten Sinope am fchwarzen Meere und deffen Nachbarfchaft als Verfertigungsort genannt. Uebrigens auch aus Salonich, am Südende Macedoniens, waren derartige ganz gute Arbeiten in Kaffeetaffen, Unterfätze von Eierbecher- Form, vorhanden. Conftantinopel erzeugt wohl auch Silberarbeit, doch ift das befonders Hervorgehobene rein in gewöhnlich europäiſcher Art gefertigt, und kann höchftens durch die barocke Grundidee, wie jene aus Silbergufs und Draht gefertigte Nachbildung einer Mofchee, flüchtige Aufmerkſamkeit erringen.
Von wirklicher Kunftarbeit foll noch die Taufchirung der Waffen in dem alten Byzanz in Uebung fein. Dagegen wird am goldenen Horn ziemlich viel und auch ganz präcife Arbeit in getriebenen Becken und Wafchgeräthen nebft Tifchgefchirr in eigenthümlichen Platten und Schalen erzeugt Es waren ganz achtbare Dimenfionen durch Hammerarbeit an Metallvafen namentlich erzielt. Freilich wird diefe Handarbeit auch dort bald durch die Aufnahme des Metalldruckens auf der Drehbank erfetzt werden. Auch Bosnien liefert ganz intereffante derartige Gegenftände, befonders Lampen mit getriebenem, originellem Deckel. So fehen wir hier in einer Abweichung vom gewöhnlichem Gange gerade in der Hauptftadt die Erzeugung der zum Hausgebrauche dienenden Artikel ziemlich fchwunghaft betrieben, während die feineren Kunftgewerbe in localer Zurückgezogenheit und entlegenen Gegenden fich erhielten. Auch ift die Anfertigung jener' ebenfalls getriebenen verzierten und gravirten Becken und Schalen in mannigfacher Form und Herkunft vertreten, deren wir fchon bei Rufsland gedachten, und deren fchönfte Originale in Perfien zu fuchen find.
Das Meifte, was Egypten als zu unferer Gruppe gehörig ausgeftellt hatte, zeigte wohl diefelben Grundzüge, und hat wohl auch feine Entstehung meift