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Bautischlerei (Gruppe VIII, Section 1) : Bericht ; Möbel-Tischlerarbeiten (Gruppe VIII, Section 2) : Bericht ; Kork- und Korbflechter-Waaren (Gruppe VIII, Section 4 und 5) : Bericht / von Wilhelm Flattich / von Bernhard Ludwig / von Carl Kohn
Entstehung
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Korkwaaren.

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Wie fo der Kork feine einfache aber beſtimmte Verwendung in dem Bedarfe der Welt findet, fo werden auch die Korkabfälle ausgiebig ausgenützt. Der fchlech­tefte, poröfe und zerklüftete Kork wird für die Netzfifcherei als Schwimmkork verwendet und dazu verarbeitet; die kleinften Abfälle werden gebrannt und geben eine intenfiv fchwarze Farbe.

KORBFLECHTER WAAREN.

( Gruppe VIII, Section 5.)

Bericht von

CARL KOH N,

Civilingenieur in Wien.

Die Korbflechterei ift ein uraltes Gewerbe und reicht in die Anfänge der menfchlichen Gefchichte zurück. Palmblätter, Schilf, Ruthen, verfchiedenartige Pflanzenfafern und gefpaltene Hölzer dienten der Arbeit, um Körbe und andere Behälter daraus zu erzeugen. Das erfte Buch Mofes fpricht fchon von Körben, worin gebackenes Brod und fonftige Nahrungsmittel aufbewahrt wurden. Auch heute find die Producte der Korbflechterei, zumeift Körbe, fowohl in der bürger­lichen Haushaltung als im Gewerbe und Handel in einer fo'vielfeitigen und reichen Verwendung, dafs das gefammte Korbflechter- Gewerbe einen keineswegs zu unter fchätzenden Factor in der Volkswirthfchaft aller Staaten und Völker bildet. Material findet fich an allen Orten dafür, die Werkzeuge dazu find von geringer Zahl und grofser Einfachheit und kann defshalb gerade die Erzeugung von Korb­flechtwaaren allenthalben als Hausinduftrie betrieben und ärmeren Gegenden ebenfo wie fchwächeren Arbeitskräften immer eine Quelle des Einkommens werden. Je mehr die grofse Induftrie und das Mafchinenwefen die Menfchen und ihre Arbeit beherrfchen, defto forgfältiger müffen diefe Zweige der Arbeit und des menfchlichen Bedarfes gepflegt werden, denn es wird immer Kreife und Arbeits­kräfte geben, welche die grofse Induftrie und Mafchine nicht gewinnen kann.

Defshalb wird es auch hier wie in allen anderen Zweigen der Hausinduftrie nöthig, dafs der Staat oder beffer die Gemeinden und Vereine fich der Pflege derfelben durch Gründung von Arbeitsfchulen oder anderen Lehr- und Erziehungs­behelfen annehme. Auch liegt in der Korbflechterei ein grofses Kunftmoment und ift die Ausbildung des Formenfinnes und Gefchmackes von ganz beftimmter Wichtigkeit.

Die Kunft, das Flechtmaterial zu färben, zu beizen und zu lackiren, macht wieder ein gewiffes Mafs von ch emifchem Wiffen dem Arbeiter nöthig. Es war daher von hohem Intereffe, fowohl die Erzeugniffe des Korbflecht- Gewerbes unferer Tage, wie fie in der Gruppe XXI., Producte der Hausinduftrie" zu fehen waren, ebenfo wie Arbeiten aus früheren Jahrhunderten in den additionellen Ausftellungen zu fehen. Man konnte da die verfchiedenften Arbeitsarten, die verfchiedenartigften Formen für die verfchiedenartigften Bedürfniffe finden, bei denen allenthalben die aufserordentlichfte Nutzbarkeit und vielfeitigfte Ver­wendbarkeit herortrat. Die Form hat fich dabei, nur nach dem Zweck des Geflechtes verfchieden, faft allenthalben gleich erhalten. Das Material iſt je nach der Gegend, in denen die Geflechte erzeugt werden, wohl fehr ver­fchieden, aber je in einer Gegend durch lange Zeit immer dasfelbe. Dagegen. aber wechfelt fowohl die Zweckmäfsigkeit der Arbeit als die Kunft der Behand­