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Ignaz Nagel.
Aus Oefterreich haben aufser dem bereits erwähnten Roedel in Prag, Gebrüder Müller in Peft, Andreazzi Hartmann& Mittler in Wien, Dr. Thenius in Wiener- Neustadt den verfchiedenartigften Anforderungen entfprechende Tinten zur Ausftellung gebracht; zu den beften fehr beliebt en Tinten mufs der fogenannte Reformextract, eine tieffchwarz fchreibende und Verdünnung durch Waffer vertragende Tinte von Ferd. Fritfch in Wien, dann deffen flüffiger Tufch fowie concentrirter Carmin und aufgelöfter Grünfpann für architektonische Arbeiten gezählt werden.
An Merktinten und Zeichentinten find hervorzuheben: die von Black wood& Comp. in London( Ictoline), die von Bonds John in London, fowie die von Dr. Jacobfohn in Berlin, der nebft einer aufsergewöhnlich fchönen rothen Merktinte auch hübfche Anilinfarbe ausgeftellt hatte.
Zum Schluffe mufs noch eines hieher gehörigen Artikels, nämlich eines Tintenfaffes erwähnt werden, das als„ Magic Inkftand" bezeichnet und von dem behauptet wird, dafs es mit Waffer gefüllt ohne Zufatz einer Tintenflüffigkeit hinreiche, um durch zehn Jahre täglich zehn Seiten zu fchreiben. Diefes Tintenfafs wurde in der englifchen Abtheilung der Ausftellung verkauft und feit Schlufs derfelben in den Handel gebracht. Die Wahrheit ift, dafs fich auf dem Boden des Tintenfaffes ein mit einer Tintentinctur getränktes Beutelchen oder ein Schwamm befindet, der an das eingefüllte Waffer eine dunkle Flüffigkeit, aber nur dann abgibt, wenn mit der Feder ftark auf dasfelbe gedrückt wird, aber auch in diefem Falle ift die Flüffigkeit von zweifelhafter Farbe; bei gewöhnlichem Eintauchen der Feder ift die Tinte blafs wäfferig, das„ Magifche Tintenfafs" ein Humbug.
Siegellack. In England und Frankreich, welche Länder in erfter Reihe berufen find, den überfeeifchen Bedarf an Siegellacken zu decken, wird die Fabrication diefes Artikels trotz der Nürnberger Concurrenz und trotz des allgemeinen Gebrauches der gummirten Briefcouverte und der Siegelmarke, noch immer äufserft fchwunghaft betrieben. Die englifchen Fabriken haben vor Allem den Vortheil, dafs fie der Bezugsquelle des Hauptbeftandtheiles, des Schellacks am nächften find, dafs fie diefen und die übrigen Rohftoffe auf dem Weltmarkte nach Bedarf und Gefchmack wählen können, und dafs ihre Zinnober und Farben feit jeher von erften Chemikern und Technikern tadellos präparirt werden, dafs mit einem Worte alle für die Erzeugung eines fchönen und guten Siegellackes erforderlichen Bedingungen in reichem Mafse vorhanden find.
Die englifchen Erzeugniffe auf der Ausftellung rechtfertigten denn auch die gute Meinung, welche man von den dortigen Lacken in der Regel hat.
Die Siegellacke, die Hill in London in langen Stangen vorlegte, dann die Brieflacke von Stephens, J. C.& J. Field in London und von Lyons in Manchefter zeichneten fich durch ihre helle Farbe und Reinheit im Bruche, das fchwarze Siegellack von Lyons durch feinen befonderen Glanz aus.
Frankreich liefert fehr fchöne Lacke in allen Farben, adjuftirt diefe zier lichen netten Stangen, unterſtützt von der Kunftfertigkeit der Cartonnagefabrikanten, in eleganten Etuis, die wiederum mit reizenden Etiquetten, lachenden, heiteren Farbendruck- Bildern, verfehen werden und fteht in der Erzeugung von Luxuslacken jedenfalls unerreicht da. Einen fprechenden Beweis für das Gefagte bot die Expofition von Toiray- Maurin in Paris, der in der Bereitung und Adjuſtirung feiner Siegellacke einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht hat, während Bergerés Expofition( Paris) meift nur mittelfeine Waare bot. Boyer's Siegellacke zeigen von forgfältigerer Bereitung wie die vorgenannten. Von den italienifchen Siegellacken verdient nur das von Ottavianello& Söhne in Rom erwähnt zu werden.
Im deutfchen Reiche fteht Nürnberg durch Maffenproduction befferer Waare in der Siegellackfabrication obenan. Durch einen billigeren Bezug