Die Thonwaaren- Induſtrie.
71
lich mit der Fabrication folcher Producte oder vereinen damit die Erzeugung feuerfefter Steine. Dort wurde übrigens auch die äfthetiſche Seite der SteinzeugInduftrie ausgebildet und manche trefflich modellirte Krüge, Schalen und fonftige Gefäfse fanden wir unter der Ausftellung von Dulton& Watts in Lambeth, welche unftreitig die hervorragendfte Firma in der Behandlung des Steinzeuges ift. Ihre grofsen Fabriken find faft durchgehends ausgezeichnet eingerichtet und ift dort namentlich die Bearbeitung des Thones auf mechanifchem Wege, auf der Drehbank u. f. w. im ausgedehnteften Mafse eingeführt. Die Hauptftärke der Fabrication liegt hier in den Erzeugniffen von falzglafirten Gefäfsen für die chemifche Induftrie, Röhrenleitungen für die Bewäfferung und Beriefelung, Abortfchläuchen u. f. w., die alle in den gröfsten Dimenfionen und mit anerkennenswerther Präcifion erzeugt find. Röhren vom gröfstem Diameter find trefflich gearbeitet, fehr fchön rund erhalten, und mit angeprefsten, nicht erft fpäter angefetzten Muffen verfehen, wozu in England allgemein Mafchinen und zwar der verfchiedenften Conftruction verwendet werden. Die von Dulton benützte prefst zuerft die Muffe und daran fofort das Rohr. Die Säurepumpen Dulton's mit Thonventilen und Asbeftpackung find wohl die vorzüglichften ihrer Art und haben wahrlich einem dringenden Bedürfniffe abgeholfen.
Eine grofse Verbreitung und Anwendung verfchaffte Dulton feiner Briftolwaare, die im Wefentlichen aus einer fein bearbeiteten Steinzeug- Maffe erzeugt und nach dem Trocknen mit einer etwas bleihaltigen, oft fehr verfchieden zufammengefetzten Glafur durch Eintauchen überzogen wird. Hiebei ift man im Stande, durch theilweifes Tauchen in hellere und dunkler gefärbte Glafurmaffen verfchiedene recht warme Farbentöne zu erzielen. Die Waare wird gebrannt bei gleicher Temperatur, wie die mit Salzglafur, doch darf das Feuer die eingebauten Stücke nicht berühren.
Ein eifriges Streben, immer neue Verwendung für das fehr treffliche Materiale zu finden, ift bei Dulton unverkennbar.
Von weniger Bedeutung als Handelswaare, wenn auch mitunter nicht ohne befonderem Reiz find die decorativen Stücke, namentlich manche Gefäfse, Krüge etc., die Dulton erzeugt. An und für fich fchon verträgt die Maffe fchwerer eine feine Modellirung, immerhin könnten aber namentlich die Figuren auf diefen Gefäfsen beffer durchgebildet fein. Recht hübfch machten fich die eingravirten Ornamente und die flüchtig unter der Salzglafur angelegten blauen und braunen Töne. Einige Reliefplatten, welche beftimmt find, zur Decoration, als Füllungen für Möbel, Cabinette etc. zu dienen, waren recht gut und warm in der Farbe. Die Anwendung von Thonwaare in der Möbelinduftrie als Decorationsmittel nimmt fichtliche Fortfchritte in England.
Eine andere Art des Steinzeuges ift die fogenannte Claretwaare, die im Wefentlichen durch Zufatz von Farben in die Maffe felbft erzeugt wird. Die Färbungen, welche der enormen Hitze des Steinzeug- Ofens ebenfo fehr zu widerftehen haben, wie der Einwirkung der Kochfalz- Dämpfe find wenige. Alle erleiden faft eine Veränderung. Braun und Graugrün ift leicht zu erreichen und von guter Wirkung. Dulton erzeugt diefe Specialität erft feit wenigen Jahren und ftellte einige fehr fchöne Stücke davon aus.
Ein ähnliches Fabricat, nur weniger ausgebildet nach feinen verfchiedenen Richtungen, bringt H. Doulton& Comp. gleichfalls in Lambeth, das eigentlich zum Theile unglafirte, fehr hart gebrannte und ihres hohen Eifengehaltes wegen ftark finternde Klinkermaffe ift, die denn auch wirklich, ähnlich den Münchner Trottoirfteinen, zu folchen, dann aber auch zu Canalröhren u. f. w. verarbeitet wird. Es ift diefs die fogenannte terro metallic oder blue Staffordſhire- Waare, die feit einigen Jahren fich vielfach Eingang in der englifchen Bautechnik zu verfchaffen wufste. In derfelben Weife arbeitet Wood& Ivery in Staffordſhire, deffen wir bereits gelegentlich der Befprechung der Ziegel- und Terracotta Induftrie zu gedenken hatten. Diefe Erzeugniffe fowie die fchon genannten