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Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2) ; Schreib-, Zeichen- und Maler-Requisiten (Gruppe XI, Section 3), Buchbinderei, Cartonnage und Maschinen für Buchbinder (Gruppe XI, Section 4) ; Berichte / von Wilhelm Franz Exner ; Ignaz Nagel ; Conrad Berg
Entstehung
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TAPETEN UND BUNTPAPIER.

( Gruppe XI, Section 2.)

Bericht von

DR. WILHELM FRANZ EXNER,

Profeffor der mechanifchen Technologie an der Fortakademie in Mariabrunn, k. k. Regierungsrath.

Die Weltausftellung hat ihre Aufgabe, ein treues Bild des dermaligen Zuftandes der Production und des Verkehres der Güter zu liefern, in Beziehung auf das fpecielle Fach: Tapeten- und Buntpapier nicht erfüllt. Bei der gröfsten Genügfamkeit wenn man fich felbft mit einer nur halbwegs vollſtändigen Darftellung diefer Induſtrie, wie fie die letzte Parifer Univerfalausftellung geboten hat, befcheiden möchte unfere heurige Expofition hätte uns, fo lange wir von diefem Zweige menfchlicher Betriebfamkeit fprechen, nicht befriedigen können. Einzelne charakteriftifche Züge für diefes und jenes Productionsgebiet - das ift Alles, was uns der Praterpalaft zur Schau brachte.

Die Aufgabe des Reporters wäre eine leichtere, feine Vertrauenswürdigkeit eine erhöhte, wenn er ein erfchöpfendes Buch zu lefen und für das grofse Publicum kurz zu paraphrafiren hätte. Wir fanden aber in der Sammlung von Handfchriften, Urkunden und Büchern in der grofsen zeitgenöffifchen Bibliothek, als welche die Weltausftellung aufgefafst werden mag, nur eine Monographie über die polychrome Ausstattung der Papierfläche, welche ganze Abſchnitte nicht ent hielt, z. B. jenen über Mafchinen und Werkzeuge zur Tapetenfabrication, welche das Capitel Farbftoffe gar nicht von unferem Gefichtspunkte aus behandelte, und welches felbft in jenem Abſchnitte, deffen erfchöpfende Vollständigkeit uns am wünfchenswertheften gewefen wäre, nur einzelne Paragraphe darbot. Viele Blätter find herausgeriffen, auf den vorhandenen fehlen Zeilen, andere find verftümmelt, viele verdruckt. Der Abfchnitt, von dem wir fprechen, ift die Schilderung des fertigen Productes. Mühfam und freudenlos ift die Befprechung eines dermafsen verftümmelten Werkes.

Man wird uns einwenden, die Reporterpflicht beftünde eben darin, Fehlen­des zu erfetzen, die Bruchftücke zu einem harmonifchen Ganzen zu vereinigen und zur Befchauung fertig zu machen. Das hiefse in unferem Falle, bei der Gruppe XI, Section 2 zu einem Stück Hand, zu mehreren Stücken eines Fufses und zu einem Ohr mit etwas Backenknochen die übrigen Theile eines Standbildes formen. Ich brauche wohl nicht zu fagen, dafs ich diefs zu unternehmen nicht beabfichtige. Ich habe über die Schwierigkeit oder die Unmöglichkeit auf Grund­lage der in der Ausftellung gemachten Wahrnehmungen einen zufammenhängenden

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