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Dr. Emil Teirich.
vorzüglich fchön modellirte Porträtbüften und Medaillons. Das öfterreichifche Muſeum felbft ift im Befitze einiger gut ausgeführter Stücke diefer Art. Die Glafur, welche auf dem Töpfergefchirre längft fchon im Wefentlichen die heutige Zufammenfetzung als eine Blei- oder Zinncompofition angenommen hatte, fie wurde nun auch künftlerifch, im Verein mit Farbe und als Email verwendet, die Majolica entſteht, die Robbias liefern nun auch der Architektur ein reizendes Decorationsmittel und die Thonwaaren- Induftrie tritt hiemit in ein Stadium der Vollendung, das anderen Ortes befprochen werden mufs.
Blicken wir nach dem Norden Europas, nach Nord- Deutſchland und England, fo hat mit dem XIII. Jahrhunderte auch dort der Ziegel- Rohbau bereits feften Fufs gefafst. Die englifche Gothik macht faft ausfchliefsend von ihm Gebrauch. Günftig war ihm der Mangel an Baufteinen jener flachen, dem Meeresboden nur langfam entrückten Landftriche und jedenfalls auch die Schwierigkeit, der unaufhörlich nagenden, falzig feuchten Seeluft eine genügend wetterbeftändige Kalkmörtel- Schichte als Verputz entgegenzuftellen.
Der gebrannte Thon hat feine Stabilität bewahrt. Unverwittert und feft ftehen heute noch die Monumentalbauten des Mittelalters ebenfo wie das fchlichte Haus des Bürgers.
Auch hier hat fich eine Backſtein- Architektur des Mittelalters ausgebildet und Werke gefchaffen, die heute noch Kunde geben von dem Stande der Thonwaaren- Induftrie jener Zeit, welche im Allgemeinen in Deutſchland, Frankreich, Holland und England die gröfste Pflege und Entwicklung fand, wenn auch gerade der hier zu befprechende Zweig der Ziegel- und Terracottaerzeugung eine geringere Bedeutung darin einnahm als in Italien. Es gelangte eben die Technik glafirter ordinärer Thonwaare, wie fie in dem altdeutfchen Ofen ihr Prototyp findet, die Fliefen und Majolica- Erzeugung und die des Steingut- Gefchirres, in die Blüthe. Eine fchöne Anwendung der Terracotta findet fich in den Fufsboden- Beleg. platten der mittelalterlichen Kirchen, Ritterburgen und Wohnhäufer, die ornamentirt und fcharf gebrannt, ja oft in verfchiedenen Farben hergeftellt und zu Muftern vereinigt wurden. Die Belegplatten der Kirche in Bebenhaufen u. f. w. geben uns heute noch Beiſpiele hievon.
Die Stilepoche der Renaiffance beeinflufst in fichtlicher Weife die Thonwaaren- Fabrication in Deutſchland und Frankreich, benützt fie aber weniger für die Zwecke der Architektur als das Mittelalter. Der eigentliche Einfluss der Renaiffance in Deutfchland äufsert fich auf die Gefäfsbildnerei, die Werke der Kleinkunft, auf die glafirte Thonwaare.
Die Anwendung der Terracotta- und Rohbau- Architektur, aus welcher überhaupt ftets nur der Impuls zu Fortfchritten diefes Zweiges der ThonwaarenInduftrie ausgehen kann und zu erwarten fteht, ift in der modernen Zeit faft möchte man annehmen allenthalben in mächtiger, ftetiger und neuer Entwicklung begriffen.
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Seit den letzten Jahren ift auch Oefterreich hierin einen Schritt vorwärts gegangen, einen Schritt, der es freilich noch nicht fofort in die Reihe mit England und Nord- Deutfchland brachte, der aber grofs genug war, um zur berechtigten Annahme zu führen, es werde auch in diefem Zweige der Induftrie bald ebenfo den genannten Rivalen nachgeeilt fein, wie auf anderen Gebieten des menfchlichen Könnens und Wiffens.
Die Ziegel- Rohbau- Architektur, ohne die wir uns nun und nimmer eine gedeihliche Entwicklung der Terracotta- Induftrie zu denken vermögen, hat in dem letzten Jahrzehent geradezu Bedeutendes geleiftet.
Das techniſch Vollkommenfte zeigt uns die Ziegel- und Thonwaaren- Induftrie in Nord- Deutfchland und deren Verwendung in der Berliner Architektur.
Die neuen Gebäude der Bank und Münze, der Bahnhöfe, der Synagoge, das Krankenhaus auf der Landsberger Chauffée, viele Villen im Thiergarten, dann aber auch der Neubau der Königsberger Univerſität und vor Allem die kürzlich