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Dr. Emil Teirich.
einfachften von der feinen Waare ausgehen muſs, wird auch das billige Product gewinnen.
Im Allgemeinen kann für Oefterreich nur die Einführung des norddeutfchen und fo recht eigentlich nationalen Kachelofens in verbefferter Form aufs Wärmfte empfohlen werden.
Sehen wir rafch durch, was Oefterreich zur Ausftellung brachte. Da war einmal vor allen Anderen De Cente in Wiener- Neuftadt, der einen grofsen Raum der Rotunde mit den verfchiedenartigften, weifsen, faft durchgehends Emailöfen gefüllt hatte. Das Email felbft ift ftets riffig, die Oefen zumeift nach dem in Oefterreich üblichen, fogenannten fchwedifchen Syftem conftruirt. Wie wenige der Formen find darunter gelungen; was nützt da ein von Hanfen's Schülern gezeichneter, mit einigem antiken Zierath aufgeputzter Ofen, wenn die ganze Richtung durch all' die anderen Ausftellungsobjecte fcharf genug charakterifirt wird. Viele unferer Induftriellen fcheinen überhaupt zu glauben, und diefer Anfchauung begegnen wir öfter, fich ein Verdienft um Hebung des Gefchmackes zu erwerben und Anerkennung zu verdienen, wenn fie ab und zu nach Skizzen eines hervorragenden Künftlers ein einziges Object, etwa zum Zwecke einer Weltausftellung, arbeiten und zu enormen Preifen verkaufen.
Damit ift nichts, oder nur wenig gefchehen. Wird nicht die ganze Richtung der Fabrication veredelt, fo dafs ein richtiges Gefühl jeden Arbeiter durchdringt und eine Garantie für die ftilvolle Ausführung jedes Details im letzten Gehilfen gefunden wird, fo find derlei fporadifche Verfuche nichts als Kunftftücke ohne weiter greifenden Einfluss.
Auch De Cente könnte Befferes in künftlerifcher Richtung leiften, um fo mehr, als er ja doch wenigftens die gröfsten Schwierigkeiten der Technik recht gut und feit Langem fchon überwunden hat. Sein grofses Gefchäft, fein bedeutendes Abfatzgebiet und die Würdigung feiner langjährigen Bemühungen um die Ofenfabrication in Oefterreich hat uns veranlafst, ihn als erfte und hervorragendfte Firma zu nennen, während eigentlich die Ofenfabrik von W. J. Sommerfchuh in Prag die erfreulichfte Leiftung auf diefem Gebiete aufzuweifen hatte.
Sommerfchuh's Verdienft liegt in der wirklich gelungenen und ziemlich vollendeten Fabrication von Email- Kachelöfen nach norddeutfchem Mufter, fein Kaminofen mit grauer Decoration, fowie auch fein Kamin waren recht gute Erzeugniffe, mit denen fich in Oefterreich kein anderes meffen kann. Was die zwei faft lebensgrofsen orientalifchen Geftalten eigentlich unter den Oefen woll. ten, wurde uns nicht klar, da wir Herrn Sommerfchuh die Gefchmacklofigkeit nicht zutrauen, etwa Kamine damit zieren zu wollen. Freilich als fchwierige Stücke der Fabrication verdienten fie alle Beachtung.
In eine Kritik des Emails, in einen Vergleich desfelben mit den Erzeugniffen von Seidl in Dresden etwa einzugehen, können wir uns erfparen, bis alle Schwierigkeiten zur Vermeidung der Kühlriffe von der Fabrik werden überwunden fein.
In färbigen Oefen, und nur folche hat er ausgeftellt, leiftet Bernhard Erndt in Wien entfchieden Gutes. Sein grofser brauner Ofen mit färbigem, buntem Ornament, im Renaiffanceftil componirt, liefs wenig zu wünſchen übrig. Er war uns von der Parifer Ausftellung her wohlbekannt und hätten wir nur fehr gewünſcht, Erndt hätte uns eine neuere Leiftung vorgeführt. Aehnlich gut waren die anderen Erzeugniffe feines Etabliffements, dem Wien die einzig brauchbaren bunten Oefen verdankt.
Unbegreiflich ift es daher, dafs fich der Gefchmack feines verdienftvollen Leiters bis zu jenem orientalifchen(?) mit Oelfarben grell bemalten Ofen verirren konnte, der das hübfche Enfemble feiner Ausftellung geradezu verunzierte.
Nicht diefelben Erfolge hat in der Emailglafur- Technik der Namensvetter des Erfteren, Franz Erndt, aufzuweifen. Mit folcher Gefchmacklofigkeit, gepaart mit technifcher Unvollkommenheit, war es immerhin gewagt, eine Ausstellung zu