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Die Steinwaaren (Gruppe IX, Section 1) : Bericht / von Heinrich Wolf
Entstehung
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Steinwaaren.

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Die Schieferbergbau- Actien gefellfchaft Olmütz hat das Verdienft, den Abbau der Schieferfchichten mittels Stollen zu bewerkstelligen, wobei durchaus in derfelben Schieferlage beffere Qualitäten erzielt werden, als mittels oberflächlichem Tagbau. Mit ihrem mafchinellen Betriebe in der Förde­rung, Wafferhaltung, ferner beim Zurichten und Hobeln der Schiefer ift fie im Stande, mehr als 250.000 Quadratklafter Dachfchiefer im Laufe eines Jahres zu gewinnen. Vorzüglich auf den Export eingerichtet, erzeugt fie ihre Schiefer in jenen Formen, die in anderen Ländern üblich find, wie englifche, belgifche, fran­zöfifche und böhmifche Schuppen, Schablonen und Quadratfchiefer, fowie eng­lifche Rechtecke. Sie erzeugt Tifchplatten, rund gefchweift, von I fl. 50 bis 5 fl. pr. Stück, Fenfterparapetverkleidungen, Fenftereinfaffungen, alle Sorten Schrift­platten etc.

Herr Carl Weifshuhn bei Wald- Olbersdorf in Oefterreichifch- Schlefien, nahe an der preufsifch- fchlefifchen Grenze, zeigte in einem geologifchen Profile die Lagerung und die Mächtigkeit der Schiefer in der Culmformation, wobei die einzelnen Lagen der Schiefer mit den darin vorkommenden Verfteinerungen fehr inftructiv ausgeftellt waren. Die Erzeugniffe diefes Herrn beftanden ebenfalls in verfchiedenen Sorten Dachfchiefer, nebft Tifch und Bodenplatten, fämmtlich von guter Qualität.

Die vorgenannten Ausfteller wurden fämmtlich mit der Verdienftmedaille ausgezeichnet.

Ungarn mit feinen Nebenländern.

Das Oft Reich unferer Monarchie, deffen Bewohner erft in den Städten und Orten gröfseren Verkehres von der Lehmhütte zum Ziegelhaus, und erft in Ausnahmsfällen zum Steinpalaft vorfchreiten, hat noch eine wenig entwickelte Stein- Induftrie, diefe befchränkt fich auf die Hauptftädte. Gleichwohl haben die Grofsgrundbefitzer wie: Prinz Auguft von Sachfen- Coburg- Gotha oder die könig­lich ungarifchen Domänen in ihren landwirthschaftlichen und forftlichen Aus­ftellungen denfelben als Anhang auch die auf diefen Gütern vorkommenden nutz­baren Gefteine in mehr oder weniger gelungener Bearbeitung zur Anficht beigegeben. Bekannt feit langem find die rothen Marmorbrüche des Jura von Piske und Tokod bei Gran. Die Pefter Bauten zeigen die zahlreiche, faft ausfchliefsliche Verwendung diefes Gefteines als: Balconplatten, Stiegenftufen, Podeftplatten etc.

Die Firma Anton Gerenday hat fich faft ausfchliefslich die Exploitirung diefes Materiales gefichert, und deren Arbeiten find nicht nur im Lande, fondern auch auswärts durch die verfchiedenen Ausftellungen gut bekannt geworden. Diefelben befchränken fich nicht auf die oben erwähnten currenten Artikel, fondern es waren allerdings auch fogenannte Ausftellungs. Effectftücke in genügender Anzahl exponirt. Wir erwähnen eine Marienftatue aus Carrara auf einem Piedeftal von rothem Pisker Marmor, ein Taufbecken von grauem Dognaczker Marmor, und Anderes. Diefer Pisker Marmor zeigt die im Juramarmor überall herrfchende nierenartige, dunklere Umgrenzung eines lichteren, reineren Kalkkernes derfelben Grundfärbung. Diefe dunklere Umgrenzung zeigt in deren Maffe den Kalk mehr durch Thon erfetzt, und hiedurch weicher als der umfchloffene hellere Kern. Die Witterungseinflüffe bewirken bald ein Erbleichen der Schliffflächen an diefen Stellen, und die fortgefetzte Verwitterung ein Ausbröckeln diefer dunkleren Umfchliefsungsmaffe, und hiedurch ein Vortreten des lichteren Kernes, ähnlich den Aftknorren im abgenützten Fichtenbrett.

Diefem Umftande ift es zuzufchreiben, dafs am Wiener Platze der Pisker Marmor durch den Trientiner Marmor verdrängt wurde, welchem die erwähnten Uebelftände in bedeutend geringerem Maafse zukommen. Herr Gerenday erhielt die Verdienftmedaille.