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Emil Twerdy.
dies ganz befonders aus den beiden Gründen, weil fie erftens heterogene Stoffe nicht gleichmäfsig verarbeitet, zweitens weil die Kraft von 40 Pferdeftärken nur felten für diefe Mafchine vorhanden ift und eine kleinere als diefe die Leiftung wefentlich vermindert.
Eine eingehende Berechnung über die effective Leiftung eines gewöhnlichen Holländers und einer Scheibenftoff- Mühle zeigt, dafs bei erfterem eine Pferdekraft 80 Pfund, bei letzterer eine Pferdekraft 125 Pfund Stoff in 24 Stunden liefert. Der Verluft an Kraft bei der gewöhnlichen Cylindermühle rührt von verlorner Reibung her. Horizontale Mahlgänge haben die geringften Reibungsverlufte, und Kingland hätte fich eigentlich das Umftülpen der Steine erfparen können. Eine horizontale Mühle liefert mit einem Kraftverbrauch von I Pferdekraft 160 Pfund Ganzftoff.
Die geringe Leiftungsfähigkeit einer Cylindermühle war es, welche die Herren E. Debié, Granger& Pasquier zur Conftruction ihres vervollkommneten Syftems geführt hat. Diefes Holländerfyftem hat feit den fünf Jahren feines Beftehens eine folche Ausbildung erfahren, dafs die Kenntnifs desfelben nunmehr für jeden Papierfabricanten von Wichtigkeit ift. Die von den Herren Profefforen Lespermont und Sagebien am 12. September 1872 in der Papierfabrik zu Wizernes an einer Cylindermühle von einem Meter Walzendurchmeffer, 0.70 Meter Breite, 1000 Kilo wiegend, bei 180 Touren per Minute angeftellten Bremsverfuche ergaben: dafs zum Mahlen von Stroh und chemifchem Holzftoff 6 Pferdekraft, zum Mahlen feften Hadernftoffes 8, und bei Füllung des Troges voll mit Waffer ohne Stoff 10 Pferdekraft nöthig waren. Der koloffale Aufwand an Kraft zur Bewegung des Stoffes ift ganz erklärlich, da die Schienen der Walze die Function des Rades eines Dampffchiffes haben, welches mit Schnelligkeit grofse Laften im Waffer bewegt mit dem Unterfchiede, dafs hier die Laft, dort aber die flüffige Maffe bewegt wird. Bei Dampffchiffen ift bekanntlich ein grofser Kraftverbrauch und nur bis 25 Percent Nutzeffect. Die Schaufeln tauchen höchftens nur mit dem achten Theile des Radumfanges ein, während die Walze mit den Schienen faft bis zur Hälfte eintaucht, den Stoff in die Höhe fchleudert und ihn wieder nach vorn nimmt; denn der kleinfte Theil des von den Schienen gefafsten Stoffes geht über den Kropf oder Sattel und von da weiter im Troge herum.
Die bei der neuen Stoffmühle ausgeführten Verbefferungen haben zum Hauptzwecke eine grofse Erfparnifs an Kraft in der Anwendung der Walze, bei voller Beibehaltung derfelben Art der Wirkfamkeit diefes Werkzeuges als Mahlapparat.
Die erfte diefer Verbefferungen gründet fich auf die Beobachtung, dafs bei dem alten Verfahren die Walze zwei unterfchiedene Functionen auszuführen hat, welche für ein gutes Ergebnifs der Triebkraft geradezu entgegengefetzte Bedingungen der Gefchwindigkeit erheifchen. Diefe Functionen find die Speifung der mahlenden Flächen und der Mahlung felbft. Die erftere befteht in der Ertheilung einer regelmässigen und gleichmässigen Bewegung der im Troge befindlichen Stoffmenge und wird durch eine fehr geringe Gefchwindigkeit erlangt. Die zweite hat die allmälige Verminderung der Faferlängen während des Durchganges über das Grundwerk zum Zweck und verlangt dagegen eine fehr grofse Gefchwindigkeit.
Unterfucht man die für jede diefer beiden Functionen aufgewandte Menge an Triebkraft, fo findet man, dafs in der älteren Stoffmühle diefe Triebkraft im Verhältnifs der Speifung zur nutzbar gemachten Arbeit beträchtlich ift.
In der neuen Stoffmühle werden die beiden Functionen der Speifung und Mahlung durch zwei verfchiedene Mechanismen ausgeführt. Die erftere durch eine neue Vorrichtung, Elevator genannt, die zweite durch die alte Vorrichtung, die Walze.
Die Walze ift auf dem oberen Theil des Troges mit dem Grundwerke erhoben und diefes etwas geneigt und vor der Walze derartig angebracht, dafs