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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Dr. Emil Teirich.

oxydul Oxyd, eine blaufchwarze, oft matte Färbung verleiht. Die Gefchicklichkeit des Brenners, ein Kunftgriff bei der Erzeugung der Reductions flamme, ift das Wefen diefer Fabrication, die in den letzten Jahren in England wefentlich an Aus­dehnung gewonnen hat.

Wood and Ivery( Albion brick Works in Staffordſhire) brachten gleich­falls prachtvolle Stücke diefer Eifenziegel von bedeutender Gröfse, theilweife von ganz intereffanten Formen und zu fpeciellen Zwecken, wie z. B. Randſteine für Eifenbahn- Perrons, Gefimsverzierungen, Dachreiter, Firft- Deckplatten etc.

Diefe Waare, welche im Roh- Bauftile eine fehr zweckmäfsige Verwendung finden kann, indem fie eine einfache und äufserft dauerhafte Deffinirung im Verbande mit anderen Ziegeln zuläfst, ift ohne Zweifel aus manchen öfterreichifchen Thonen gleichfalls leicht herzuftellen und würde einen Verfuch wohl lohnen. Erwähnen wir noch als einer Specialität der Ruftical- Terracotta der South Tyne Works, einer Imitation von Baumftämmen und Rinden, die zu diverfen Gartengeräthen verwendet erfcheinen. Die originelle Idee war mitunter ganz gut durchgeführt, was uns nicht hindert, den fehr zweifelhaften Werth folcher Ausführungen dahin geftellt zu laffen.

Deutfchland hatte im grofsen Ganzen feine Terracotta- und Ziegelinduftrie fehr würdig repräfentirt. Zahlreiche Aussteller haben zum Theile ausgezeichnetes geleiftet, und Alles, was fie fandten, zeugte von guter Behandlung des allerdings meiſt trefflichen Rohmateriales, das man fich, dank der hier oft zu benutzenden Waffer­fracht und der billigen Tarife der Bahnen, nicht fcheut, auch 50 bis 80 Meilen vom Fundorte entfernt, zu verarbeiten. Die Thone von Felten, Ullersdorf, von Lauban u. f. w. find berühmt und werden faft von allen Thonwaaren- Fabrikanten in gröfserer oder geringerer Menge wenigftens als Zufätze bezogen.

E. March Söhne in Charlottenburg bei Berlin( aufser Preisbewerbung) ift unftreitig die hervorragendfte Fabrik von Terracotta- Waaren und Verkleidungs­fteinen, wovon mannigfache Ausführungen, namentlich in Berlin und deffen Umgebung Zeugnifs ablegen. Die Behandlung der Maffe, deren Farbengebung und Modellirung ift faft immer eine genau ftudirte. Gut gefchulte Kräfte unter der Leitung des Eigenthümers ftehen dem Etabliffement zur Seite, welches auch in der Herftellung grofser Stücke Anerkennenswerthes leiftet.

Das Ausstellungsobject felbft war ein Exedra im grofsen Halbkreis, beftimmt für eine Gartenanlage.

Das Roth der auf der Rückwand ftehenden, reich verzierten Säulen, welche das bekrönende Gebälke tragen, war als fchwerere Farbe auf der hellgelben der Bafis nicht von befter Wirkung, aber Alles zeugte von fleifsiger, gewandter Aus­führung und völliger Beherrschung des Materiales. Die Rückwand felbft war mit eingelegten Füllungsplatten und glafirten Fruchtkränzen decorirt.

Erftere find trefflich gerathen und ein unfchätzbares Verkleidungsmateriale an Bauten, fowohl für die Aufsenfeiten als für die Innendecoration von Gängen, Vefti­bulen u. f. w. Das Ornament wird in die gelblich helle Thon- Grundmaffe eingedrückt, die entstandenen Vertiefungen mit dunklem Thone ausgefüllt und nach einiger Zeit, bis die Trocknung des Thones etwas vorgefchritten ift, durch Abfchaben der Platte geebnet, der überflüffige dunkle Thon entfernt, und fo der Deffin zum Erfcheinen gebracht. Die Schwierigkeit, beiden Thonforten, die fich hier zu vereinigen haben, gleiche Schwindung im Feuer zu geben, ift eine grofse, und auch March's Platten zeigten ab und zu Trennungsftellen des intarfirten Thones von der Grundmaffe. Die glafirten Fruchtkränze waren gut geftimmt und recht kräftig in der Farbe. Freilich ftehen wir auch hier erft vor den Anfängen einer Technik, von der es wünſchens­werth wäre, dafs eine häufigere Anwendung in der Architektur gemacht würde. Und eben darum freuten wir uns des freilich etwas zu feltenen Vorkommens derfelben auf dem Ausstellungsplatze. Wie fchön war nicht die Wirkung jener Reliefornamente aus gelblicher Terracotta mit blaugrün glafirtem Grund, welche als Deffinfüllungen an der Rückwand der Gartenbank angewendet wurden.