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Papier und Papierzeug : (Gruppe XI, Section 1) ; Bericht / von Emil Twerdy
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Papierinduftrie.

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Papierqualitäten dennoch nur in befchränktem Mafse ftatt. Die allzukurze Fafer beeinträchtigt die Feftigkeit des Papieres, der Harzgehalt hindert die volle Wirkung felbft einer kräftigen Bleiche, die Fafern verfilzen fich nicht dicht genug, liegen mehr an der Oberfläche des Papieres, und befitzt auch diefes nicht genug Satinirfähigkeit, um gröfseren Anfprüchen zu genügen.

Die Frage der Gewinnung ganz reiner Holzfafer gewann eine folche Bedeu­tung, dafs zahllofe Experimente angeftellt wurden, um diefes fo überaus wichtige Problem zu löfen. Es find heute bereits mehrere Methoden bekannt, Holzftoff auf chemifchem Wege zu erzeugen, aber wie immer bei neu auftauchenden Erfin­dungen, ftehen auch hier Zweifel und Mifstrauen der rafchen Anerkennung diefes neuen Stoffes und feiner fabriksmässigen Erzeugung hindernd im Wege. Wiewohl man längst darüber einig ift, dafs die Holzfafer durch Einwirkung von hoch­gefpannten Dämpfen und alkalifchen Laugen blofsgelegt wird, worauf das Bleichen unfchwer erfolgt, fo ftehen fich in der Detaillirung der mit dem Holze vorzunehmen­den Proceffe die Anfichten der Erfinder oft diametral entgegen, und ift diefe Induftrie im Allgemeinen noch zu jung, um jenes Vertrauen zu erwecken, wodurch derfelben Prosperität erblühen kann.

Es ist heute für Papierfabrikanten förmlich zur Modefache geworden, Cellu­lofe, wenn auch nur im experimentalen Wege, zu erzeugen, wofür die Ausstellung zahlreiche Belege in Form von kleinen Quantitäten Holzftoffes und einzelnen Papierbögen lieferte. Diefe Manie kann jedoch von jedem Intereffenten nur auf das freudigfte begrüfst werden, denn je vielfeitiger die Verfuche find, defto gröfser ift die Möglichkeit der Auffindung des rationellften Verfahrens. Nichtsdefto­weniger mufs conftatirt werden, dafs die Grofsinduftrie fich bereits diefes Gegen­ftandes bemächtigt und fehr achtbare Refultate zu Tage gefördert hat. Auf der Ausftellung find mehrere Fabricationsfyfteme, oder eigentlich die Erfolge derfelben zur Anfchauung gebracht, und ift nur zu bedauern, dafs keine Methode durch Vor­führung von Mafchinen und Apparaten oder felbft nur von einem Modell erläutert erfchien. Auf diefem Gebiete waren repräfentirt: England durch Stoffmufter und Papiere von James Lee, Stoffmufter und Papiere von Mc. Nicoll, der auch feinen Verdampfungsapparat ausftellte, Frankreich durch ein Modell des methodifchen Wafchapparates von L. Lefpermont in Paris, Deutfchland durch Stoffmufter und Papier von A. Deininger, Bernhard Behrend in Cöslin, die Dalbker Papierfabrik Max Drefel, Oefterreich durch Stoffmufter der Gefellſchaft Papyrus, Syftem Prinz, Papiermufter von Graf Falkenhayn, Stoffmufter von Hiebl& Diamant, Stoffmufter und Papiere von G. Röder& Comp. in Marfchendorf.

Das im Grofsen bisher am öfteften angewendete Verfahren iſt das von James Lee in Lydney, England. Den Mittheilungen feines Vertreters Herrn Ingenieur C. M. Rofenhain, Berlin, Auguftftrafse 26, entnehmen wir hierüber folgendes:

James A. Lee hat bereits fechs Fabriken in England, fünf in Schweden und eine in Nordamerika eingerichtet, während fechs Fabriken in Deutſchland im Bau begriffen find. Die ausgeftellten Holzftoff- Proben waren aus den Fabriken: Wernbohl in Södermannland, Dalary bei Elmhult in Småland, Krontorp bei Bjernöborg in Wermland, Bruzaholm bei Ekesjö in Småland und Brokhult bei Söderköpping in Oeftergötland. Jede diefer Fabriken liefert per Woche 22 tons chemifchen Holzftoffes, für welche in England 30 Pfund per ton geboten werden.

Das Verfahren James Lee's ift folgendes: Das von Borke befreite Holz, welches aus ganzen Stämmen oder Abfällen, mit Ausnahme von Hobel- oder Säge­fpänen beftehen kann, wird auf einer Schneidmafchine zerkleinert.

Die eingehendften Verfuche haben bewiefen, dafs man Holz nur gleich­mäfsig durchkochen kann, wenn die Holzftücke von ganz gleicher Länge und Dicke find, und in möglichft zufammengeprefsten Schichten in den Keffel ein­gebracht werden, was durch den Lee'fchen Holzfchneider in ausgezeichneter