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Die Kurzwaaren-Industrie : (Gruppe X) ; Bericht / von Ludwig Hartmann, J. Weidmann und C. Th. Richter
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Kinder- Spielwaaren.

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waren fertige Waaren, und gingen nach den verfchiedenen Märkten, 41 Percent oder 187.000 Centner entfielen auf die Einfuhr von Hölzern, Rohftoffen und Hilfsmaterialien aller Art. Kennzeichnet diefs nach einer Richtung die Maffe, fo genüge es, um die Vielfeitigkeit der Induftrie begreiflich zu machen, dafs Sonne­berger Firmen ihren Reifenden Mufterbücher bis 16.000 verfchiedene Nummern enthaltend mitgeben für ihre Reife durch die ganze civilifirte und uncivili­firte Welt.

Reiche und arme Provinzen und Länder kaufen natürlich verfchiedene Waarenqualitäten, und fo ift die Erkenntnifs des Bedarfes ein gleichbedeutender Zweig im Gefchäfte, wie die Production felbft. Amerika, Java, Auftralien find die beften überfeeifchen Abnehmer, und kaufen, wie grofs der Export, nur theure Waare. In Europa ift England die befte Abfatzquelle der deutfchen Spielwaare. Rufsland bezieht überwiegend einen grofsen Theil feiner Luxus- Spielwaare aus Frankreich. Nürnberg und Fürth liefert heute eine unglaubliche Menge der ver­fchiedenartigften Waaren. In überwiegender Weife aber werden die kleinen Geräthfchaften und Gegenftände angefertigt, welche durchfchnittlich höher im Preife ftehen, als die gewöhnlichen Spielfachen. In Nürnberg werden die Eifen­bahnzüge, Locomotiven, Waggons u. f. w., in 80 Klempner- Werkftätten die welt­berühmten Blech Spielwaaren in grofsen Maffen producirt. Dann ftammen die Spiel fachen höherer Art wie Zauberlaternen, Schwimmvögel, Fifche mit magnetifchen Fangnadeln gleichfalls aus Nürnberg und Fürth. Die Zinngiefserei ift feit der aufserordentlichen Ausbildung der Thonwaaren- Fabrication allenthalben und auch in Nürnberg bedeutend zurückgedrängt worden. Die heute noch beftehenden zwanzig Zinngiefsereien in Nürnberg erzeugen jene Soldaten, die man auf der Ausftellung in ganzen Schlachten ausgeftellt fah; dann Uhren, Kinderfchmuck und Möbel, und verarbeiten dabei übrigens noch immer eine folche Maffe von Metall, dafs die gröfseren Etabliffements im Jahr durchfchnittlich 150 Centner Metall ver­brauchen. Was übrigens Nürnberg und Fürth ausgezeichnet, das ift die Solidität der Waare, Schönheit und Richtigkeit der Zeichnung. Auch concurrirt Nürnberg in diefer Richtung ganz kräftig mit Berlin, Kaffel und München. Fürth fteht übrigens in einem gewiffen Abhängigkeitsverhältniffe zu Nürnberg, indem es meift für Nürnberger Häufer arbeitet.

Die Spielwaaren- Region des Thüringer Waldes und des fächfifchen Erz­gebirges ift jüngeren Alters als jene von Nürnberg, aber in den letzten Jahrzehn­Hier werden ten zu gleicher handelspolitifcher Bedeutung emporgewachfen. gleichfalls auf einer glücklichen Arbeitstheilung ruhend, wobei eine Hand für die andere arbeitet, die unglaublich billigen menfchlichen Figuren und Thiergeftalten aus Holz mit Bäumen, Häufern, Ställen u. f. w. gefchnitzt, und in Schachteln ver packt. Hier werden die bekannten Gewürzfchränkchen, Salz und Mehlfäfschen, Schachteln jeder Gröfse, Klappern, Schnurren, Nufsknacker; im meiningen'fchen Städtchen Sonneberg dann auch noch Schiefertafeln, Griffel, Wetzfteine erzeugt, und bieten den thätigen Kaufleuten diefer Gegend, welche in den Nord- und Oftfeehäfen, in England und Frankreich, in den fkandinavifchen und amerikani­fchen Ländern ihre Gefchäfte und Zweigniederlaffungen haben, die ftets begehrte und immer abfatzfähige Waare. Von Sonneberg ging auch die plaftifche Bildnerei, die Arbeit aus Papiermaché und Steinpappe aus, und arbeitet man heute neben den alten Zweigen des Gefchäftes hier wie im fächfifchen Erzgebirge in Leder, Kautfchuck, Porzellan, Glas u. f. w.

Die öfterreichifche Spielwaaren- Fabrication, deren allgemeinen Charakter wir fchon früher gekennzeichnet haben, war gleichfalls auf der Ausftellung ganz bedeutend vertreten. Die Wiener Spielwaaren- Händler zogen vor Allem die Auf­merkfamkeit auf fich. Ferdinand Stamm hat in feinem Berichte bereits der hervor. ragendften Firmen gedacht. Wir erwähnen hier nur, dafs Wien keineswegs für Oefterreich wie z. B. Paris mit feiner Spielwaaren Erzeugung für Frankreich die gleiche Bedeutung hat. Der Werth der Parifer Spielwaaren beträgt im Durch­