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Waffen mit Ausnahme der Kriegswaffen (Gruppe VII, Section 3) ; Bericht ; Metallwaaren : (Gruppe VII, Section 4) ; Bericht ; Lampen- und Beleuchtungs-Apparate : Bericht / von Johann Newald, Director der k.k. Forstakad. in Mariabrunn / von Carl Haas, Broncewaaren-Fabrikant in Wien ; von Carl Cohn
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Carl Haas.

Schmuck, Tafel- und Luxusgeräthen exponirt. Verfuchen wir Einzelnes bei der Seltenheit der Artikel zu charakterifiren,

Der Schmuck ift halb national, halb europäiſch gehalten. Das Material Gold und Silber theils cifelirt oder gravirt, theils in Filigran gehalten und als Mittelftücke oder auch als Umrahmung dortige beliebte Raritäten. So z. B. Tieger­klauen oder das gefchnitzte und gefärbte Horn aus dem Schnabel eines pfeffer­freffenden Tunkans. Letzteres auch in eigenthümlicher Verwendung als Decoration in einer an den wirklichen bekannten riefenhaften Schnabel erinnernden, jedoch verkleinerten Form, fein gefchnitzt und geglättet, fowie gefärbt. Einmal fahen wir dasfelbe auf einer Kanne von feinem Filigran, wo dann eine aus Filigran gebil dete Figur mit gefchnitztem Beinantlitz, das Ganze wie im Triumph vor fich herführt. In origineller Weife fah man im Filigrandeffin des Kleides diefer Figur, bekannte Ornamente aus der Reihe jener in älteren Cloifonnéwerken chinefi­fchen Urfprunges vorkommenden fozufagen elementaren Verzierungen. So finden fich in ähnlichen Techniken in noch früheren Stadien deren Entwicklung, gemein fame eben dem Materiale und deffen Behandlung von felbft entſtammende Züge. Gehen wir noch einen Schritt weiter, fo finden wir Fächer ebenfalls aus Filigran gebildet. Ueberhaupt fcheint diefe Technik mit ihrer kleinen forg­fältigen, etwas mühfamen Arbeit fo recht für den emfigen Fleifs der Chineſen Anziehungskraft zu befitzen. Diefe Fächer find aus feinftem gewundenem Draht, der in etwas willkürlichem Deffin die langen Felder einnimmt; unterbrochen durch gröfsere Zellen, welche durch ein durchfichtiges Email beiderfeits an der Vor­und Rückfeite nur durch ein äufserft dünnes Blech getrennt, welches dem Email als Untergrund dient, ausgefüllt, die eigentliche Decoration vorftellen. Der Ein­druck ift ganz eigenthümlich, und wenn wir auch nicht die frei angebrachten Emails hier haben, wie fie einft B. Cellini an einer Schale im Befitze Franz von Frank­reichs bewunderte, fo ftehen wir doch nicht weit davon.

Der Effect wird durch die häufige zufällige Durchlöcheruug des oberen Mittelbleches gehoben, da an folchen Stellen das ganze factifch durchfichtig wird und das Email wie ein à jour gehaltener Edelſtein blitzt.

Die Gefäfse, Kannen und Taffen zum Thee find offenbar für europäiſche Bedürfniffe gemacht und haben, einige barocken Henkel ausgenommen, kein befon deres Intereffe.

Unter den Meffinggefäfsen waren befonders erwähnenswerth Kannen, Becken und allerlei kleineres Geräth mit dicht gravirtem Ornament bedeckt, der Grund davor mit fchwarzem Lack ausgefüllt. Gröfsere Gegenftände waren nicht zu finden; die getriebenen Becken aus Kupfer, welche ausgeftellt waren, zeugten von der Reinheit des Metalls fowohl als der Gewandtheit des Treibens mit dem Hammer.

An Zinnarbeiten waren nicht unfchöne Formen in Kannen zu fehen. Von originellem Effect fanden fich zwei kleine Zinnleuchter mit eingravirtem Deffin, aus Formofa ftammend.

War es Zufall oder Mangel an Stoff, genug es war in den feltenften Fällen an irgend einem Metalle die rationelle Benützung einer Drehbank zu bemerken; während wir doch an japanefifchen Theebüchfen aus Zinn den dichten auf der Drehbank hergeſtellten Verfchlufs bewundern. Ebenfo konnten wir über Eifen­bearbeitung nichts Genaues erfahren, obwohl dasfelbe in manchen Exemplaren als viel gebrauchtes Material fich verräth. Einzelnes hieher Gehörige diefer Ausftel­lung ftammt aus Japan, wurde daher hier nicht weiter berücksichtigt, fo die Sendung von Mr. Howell aus Hakodadi.

Trotzem nun fteht doch die Gefammtwirkung der Ausftellung auf einem ganz anderen, viel höheren Standpunkte als die letzte Parifer Ausftellung hat ver­muthen laffen. Dort gröfstentheils durch Amateurs- Collectionen zufammengebracht, haben wir heute in jedem Fache ein, wenn auch lückenhaftes, fo doch belebtes und viel richtigeres Bild der Entwicklung des merkwürdigen Volkes vor uns.