Die Thonwaaren- Induftrie.
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würfe. Wenn nicht immer das Richtige dabei getroffen wird, fo liegt viel Schuld an der Sucht ftets Neues zu bringen und der herrfchenden Gefchmacksrichtung, jeder momentan herrfchenden Mode des Londoner Publicums Rechnung zu tragen.
Als dritter im Bunde unter den hervorragendften englifchen Firmen ift Copeland and Sons in Stoke upon Trent zu nennen.
Das Streben nach der vorzüglichften Modellirung ift in allen Erzeugniffen diefer Firma anzuerkennen. Die ganz unübertroffenen Leiftungen derfelben in Parianmaffe haben wir anderen Ortes wiederholt zu würdigen gefucht und erwähnen hier nur noch, dafs auch fein Porzellanbisquit diefelben Vorzüge in der Formgebung aufweift. Die Sicherheit in der Behandlung des Figuralen veranlafst aber auch zur häufigften Anwendung desfelben bei allen Gelegenheiten als Decorationsmoment für Gefäfse, Jardinièren, Lampenvafen u. f. w. die meift nach Zeichnungen und Modellen von Abraham ausgeführt find.
Ganz befonders fein find die Farben, welche Copeland auf feinem Porzellan anwendet, und die, wenn auch nicht immer gleich gut nuancirt wie die von Minton, doch ftets fehr rein im Ton und vorzüglich fchön und gleichförmig im Auftrage find. Die farbige Decoration der Arbeiten Copelands, fobald es fich nicht um das Ueberziehen ganzer Flächen handelt, befchränkt fich im Wefentlichen auf Blumenmalerei. Hürten ift einer der beften Maler diefes Genres.
Lobenswerth ift endlich das Mafshalten bei Anbringung der Vergoldung, die ziemlich frei von jenen Fehlern ift, die wir gleich Eingangs als nur zu häufig vorkommend, zu tadeln hatten. Jedenfalls ift Müller, der Leiter der Vergolderarbeiten, von einem feinen Verftändniffe für die Anwendung diefes, fonft doch fo brauchbaren Zierathes für das Porzellan, begabt. Aufser den decorativen Gegenftänden bringt Copeland auch eine reiche Auswahl von fehr fchön gearbeiteten, Kaffee-, Thee- und Speifefervicen, die durch das ausgezeichnet feine und zart geformte Porzellan intereffiren, wenn darin auch fchon hinfichtlich der künftlerifchen Behandlung nichts von Bedeutung geleiftet wird. Auch einige PorzellanVerkleidungsplatten, fo namentlich ein Panneaux mit Blumenbouquets auf meergrünem Grunde find zu erwähnen, wie denn überhaupt nur die Decoration mit Pflanzenórnament bei Copeland verdienftlich erfcheint, während alle andere Malerei, namentlich des figuralen Theiles fchwach genug ift.
Die ganze Ausftellung Copeland's macht einen freundlichen, eleganten Eindruck und erfreut, ohne die Kritik durch ein Verfolgen gewiffer bizarrer Richtungen herauszufordern. Ein felbftftändiges, bahnbrechendes Vorgehen, wie wir es bei Minton oder Worceſter fanden, ift nicht Copeland's Sache, der fich überhaupt gerne an die Erzeugniffe und die Technik der erftgenannten Firmen anlehnt.
Einen guten Ueberblick über die Leiftungen der eben befprochenen drei Fabriken gab die Ausftellung von John Mortlock, welcher, felbft nur Händler, nicht unwefentliche Verdienfte um Hebung der englifchen ThonwaarenInduftrie fich erworben hat, indem er für den ausgedehnteften Abfatz, namentlich der befferen, künftlerifch durchgebildeten Arbeiten thätig war. Manche Anregung zu Neuem, Vollkommenerem ift fo von ihm ausgegangen und war er in doppelter Hinficht den Firmen, die er vertritt von Nutzen. Seine Vitrine zeigt uns eine ausgewählte Collection, unter der wir die beften der vorhin befprochenen Erzeugniffe, fowohl in Porzellan als auch in Fayence fahen. Jedenfalls wandert das Neuefte und Befte aus der Hand des Fabrikanten fofort in die Mortlocks.
Eine andere Richtung fchlägt A. B. Daniell& Sohn ein, der mehr die currente Waare führt und hauptfächlich Coalport- Porzellan führt, deffen altbewährter Ruf fortdauert. Seit 1751 exiftirt die Fabrication diefes Porcellans. bei Brofely in Shropſhire und fchon um 1772 brachte Thomas Turner aus den damals fchon berühmten Worcefter Works die Kunft der Imitation des alt