Papierinduftrie.
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leines geringen Anfehens und feiner Brüchigkeit wegen, felbft als ordinäres Packpapier nicht beliebt ift. Die Billigkeit fteht ihm allerdings entfchuldigend zur Seite, wiegt aber die fonftigen miſslichen Eigenfchaften nicht auf. Strohpappen find ein brauchbarer, billiger Artikel und werden in bedeutend höherem Mafse begehrt als Papier.
Der in oben befchriebener Art präparirte Strohftoff eignet sich durchaus nicht zur Verwendung für beffere Papierforten, und es galt daher, die Strohfafer, entkleidet der ihr anhängenden, ftörenden fremden Beftandtheile, als für feine Papiere tauglichen Stoff zu gewinnen. Vorerft handelte es fich darum, die dem Stroh anhaftenden löslichen Kohlenhydrate, Fette, Extractivftoffe etc. zu entfernen, und dann die weiche reine Fafer vollſtändig zu entfärben, das heifst, zu bleichen. Die Ausftellung zahlreicher Mufter gebleichten und ungebleichten Strohftoffes, fowie eine grofse Menge tadellofer mit Strohftoff gearbeiteter Papiere, zeigt die glückliche Löfung des noch vor kurzer Zeit für äufserft fchwierig gehal; tenen Problems.
Unter den verfchiedenen Methoden der Strohftoff- Bereitung find die bekannteften die von Lahouffe, Thode und Deininger.
Hector J. Lahouffe aus Lille hat fich acht Jahre mit Verfuchen befchäftigt, ehe er das ihm patentirte und nun am meiften verbreitete Verfahren fand. Sein Fabricationsfyftem ift folgendes: Das in Häckfelform zerfchnittene Stroh wird, nachdem es durch eine Reinigungsmafchine von Korn, Aehren und Knoten befreit worden ift, in einem kugelförmigen Apparat mit kauftifcher Lauge ausgelaugt. Nachdem das Stroh fich mit der Lauge gefättigt hat, wird der Ueberfchufs der Lauge in ein Refervoir abgelaffen, um bei der nächften Operation wieder verwendet zu werden, während das Stroh in einen cylindrifchen Kochkeffel gebracht wird, in welchem es vier Stunden lang unter einem Drucke von 22 Atmoſphären gekocht wird. Nach dem Kochen wird das Stroh im Apparate felbft mit warmem Waffer gewafchen, wodurch die Kiefelfäure, Pectin, Harz, färbige Subftanzen etc. entfernt werden. Ein Raffineur zertheilt die Fafern, worauf das Bleichen in Holftändern vorgenommen wird, und der Stoff zur Papierfabrication fertig ift. Die Anlage einer Strohftoff- Fabrik nach Lahouffe's Syftem erfordert drei Etagen. In der oberften wird das Stroh gefchnitten und gereinigt, in der zweiten gelaugt, in der unterften gefchehen die übrigen Operationen. Die Apparate und Mafchinen für die Minimalproduction von 20 Centner lufttrockenen Stoffes in 24 Stunden koften ab Maſchinenfabrik 20.000 fl. öfterreichifche Währung. Die Erzeugungskoften von 100 Pfund lufttrockenen Stoffes find folgende:
200 Pfund Stroh
-
kr.
2 fl.
26
"
20
Soda Chlorkalk
4"
"
99
2 5°
27
" 9
Regie
"
Zufammen
3 99
II fl. 50 kr.
Seit 1869 hat die Mafchinenfabrik Gebrüder Sachfenberg in Rofslau an der Elbe, Anhalt, die Lieferung fämmtlicher für den Continent beftimmter Apparate und Maſchinen für Strohftoff- Fabrication nach diefem Syfteme übernommen, und werden diefe Einrichtungen in Material und Ausführung gleich vorzüglich geliefert. Lahouffe hat bisher 38 Strohftoff- Fabriken, worunter manche mit zwei-, drei-, auch vierfachen Anlagen, eingerichtet. Diefelben vertheilen fich auf die verfchiedenen Länder wie folgt: Deutfchland II, worunter Kefferftein& Sohn in Cröllwitz bei Halle an der Saale mit einer vierfachen Anlage, Oefterreich 7, Spanien 5, England 4, Rufsland 3, worunter Ed. Rudolfi in Babin of bei Petersburg mit einer vierfachen Anlage, Frankreich 2, Italien 2, Dänemark 2, Schweden I, Holland 1.
Die Strohftoff- Gewinnung nach Thode befteht in Folgendem: Das von Verunreinigungen, als Difteln, Winden etc. möglichft befreite Stroh wird in Häckfel