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Bautischlerei (Gruppe VIII, Section 1) : Bericht ; Möbel-Tischlerarbeiten (Gruppe VIII, Section 2) : Bericht ; Kork- und Korbflechter-Waaren (Gruppe VIII, Section 4 und 5) : Bericht / von Wilhelm Flattich / von Bernhard Ludwig / von Carl Kohn
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Bernhard Ludwig.

ragte, welches nach fchwungvollen Zeichnungen gefchnitten und technisch rein gearbeitet als Unicum in diefem Genre auf der Weltausftellung zu betrachten war. Nebenan fanden wir ein kleines, reizendes Damenboudoir von Fix ( Wien), welches mit Benützung maurifcher Motive einen ganz angenehmen Eindruck machte. Wenn man die einzelnen phantaftifchen Möbel mit den herrlichen Stoffen von Giani( Wien) und den gefchmackvollen Pofamenterie­arbeiten, fowie der luxuriöfen Kleinigkeiten bis zur Feuerzange herab betrach­tete, fo dachte man unwillkürlich an den leidigen Wiener Börfenfturz", der graufam die Illufionen manch' reizenden Frauenkopfes über den Befitz des­felben zerftörte.

F. O. Schmidt( Wien) hatte Bruchftücke feines, früher im Muſeum ausgeftellten, prachtvollen Zimmers zur Anficht gebracht. Der Anblick diefes Kamins mit der fortlaufenden Wanddecoration in Frührenaiffance, gab Zeugnifs von dem feinen Gefchmacke und richtigen Verſtändnifs feines Exponenten. Von Albert& Sohn( Wien) war ein fchön gezeichneter und fleifsig ausgeführter Schreibkaften mit Bibliothek von Nufsholz in Renaiffanceftil ausgeftellt. Auch die Möbel Wahl's& Söhne( Wien) zeigten das Beftreben nach befferen Leiftungen in Stil und Arbeit. Bei Roderich's Credenzen wäre weniger Reichthum an Schnitzerei, dagegen mehr Stil und Zeichnung wünſchenswerth gewefen.

Bemerkenswerth waren Kien's( Wien) Möbel in feinem zerlegbaren Haufe und ein Portal für einen Kaufladen von Nufsholz; Beides war fehr gut gearbeitet. Ebenfo die zerlegbaren Möbel Mannftein's, fowie auch deffen unzer­legbare, beftehend in einer Credenz, einem Spieltifch und Seffeln von Maha­goniholz, welche befonders durch ihre Gröfse dominirten; nur wäre denfelben eine vorfichtigere Verwendung der verfchiedenen Mahagoniholz- Gattungen anzu­empfehlen gewefen.

Wir brauchen wohl nur den Namen" Thonet" zu nennen, um jedem Laien die Vortheile ins Gedächtnifs zu rufen, welche durch das Inslebentreten der gebogenen Holzmöbel dem Publicum geboten wurden. Thonet's Söhne hatten auch bei diefer Ausftellung den Beweis geliefert, wie fehr fie fich bemühten, alle Hilfsmittel anzuwenden, um ihre Arbeiten fo viel als möglich gefchmackvoll und falonfähig zu machen.

In der Collectivausftellung der Wiener Tifchler fanden wir ein Schlaf­und Speifezimmer von Kramer ausgeftellt, deffen Ausführung präcis zu nennen war. Ludwig Rich.( Wien) exponirte ein Ebenholzcabinet mit gefchmack­vollen Elfenbeineinlagen in italienifcher Renaiffance fammt Tifch und Seffeln, nur waren die Zeichnungen zu der äufseren Conftruction nach unten zu ſtark gehalten. Gruber( Wien) brachte mehrere Speifezimmer Möbel von Nufsholz mit ganz fleifsiger Tifchlerarbeit zur Anficht, an welchen jedoch richtigere Verhält­niffe in der Zeichnung, fowie weniger und beffer modellirte Schnitzerei, dem maffenhaften Reichthum derfelben vorzuziehen gewefen wären.

Der Verfuch Oerley's( Wien) mit einer Herren- Zimmereinrichtung von Nufsholz mit fchwarzen Intarfien gehörte wohl noch nicht zu dem Gelungenften, war aber im Ganzen nett gearbeitet. Schottenhammel( Wien) hatte eine ganz hübfche, fchwarze Arbeit ausgeftellt, beftehend in einem Schreibtisch und Bücherkaften.

Auch die beiden gefchmackvollen Billards von Seifert und Zizula ( Wien) find zu erwähnen, nur die von Erfterem daran angebrachten Schildpat­füllungen machten einen unruhigen Eindruck; beide waren mit gut ausge­führten Schnitzereien von Schindler verziert.

Zaufal's( Wien) Schlafzimmer von Nufsholz und Tujafüllungen in Renaiffance war in feiner Ausführung gut zu nennen. Kuttag( Wien) ftellte eine Salonthür, mit finnreicher mechanifcher Verwandlung aus; leider läfst fie fich, durch die dadurch bedingte Mauerftärke felten verwenden.