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Dr. Emil Teirich.
Die Ausstellung Minton's in Pâte fur pâte ift ganz. befonders reizend. Zwei flache Pilgerflafchen mit braunem Grunde und zwei herrlichen Kindergeftalten im Auftrage, find Meifterwerke, deren ähnlich gehaltene Schweftern bereits vor zwei Jahren die allgemeine Anerkennung fanden. Ein Hauptfortfchritt Minton's befteht in der Ausdehnung, welche er dem Pâte fur pâte Procefs in feinem Etabliffement gegeben hat. Eine Reihe von Gefäfsen, fchön in der Form und mitunter reizend geziert, durch meift fchwebende Geftalten, deren wallende Bekleidung Gelegenheit bietet, alle Reize diefer fubtilen Technik zu entfalten, war ausgeftellt. Der olivengrüne, dunkle Untergrund, den Minton jetzt den meiften feiner Gefäfse gibt, ift ganz geeignet, das Weiche der Pâte zur Geltung zu bringen. Um wie vieles härter, wenn auch nicht minder vollkommen ausgeführt, fteht nicht Weifs auf dem blauen Grunde der länglichen Caffette, deren fein ausgeführte Figurengruppen im übrigen alle anderen übertreffen. Als neu ift endlich auch noch der dunkle, intenfiv- fleifchrothe Untergrund für einige Ausführungen in Pâte fur pâte zu bemerken.
Stücke von Bedeutung find jene, nach japanefifchen Motiven gefertigten kleinen Gefäfse mit verfchieden gefärbtem figuralem und conventionellem Ornament geziert, das auf dem urfprünglich weifsen Körper des Gefäfses mit durch und durch gefärbter Porzellanmaffe modellirt ift. In zweifach gefärbter Maffe find auch die Candelaber mit weiblichen tragenden Geftalten ausgeführt, deren Körper weifs, deren Gewandung feladongrün gehalten ift. Die Glafur deckt nachträglich beide. Die Grundmaffe ähnelt hier in ihrer Zufammenfetzung dem Parian, und ift deren Compofition ein Verdienft von Leafon, dem Bereiter der Mintonfchen Thonmaffen in Stoke.
Ziemlich häufig wendet Minton das Druckverfahren an, namentlich an feinen Fayencen, dann aber auch zur Decoration des Porzellans, doch meift fo, dafs die vom litographifchen Steine abgenommene Contur fchwarz auf das Bisquit gedruckt, verglüht und glafirt wird, und nun erft mit den Emailfarben die Flächen bemalt werden. Bei der Weichheit der Glafur und der Anwendung leichtflüffiger Farben finkt der obere Auftrag fo beim Brennen ein, dafs der Effect der Decoration durch ein folches Verfahren nicht leidet. A. Reynholds ift der Leiter der ausgedehnten Druckerei des Etabliffements und er ift auch der Erfinder jenes neuen Verfahrens, von der Metallplatte zu drucken, deffen wir bei Befprechung der Fayencen Minton's erwähnt hatten.
Das gröfste Stück, welches Minton's Porzellanausftellung aufweift( diefelbe occupirt vornehmlich die Mittelgruppe feiner Aufftellung) ift eine Vafe, bemerkenswerth der techniſchen Schwierigkeit wegen, die ihre Herftellung haben mochte, obgleich die ungleich fchwierigere Erzeugung noch gröfserer Stücke in hartem Porzellan namentlich von der Berliner und Meifsner Manufactur zu fehen ift.
Noch möchten wir zweier kleiner Vafen gedenken, die mit Limogemalerei decorirt, an Feinheit zwar den ausgezeichneten Stücken von Worceſter nachftehen, die aber, wie wir glauben, von demfelben Künftler wie jene gemalt find. Minton cultivirt derzeit nur ganz felten diefes Genre.
Eine Specialität Mintons, der er aber auch die weitefte Verbreitung verfchafft hat, ift fein Türkisblau, eine Farbe von fo delicater Zartheit und Reinheit im Ton, wie felten eine zweite. Dabei ift diefe Farbe nur dem weichen Porzellan zu appliciren, jeder Verfuch, fie auf hartem einzubrennen, mufs naturgemäfs fcheitern. Minton arbeitet mit diefer Farbe feit 1870, wo er nur fehr wenige zum Theil auch wenig gelungene Stücke davon brachte. Beffer fchon war deffen Auftreten 1871 zu London, wo diefe Erzeugniffe dasfelbe Auffehen hervorriefen, wie deffen Perfifchblau auf Fayence. Das Türkisblau wurde urfprünglich chinefifchen Cloifonnés nachgebildet, und auch auf die diefsjährige Ausftellung bringt Minton zwei grofse Vafen diefer Art. Meift wird das ganze Gefäfs mit Blau überzogen, dann gebrannt und hierauf erft mit weifser oder