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Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2) ; Schreib-, Zeichen- und Maler-Requisiten (Gruppe XI, Section 3), Buchbinderei, Cartonnage und Maschinen für Buchbinder (Gruppe XI, Section 4) ; Berichte / von Wilhelm Franz Exner ; Ignaz Nagel ; Conrad Berg
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Dr. Wilhelm Franz Exner.

drei für die Entwicklung der meiften Induftriebranchen ganz verloren gegangen und man mufs fich billig wundern, dafs die Mehrzahl der Tapetenfirmen aufrecht dafteht.

Die zwei grofsen Mafchinen- Tapetenfabriken Leroy und Gillou fils& Thorailler, über welche wir im Parifer Ausstellungsberichte und in dem Buche: die Tapeten- und Buntpapier- Induftrie, Weimar 1869, umftändliche Nachrichten veröffentlichten, find unfere Gäfte gewefen und haben die Producte ihrer Fabriken in einem Hofeinbau entfaltet. Die Mehrzahl der ausgeftellten Bahnen( Rollen) waren uns wohlbekannt. Das öfterreichifche Muſeum für Kunft und Induftrie befitzt die beften Mufter diefer Fabriken durch meine Vermittlung vom Jahre 1867 her. Der Fortfchritt, den die Mafchinentapete in ihrer Concurrenz mit der Hand­druck- Tapete macht, ging indeffen auch aus diefen Expofitionen hervor. Die furchtlofe Anwendung von fatten, tiefen Farben, welche man anfänglich der Mafchine nicht zumuthen konnte, die ftets delicater und fubtiler werdende Zeich­nung auch bei den Deffins, die man der Walze anvertraut, rauben der Modell­druckerei von Tag zu Tag mehr von ihrem bisher privilegirten Territorium. Ifidore Leroy ftellte heuer ein Décors mit Figuren( im Mittelfeld zwei Frauen­geftalten, in den beiden Seitenfeldern Engelgruppen, aufserdem Fruchtkörbe und dergl. mehr) exécuté à la mécanique aus, das techniſch gewifs tadellos war. Gillou Sohn und Thorailler haben mehrere Arbeiten, bei denen Hand- und Mafchinenarbeit zufammenwirkten, exponirt. Ein Stück davon war wohl geeignet, Auffehen zu erregen. Eine Teppichimitation von täufchender Naturähnlichkeit. Die Veloutage ift dabei auf die höchfte Stufe gebracht. Die Firma producirte diefsmal neuerdings die bekannte Decoration mit den von Dumont meifterhaft gemalten Hafen.

Die beiden Firmen find wohl auch heute noch in Beziehung auf Grofs­artigkeit des Betriebes die erften in Paris, und fomit von den bedeutendften in der Welt. Auch fie machen Anläufe zur Befferung in den Deffins, ich will fagen, zur Abwendung von der Phantafie und von der grob- naturaliftifchen Tapete. Sie werden das franzöfifche, Genre" aufgeben, hiezu ihre fortfchreitende Technik und fie bleiben die Meifter in ihrem Fache.

Die Parifer Luxustapeten- Manufactur war in Wien hinlänglich ver­treten. Einige der älteften Häufer fehlten freilich, wie Desfoffé, welcher aller­dings auch 1867 nicht ausftellte, und fich, wie es demnach fcheint, nicht mehr um den Lorbeer, der bei Expofitionen zu erringen ift, kümmert. Diefe Firma culti­virte in den erften fechziger Jahren die Herftellung von Hiftorien- und Genre­bildern mittelft Modeldruck. Wir fchmeichelten uns, diefe Mode fei aufgegeben. Wir hofften, dafs man figuralifche und landfchaftliche Darftellungen, nur infoferne man fie ornamental verwendet, in Zukunft zulaffen, und darauf verzichten werde, ein Surrogat für Wandgemälde zu liefern. Die technifchen Hinderniffe find und bleiben unüberwindlich. Auch des Plaidoyer eines vielerfahrenen und gefchätzten Tapetendeffinateurs( Friedrich Fifchbach. Deutfche Zeitung vom 10. September 1873) vermag uns nicht umzuftimmen. Wir faffen die gedruckten" Tapetenbilder als eine Verirrung auf, ebenfo wie die geftickten Portraits und dergleichen mehr und bedauern, dafs die, wie uns fchien, endgiltig aufgegebene Verirrung in Wien wieder auftauchte. Die ausgezeichnete Tapetenmanufactur von Hoock frères in Paris hat uns mit der Darstellung einer Hoffcene in einem Park überrascht. Der ganzen Darftellung hilft es wenig, dafs fie grau in grau durchgeführt wurde. Die Bahnen paffen nie genau, die Formen find hart, wie die Schattirung in Tönen. Das Befte davon ift noch die Architektur, welche die Bilder umrahmt. Die Wappen mit Lilien fcheinen uns nicht nur als zeitgemäfser Schmuck für jene Architektur, fon­dern auch als Signatur für die Zeitftrömung in Frankreich vor der Ausftellung 1873 dienen zu können. Entworfen ift das ganze Panneau von dem Künſtler Dumont­Die von demfelben Meifter für 1867 componirte Decoration im Stil Louis XIV. hatte vielmehr Berechtigung und war auch weit beffer gelungen. Die Skizze