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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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Dr. Emil Teirich.

Namentlich der zweite Ausfteller, fchon bekannt feit der letzten Mufeal­ausftellung in Wien vor zwei Jahren, gibt fich mit Erfolg viel Mühe, Fabrication und künftlerifche Ausftattung der Waare zu heben. Manches ift darin erreicht. Slowak und Klammerth ftellten Krüge, Flafchen, Teller, Vafen, Fruchtfchalen u. dergl. theils für den directen Gebrauch, theils zu decorativen Zwecken aus, für welch' letztere die Ausführung, namentlich die Malerei doch noch allzu wenig durch­gebildet ift. Meift decoriren beide blau auf weifs. Die Glafur ift gelblichweifs, von einem angenehm warmen Farbenton.

Läfst das öfterreichifche Muſeum diefe Induftrie nicht aus dem Auge und verfchliefsen fich nicht die Fabrikanten, wie es mitunter den Anfchein hat, der Erkenntnifs der Mängel, die unleugbar ihrem noch zu rohen Fabricate ankleben, fo kann mit den jetzigen Anfängen in Znaim für dauernde Zeiten der Keim zu einem grofsen, in jeder Richtung bedeutenden keramifchen Diftrict gelegt fein. Gefchirre für den Hausgebrauch werden in Znaim in bedeutenden Mengen, mit einer eigenthümlich dunkelbraunen Glafur, die meift fchwarz decorirt ift, und von befonderer Güte hergeftellt. Der fchon genannte Klammerth, dann Franz Jordan, J. F. Slowak, L. Lauer und C. Moeft ftellten von der genannten Waare mitunter recht gelungene Stücke aus, von denen die aus letzterer Fabrik gelbliche Glafur mit braunrother Streifung oder fonftiger Deffinirung trugen. Die mährifche Thonwaaren- Fabrication wurde endlich noch durch die Gebrüder Schütz in Olomoucan vertreten, die recht gutes Steingut aus den trefflichen Flöhauer und Liboyer Thonen erzeugen und auch Proben von letzteren ausftellten. Ein geeigneteres Materiale zu folchen Zwecken kann kaum gedacht werden. Das Streben der Aussteller, diefe Thone durch gute Verarbeitung zu verwerthen, mufs anerkannt werden. Die farbige Decoration ihrer Gefchirre, vom äfthetifchen Gefichtspunkte mitunter wenig lobenswerth, war aber techniſch

intereffant.

Graf Stadnitzky brachte endlich Hannagefchirre, von denen wir auch einige Mufter bei den Figurinen fanden, welche die mährifche Landes­commiffion in den Nationaltrachten aufftellten. Diefe, fowie die fehr inter effante Collection der ungarifchen, flavonifchen und kroatifchen Töpferwaaren bildeten einen fehr inftructiven und anregenden Theil unferer Aus­ftellung. Vieles unter den bunt durcheinander gewürfelten Muftern war direct verwerthbar, Manches erinnerte in feiner Grundform an gute Ueberlieferung, an ftarres Fefthalten an hundertjährigen Formen.

Hie und da find Spuren des orientalifchen Einfluffes entfchieden bemerk­bar. Diefe Spuren find das Donauthal hinauf und im Stromgebiete der Save weiter zu verfolgen als im Gebirge. Es find diefs eben unverkennbare Refte der Inva­fion der Türken, Ueberbleibfel jener Zeit, wo fich vor den Mauern Wiens der Halbmond aufgepflanzt und Alt- Ofen der langdauernde Sitz des Pafchawefens war. Alle diefe Gefäfse zeugen von einem unverkennbaren Sinn für Farbe, und ihre Polychromie, nicht felten gut verftanden, ift trotz der fehr befchränkten Farben­palette, die den bäuerlichen Keramikern zu Gebote fteht, in ihrer vielfachen Nuan­cirung eine äufserft bunte.

Die böhmifche Steingut- Induftrie vertrat L.& C. Hardtmuth in Budweis in erfter Linie. Freilich können wir uns nicht verhehlen, dafs wir gerade von diefem bedeutenden Steingut- Gefchäfte eine erbaulichere Ausftellung gewünſcht und erwartet hätten. Das Meifte war ganz mittelmäfsige Handelswaare, weiſse, ordinäre Teller, Gefchirre für den Hausgebrauch mit landläufigen Decorationen durch Druck und Handmalerei.

Auch einige Verfuche zu Weiterem waren nicht ganz geglückt und fo können wir uns beifpielsweife mit den chinefifchen Tellern auch nicht einverftanden erklä­ren. Nichts deftoweniger hat die Fabrik Hardtmuth's, die auch in anderen Indu­ftrien Bedeutendes bekanntlich liefert, eine nicht zu unterfchätzende Bedeutung